zur Navigation zum Inhalt
Foto: DePuy
Durch die Modularität des partiellen Kniegelenkersatzsystem ist eine Anpassung des Implantats an die individuelle Anatomie des Patienten möglich.
 
Orthopädie 13. April 2011

Erfolgreich in der vierten Runde

Bereits zum vierten Mal veranstaltete DePuy eine hochkarätige Aus- und Weiterbildungswoche für Orthopäden sowie Unfall- und Neurochirurgen. 120 Mediziner aus Österreich, Deutschland und der Schweiz nahmen daran teil.

Hüft- und Knieendoprothetik, Wirbelsäulenchirurgie, Kniearthroskopie, Schulterarthroskopie und Schulterprothetik waren Themen der DePuy Surgery Week 2011 vom 21. bis 25. März 2011 in Wien. Kernstück der fünf angebotenen Module waren praktische Übungen am frischen Präparat im Anatomischen Institut der Universität Wien.

 

Im Modul Knieendoprothetik wurden Versorgungsmöglichkeiten für junge, aktive Patienten präsentiert. „Bei Patienten unter 55 Jahren, die an umschriebenen Knorpeldefekten und sekundären Arthrosen leiden, ist die Versorgung mit einer Totalendoprothese mitunter eine Überbehandlung, vor allem wenn die übrigen Kompartments weitgehend unauffällig sind und wichtige Strukturen wie die Kreuzbänder erhalten sind“, betonte Prof. Dr. Reinhard Windhager, Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie, Wien. Hier bietet ein neues partielles Kniegelenkersatzsystem (Abbildung) eine Alternative. Im Vergleich zu früheren Systemen besteht das Sigma® High Performance Partial Knie aus drei separaten Bausteinen für die drei Gelenkkompartimente, die frei kombinierbar sind. Durch die Modularität können die Implantate besser an die individuelle Anatomie des Patienten angepasst werden und die natürlichen Bewegungsmuster werden erhalten.

Technische Innovationen sorgen auch für eine lange Haltbarkeit und hohe Beweglichkeit. Die beiden Kreuzbänder bleiben, ebenso wie das natürliche Gewebe um das behandelte Knie, erhalten, eine Beugung von 155 Grad ist möglich. Damit ist nach der Operation eine nahezu normale Beweglichkeit gegeben, die Patienten können aktiv ihr Leben fortsetzen. „Die Mobilisierung erfolgt so rasch, dass man die Patienten eher bremsen muss“, so Windhager. „Die Umbauvorgänge im Knie dauern gleich lang wie bei einer Totalendoprothese, etwa bis zu einem Jahr. So lange besteht auch die Gefahr einer Lockerung – das ist vor allem beim Sport zu beachten. Für den Chirurgen ist der Einsatz einer Teilprothese sicherlich eine größere Herausforderung als der komplette Oberflächenersatz, weil eine exaktere Positionierung und Ausbalancierung nötig ist.“ Intensive Schulungsprogramme sorgten aber für die nötige Sicherheit.

Versorgung junger Hüftpatienten

Der junge, aktive Patient stand auch im Mittelpunkt des Moduls Hüftendoprothetik. Diskutiert wurden die Möglichkeiten und Grenzen der Hüftarthroskopie, ebenso wie spezielle Hüftimplantate.

„Die Hüftarthroskopie bietet die Möglichkeit, Probleme zu behandeln, die zu einer Arthrose führen können. Ein Ersatz für ein neues Hüftgelenk bei bereits fortgeschrittener Arthrose ist sie nicht“, fasste Windhager zusammen. Häufige Indikationen sind die Entfernung freier Gelenkkörper aus dem Hüftgelenk, die Behandlung von Knorpelschäden, Erkrankungen der Gelenkschleimhaut, Formstörungen des Hüftgelenks oder Schäden bzw. Risse der Gelenklippe. Eine Hüftarthroskopie ist jedoch nur dann angezeigt, wenn der Knorpel größtenteils noch erhalten ist und keine sichtbaren Anzeichen von Arthrose aufweist. Auch wenn dieser minimal-invasive Eingriff im deutschen Sprachraum noch eher selten praktiziert wird, rechnen Befürworter damit, dass die Hüftarthroskopie in Zukunft gerade bei jüngeren Patienten häufiger angewendet wird. „Eine Hüftarthroskopie ist jedoch technisch schwierig und fordert dem Operateur handwerklich einiges ab“, unterstrich Dr. Klaus-Dieter Schatz von der Universitätsklinik für Orthopädie Wien.

