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Orthopädie 10. August 2011

Fingerzeig aufs verletzte Knie

Verhältnismäßig kurze Zeigefinger korrelieren bei Männern mit der Wahrscheinlichkeit, sich das Knie zu verletzen. Wer nun fragt, ob es sich hier um einen verfrühten Aprilscherz handelt, dem sei versichert: Die Sache hat einen durchaus ernsten Hintergrund.

In einer einschlägigen Studie vermaßen norwegische, schwedische und US-amerikanische Forscher die Zeige- und Ringfinger von 1020 Probandinnen und Probanden – allesamt Angehörige der berühmten Framingham-Kohorte – anhand der Röntgenbilder der Hände und berechneten den Quotienten der Längen. Zudem suchten sie nach radiologischen Zeichen von Arthrose und erhoben eine Anamnese zu früheren Knieverletzungen.

Dabei zeigte sich, dass ein niedriger Längenquotient Zeige-/Ringfinger bei Männern signifikant mit Knieverletzungen assoziiert ist (OR 1,78). Bei Frauen korrelierte ein niedriger Quotient mit einer Arthrose der Hände. Allerdings war der niedrige Wert hier vermutlich eine Folge der Arthrose, da die Erkrankung den Gelenkspalt verschmälert.

Zusammenhang mit Kniegelenksarthrose

Ein genereller Zusammenhang von Kniegelenksarthrose mit niedrigen Fingerlängenquotienten, der in vorangegangenen Studien wiederholt festgestellt worden war, fand sich in dieser Untersuchung nicht. Bestätigt wurde hingegen, dass Männer generell niedrigere Quotienten aufweisen als Frauen. Die Werte lagen im Mittel bei 0,91 für Männer und 0,93 für Frauen. Die errechneten Werte waren der Höhe nach in drei Gruppen eingeteilt worden. Anschließend bestimmte man, wie sich der Übergang von der höchsten zur niedrigsten Gruppe auf die Häufigkeit von Arthrose bzw. Verletzungen der Knie auswirkt.


Marker für pränatale Testosteronspiegel

Das Ergebnis der Studie ist keine reine Spielerei. Fingerlängenquotienten sind unter anderem schon mit dem räumlichem Vorstellungsvermögen, der mathematischen Begabung und dem Risiko für Prostatakrebs in Verbindung gebracht worden. Dabei dient der Quotient aus Zeige- und Ringfingerlänge jeweils als Marker für die pränatalen Testosteronspiegel. Das Hormon beeinflusst sowohl die Gehirnentwicklung als auch das Längenwachstum der Finger und das spätere Krebsrisiko.

Vermutet wird, dass niedrige Quotienten für aggressiveres und risikofreudigeres Verhalten sowie sportliches Talent sprechen – und dies wiederum erhöht das Risiko, sich Knieverletzungen zuzuziehen.

Quelle: Haugen IK et al. The Association Between Finger Length Pattern, Osteoarthritis and Knee Injury: Data From the Framingham Community Cohort. Arthritis Rheum 2011; 63: 2284–8.

Dr. Robert Bublak/springermedizin.de

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