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Orthopädie 21. Juni 2011

Zelltherapie für Knochenheilung

Experten empfehlen vorsichtige Anwendung und mehr Forschung.

Zelltherapie, ein Hoffnungsträger für die Heilung von Knochenbrüchen sowie von Knorpel-, Sehnen-, Muskel- oder Bänderverletzungen, wird in der Behandlung von Sportverletzungen bereits eingesetzt. Ein umfassendes Verständnis ihrer Wirkmechanismen fehlt allerdings ebenso wie tragfähige Wirknachweise. Am EFORT-Kongress in Kopenhagen befürworteten Experten ihren fortgesetzten Einsatz, aber mit besonderer Achtsamkeit, und forderten intensivierte Forschung über ihre Funktionsweise und klinische Wirksamkeit ein.

Ziel der Zelltherapie ist es, Gewebe, das sonst langsamer oder gar nicht heilen würde, durch Anwendung körpereigener Heilungsmechanismen zu reparieren. Die Schlüsselzutaten, die gerade erforscht werden, sind mesenchymale Stammzellen (MSCs) und mit Blutplättchen (Thrombozyten) angereichertes Plasma (PRP).

MSCs sind multipotente Zellen aus dem Knochenmark. Sie können sich in eine Reihe von Zelltypen wie Osteoblasten, Chondrozyten oder Myozyten „ausdifferenzieren“. Sie werden direkt an den Ort der Verletzung injiziert, in der Annahme, dass sie sich dort in jenen Zelltyp transformieren, der für die Heilung nötig ist. Mit Blutplättchen angereichertes Plasma (PRP) wird aus Eigenblut des Patienten hergestellt. Dieses wird nach der Blutabnahme etwa 10 Minuten zentrifugiert, wodurch eine PRP-Lösung mit einer hohen Konzentration von Thrombozyten entsteht, die danach in das verletzte Gewebe injiziert und aktiviert wird. PRP enthält einen Cocktail von Zytokinen und Wachstumsfaktoren, die eine wichtige Rolle in der Heilung von verletztem Gewebe spielen.

„Im Reagenz-Glas haben bestimmte Typen von MSCs ihre Fähigkeit, sich zu Knochenzellen auszudifferenzieren, bereits bewiesen. Weniger klar ist allerdings, ob sie unsere Hoffnungen auch bei jenen komplizierten Frakturen erfüllen werden, bei denen die gebrochenen Knochenenden einander nicht berühren oder erst spät miteinander in Kontakt gebracht wurden“, so Prof. Gunnar Kvalheim, Direktor der Abteilung für Zelltherapie am Radiumhospitalet, Universitätshospital Oslo. „Um damit im klinischen Alltag eine optimale Knochenheilung zu erreichen, brauchen wir mehr Forschung darüber, welche genauen Zelltypen und Dosierungen wir benötigen und wie wir sie zu der gewünschten Art von Differenzierung anregen können.“

Akute und chronische muskuloskelettale Sportverletzungen wie Muskelzerrungen und Prellungen, schmerzhafte Sehnenerkrankungen oder Verletzungen von Knorpeln und Bändern sind schwierig zu behandeln, aber genau jene Traumata, gegen welche die Zelltherapie helfen könnte. Daher wird PRP in ihrer Therapie bereits angewandt, „obwohl wir bisher noch über keine tragfähigen klinischen Studien verfügen“, so Prof. Dr. Lars Engebretsen, orthopädischer Chirurg am Universitätshospital Oslo sowie am Osloer Zentrum für Sporttraumaforschung. Dennoch befürwortet er eine umsichtige Anwendung von PRP in der Sporttraumatologie. „Dazu sind aber mehr Grundlagenforschung und die konsequente Entwicklung tragfähiger Studien notwendig, die die klinische Wirksamkeit von PRP bestätigen oder widerlegen. Uns ist aber jede Methode zur Reduktion der Morbidität von Sportverletzungen willkommen. Da unser theoretisches Modell der Wirkungsweise von PRP plausibel ist und von In-vitro Untersuchungen und einigen klinischen Studien gestützt wird, und da wir außerdem ausreichend Belege für die Unschädlichkeit von PRP besitzen, empfehlen wir zumindest bei Verletzungen in der Leichtathletik ihre weitere Erprobung, allerdings mit Achtsamkeit und Vorsicht.“

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