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Orthopädie 1. Mai 2010

Der zweizeitige Wechsel der Totalendoprothese des Hüftgelenkes nach chronischem, periprothetischem Infekt. Technik und Langzeitergebnisse

EINLEITUNG: Der zweizeitige Wechsel der Hüftgelenkstotalendoprothese stellt eine anerkannte Methode nach tiefem, chronischem Infekt dar. Allerdings gibt es weder einheitliche Empfehlungen zur Technik der zementfreien Reimplantation noch klinische und radiologische Langzeitergebnisse.

MATERIAL UND METHODEN: Unser Protokoll beinhaltet eine Kurzzeitantibiose und eine zementlose Verwendung von Implantaten mit poröser Oberfläche, welche für eine primäre Implantation konzipiert wurden. Zur Anwendung kam diese Methode nach chronischen, tiefen Infekten bei liegender Totalendoprothese des Hüftgelenkes. Klinische und radiologische Langzeitergebnisse von 14 Patienten wurden retrospektiv untersucht.

ERGEBNISSE: In einem Nachuntersuchungszeitraum von mindestens fünf Jahren nach Reimplantation der Totalendoprothese kam es bei zwei Patienten zu einer persistierenden Infektion. In drei Fällen kam es zu einer Luxation der Hüfte, welche in zwei Fällen mit einer Reoperation und in einem Fall mit einem Hüft Brace erfolgreich behandelt werden konnten. In keinem der Fälle wurde eine Lockerung der Komponenten beobachtet. Lediglich drei Patienten hatten ein gutes oder sehr gutes, 11 Patienten ein ausreichendes oder schlechtes klinisches Ergebnis. Wir konnten einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Länge des Intervals zwischen Explantation und Reimplantation und klinischem Ergebnis feststellen.

SCHLUSSFOLGERUNG: Wir gehen von einem deutlich gesteigerten Komfort für den Patienten durch ein kurzes, CRP abhängiges Intervall zwischen Explantation und Reimplantation aus. Das klinisch funktionelle Ergebnis ist signifikant besser je kürzer das Zeitintervall zwischen Explantation und Reimplantation der Prothese ist. Die Reinfektionsrate bzw. Rate an persistierenden Infektionen ist mit derer von zementierten Prothesen nach langfristigem Intervall zwischen Explantation und Reimplantation vergleichbar. Als Vorteil der zementfreien Reimplantation sind ein geringerer Verlust an Knochen und ein besseres knöchernes Einheilverhalten hervorzuheben. Als Grund für die hohe Rate an Luxationen nach Reimplantation sind Veränderungen der Weichteile und der knöchernen Gelenkpfanne zu nennen. Die anhaltend schlechten klinischen Ergebnisse sind durch Glutealinsuffizienz durch die wiederholten operativen Eingriffe und durch Immobilisierung erklärbar, die es möglich kurz zu halten gilt.

Jochen Erhart, Karl Jaklitsch, Mark Schurz, Vilmos Vécsei, Reinhard Ehall, Wiener klinische Wochenschrift 9/10/2010

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