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Orthopädie 17. November 2009

Zu viele SMS gefährden die Gesundheit

Schmerzen in Hals, Schulter und Hand durch schlechte Haltung

Das übermäßige Tippen von Textnachrichten am Handy könnte langfristig zu orthopädischen Problemen führen. Das behaupteten US-Forscher auf der Jahrestagung der American Public Health Association in Philadelphia.

 

Exzessives SMS-Schreiben bringe dieselben Gefahren wie ständige Computerarbeit und führe zudem zu Hals- und Schulterschmerzen, warnen amerikanische Wissenschaftler. In der orthopädischen und chirurgischen Praxis kennt man die Problematik allerdings noch nicht.

Dass sich Mediziner überhaupt mit dem Phänomen SMS befassen, geht vor allem auf die steigende Verwendung unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zurück. Dem Marktforschungsinstitut Nielsen zufolge versenden US-Jugendliche über 2.200 SMS pro Monat und Person.

Europa kann da jedoch nicht mithalten, auch wenn Mobilfunkanbieter neuerdings mit SMS-Flatrates aufwarten. Laut einer aktuellen Studie des Bildungsmedienzentrums des Landes Oberösterreich kommt nur jeder zweite Jugendliche auf mehr als 100 Textnachrichten pro Monat.

In der Studie erhob Dr. Rachel Gold, Leiterin des Labors für Ergonomie und Arbeitsphysiologie an der Temple University, die Körperhaltung von Studenten beim Verfassen von SMS-Texten. Sie nahm dazu Infrarot-Kameras, Bewegungsanalysen und Herzschlag-Monitoren zu Hilfe. Die Ergebnisse bieten laut Gold Anlass zur Sorge. „Je mehr Textnachrichten Studenten täglich verschicken, desto mehr Schmerzen haben sie in Hals und Schulter“, so die Forschungsleiterin.

Probleme wie beim PC

Ursache sei die Körperposition beim SMS-Schreiben, vor allem die Unbeweglichkeit von Schulter und Rücken sowie die sich schnell bewegenden Finger. Denkbar sei auch ein Zusammenhang zu Leiden, die von der Computerarbeit bekannt sind, wie etwa Sehnenscheidenentzündung, Karpaltunnel-Syndrom oder Bursitis. „Was wir bisher sehen, ähnelt sehr den Problemen von Büroangestellten, die die meiste Zeit am Computer sitzen“, so Gold.

Symptome kaum auf eine Tätigkeit zurückzuführen

Mediziner sehen das Thema weniger dramatisch. „Bisher sind keine Fälle von Jugendlichen bekannt, die durch das SMS-Schreiben an Gesundheitsproblemen leiden“, betont Doz. Dr. Werner Girsch, Leiter der Kinderhandambulanz am Orthopädischen Spital Speising. Aufgrund der vielen möglichen Faktoren sei es kaum möglich, Symptome direkt auf diese sehr spezifische Tätigkeit zurückzuführen. „In Zeiten mechanischer Schreibmaschinen hatten alle Sekretärinnen Handprobleme und auch heute gibt es die Maushand. Doch der Druck, den man auf der Handytastatur ausübt, ist sehr viel geringer.“

Unfallrisiko im Auto

Weit wahrscheinlicher sind jedoch auch hierzulande andere Risiken, die das SMS-Schreiben mit sich bringen kann. Besonders gefährlich ist das SMS-Schreiben während der Autofahrt, da das Tippen beim Lenken das Unfallrisiko um das 23-fache steigen lässt.

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