Mit kleinen Schnitten zur gesunden Wirbelsäule

Großen Anklang fand das Modul Wirbelsäulenchirurgie. Minimal-invasive Eingriffe an der Wirbelsäule sind im degenerativen Bereich bereits Standard. Ausgehend davon setzt sich der Trend nun auch im Traumabereich immer mehr durch. „Gerade bei jungen Patienten mit Polytraumatisierungen ist diese Methode von Vorteil. Sie ist schonender, die OP-Zeit ist kürzer, der Patient kann rascher stabilisiert werden. Und er ist viel früher wieder mobil“, berichtete Dr. Günther Feichtinger von seinen Erfahrungen am Allgemeinen Krankenhaus Linz. Dementsprechend reduziert sich auch die Verweildauer im Krankenhaus. Während Patienten nach einer herkömmlichen operativen Wirbelkörperstabilisierung noch drei Wochen stationär behandelt werden müssen, gehen sie nach einem minimal-invasiven Eingriff zwei bis drei Tagen später nach Hause. Vor allem jüngere Patienten sind rascher wieder fit und können schneller mit der Rehabilitation beginnen. „Am AKH Linz werden so gut wie alle instabilen Frakturen der Wirbelsäule operiert, und zwar meist minimal-invasiv“, so der Experte.

Die Schulter – das komplexeste Gelenk

Mit dem Bristow-Latarjet Instability Shoulder System bietet DePuy Mitek das erste Instrumentenset für offene und arthroskopische Eingriffe nach der Latarjet- und Bristow-Technik. Die Verfahren kommen zur Anwendung, wenn Schultergelenke aufgrund von Knochenverlust oder Weichteilschädigung chronisch instabil sind.

„Ein arthroskopischer Latarjet wird vor allem bei Bankart-Läsionen eingesetzt, also bei speziellen Verletzungen des Schultergelenks, bei der die Gelenklippe des vorderen Pfannenrandes der Schultergelenkspfanne teilweise oder subtotal ausgerissen ist. Dies passiert meist bei einer gewaltsamen Schulterausrenkung“, beschrieb Dr. Jens Agneskirchner aus Hannover die Anwendungsbereiche.

Durch das arthroskopische Verfahren wird der Genesungsprozess beschleunigt, sodass aktive Patienten rasch wieder ihren gewohnten Lebensstil ausüben können. Bereits unmittelbar nach der Operation können die Patienten ihr Schultergelenk über den gesamten Umfang bewegen. Nach drei Wochen ist es möglich, Sportarten mit geringem Risiko, nach sechs Wochen Sportarten mit höherem Risiko auszuüben. „Bei einer Versorgung nach Latarjet braucht der Patient keinerlei postoperative Ruhigstellung und kann sofort mit aktiver Bewegung und Kraftaufbau beginnen. Des Weiteren besteht eine Rezidivrate von unter drei Prozent“, bestätigte Dr. Jan Leuzinger von der Etzelclinik in Pfäffikon die Vorteile des Verfahrens. „Wird die Indikation zur Versorgung einer Schulterinstabilität gestellt, führe ich persönlich in fast allen Fällen eine Versorgung nach Latarjet durch.“

Neues Implantat für Langzeiterfolge bei der Meniskusrefixation

Zentrales Thema des Moduls Kniearthroskopie war die vordere Kreuzband-Rekonstruktion mit gleichzeitiger Meniskusrefixation. Vorgestellt wurde Omnispan™, ein neues System für die Meniskusrefixation.

Je nach Art, Ort und Umfang werden Verletzungen des Meniskus auf unterschiedliche Weise therapiert: Risse der inneren Anteile der Menisken sind meist Folge degenerativer Erkrankungen und führen in der Regel zu einer teilweisen oder kompletten Entfernung des Meniskus (Meniskektomie). Verletzungen im Randbereich der Menisken hingegen entstehen überwiegend durch gravierende Traumen z.B. beim Sport oder bei Unfällen, oft in Kombination mit Verletzungen des Kreuz- und Seitenbandes. Im äußeren Anteil ist der Meniskus gut durchblutet, sodass sich für Läsionen in dieser Zone eine Meniskusnaht (Meniskusrefixation) empfiehlt.

Menisken sorgen als „Stoßdämpfer“ für die Verteilung des Drucks, der auf das Kniegelenk einwirkt. Wird Meniskusgewebe entfernt, steigt die Belastung auf den Gelenksknorpel, und es droht ein Knorpelschaden bzw. in weiterer Folge eine Arthrose. Daher ist es wichtig, so viel Meniskusgewebe wie möglich zu erhalten. Dies ist nur durch die Meniskusrefixation möglich. Entsprechend wird eine Meniskusrefixation bevorzugt bei jungen, (sportlich) aktiven Patienten angewandt. Der Eingriff kann meist arthroskopisch erfolgen; zur Erhöhung der Heilungschancen sollte er möglichst bald nach der Verletzung durchgeführt werden. Zu berücksichtigen ist, dass bei diesem Therapieverfahren eine sehr lange Nachbehandlung nötig ist. Das heilende Meniskusgewebe ist nur wenig belastbar, und die Rehabilitation muss vorsichtiger als z.B. bei einer Meniskektomie erfolgen. Die Wiederaufnahme der sportlichen Aktivitäten ist erst drei bis sechs Monate nach der Operation wieder möglich. Dafür bleibt der Meniskus erhalten.

 

DePuy Surgery Week 2011, 21. bis 25. März 2011, Wien

Johnson & Johnson /FH, Ärzte Woche 15 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben