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Orthopädie 16. Februar 2010

Prothesen sind nur Ersatzteile

Künstliche Gelenke können die Beweglichkeit wiederherstellen, aber nicht immer die Sportfähigkeit.

Die zunehmende Schädigung des Knorpels verursacht Entzündungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Je früher die Behandlung begonnen wird, desto eher kann die Arthrose hinausgezögert werden.

 

Bei der Entstehung der Arthrose sind vier mögliche, einander nicht ausschließende Ursachen von Bedeutung, erklärte Prim. Prof. Dr. Reinhard Graf, Leiter des LKH Stolzalpe, im Rahmen des Grazer Allgemeinmedizinkongresses 2009: Erstens die genetische Veranlagung, zweitens Verletzungen, die entweder direkt durch einen Knorpelbruch oder durch Abscherungen verursacht wurden. Drittens Fehlbaugelenke, bei denen durch Achsfehlstellungen eine einseitige Belastung entsteht, und viertens Erkrankungen wie etwa M. Perthes, Epiphyseolysis capitis femoris oder Entzündungen wie bei Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, aber auch Tuberkulose.

Beim Knie an die Hüfte denken

Bei der Auswahl der Behandlung ist auch das Alter wichtig. „Bei Jugendlichen gehen wir aggressiver vor“, so Graf, denn hier könne mit frühzeitiger Korrektur wie etwa bei Fehlstellungen noch sehr viel gewonnen werden. Allerdings warnte Graf, dass hier nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus juristischen Gründen sehr gründlich vorgegangen werden müsse, denn „wird etwas korrigiert, was noch gar nicht weh tut, und es passiert ein Fehler, dann sind rechtliche Konsequenzen möglicherweise die Folge“. Bei Knieschmerzen sei nicht immer das Gelenk selbst die Ursache, betonte Graf: „Hüftprobleme werden über die Fascia lata oft auf das Kniegelenk projiziert. Wenn Volksschulkinder, aber auch Jugendliche über Beschwerden im Kniegelenk klagen, muss unbedingt auch an das Hüftgelenk gedacht werden.“ Der typische M. Perthes-Patient etwa ist ein Junge, der gelegentlich für ein paar Tage mit außenrotiertem Fuß hinkt und über Knieschmerzen klagt. Die Hüftgelenksdysplasie kann durch die Sonografie heute oft schon frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Mögliche Behandlungsoptionen

Ein häufiges Problem ist, dass erst Schmerzen bestehen müssen, bevor der Patient zum Arzt kommt. Den Chondroprotektiva misst Graf keine allzu große Bedeutung bei. „Wir geben sie bei positiver Beurteilung des Patienten, weil sein Wohlbefinden im Vordergrund steht“, so Graf. Grundsätzlich sei aber eine Arzneigabe auf Dauer kritisch zu hinterfragen.

Bei Arthrose sind Physiotherapie und Sport möglich, sollten aber unbedingt im schmerzfreien Bereich bleiben. Das gelte sowohl vor als auch nach operativen Eingriffen. Diagnostische Arthroskopien sind, so Graf, ebenfalls keine kausalen Therapien und müssen daher gut überlegt werden. Die Arthrodese hat ihre Berechtigung in bestimmten Fällen und gewährt oft noch eine gewisse Sportfähigkeit. Eine gelenkerhaltende Umstellungsosteotomie, vor allem bei Hüfte und Knie, ist eine weitere Therapiemöglichkeit, aber auch der Gelenksersatz ist eine Option. Dazu Graf: „Bei Hüfte und Knie sind wir schon sehr gut, fast zu gut. Bei der Schulter haben wir viel dazugelernt. Aber beim Ellenbogen stehen wir komplett an. Da gab es in den letzten 20 Jahren keine Fortschritte.“ Kleinere Erfolge sieht er im Ersatz des Handgelenks und beim Sprunggelenk.

In Europa wird heute fast nur noch zementlose Endoprothetik eingesetzt, da sie sehr gute langfristige Ergebnisse erzielt. Graf warnte aber vor übertriebenen Erwartungen. Künstliche Gelenke seien nun einmal Ersatzteile und das bedeute, dass sie zwar die Beweglichkeit und damit ein normales, schmerzfreies Leben ermöglichten, aber nicht primär dazu da seien, die Sportfähigkeit wiederherzustellen. Das heißt: Mit einem Hüftgelenkersatz sollte man keinen Marathon laufen.KK

Von Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 7 /2010

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