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Fotos (2): Archiv Wiener Klinische Wochenschrift
Abb. 1: Röntgenaufnahme eines frakturierten Oberarmkopfes.

Abb. 2: Pfeilspitzen zeigen den dislokalisierten Humerskopf im Intrathorakalraum.

 
Orthopädie 9. Juli 2009

Ein unspektakulärer Unfall mit ungewöhnlichen Folgen

Eine intrathorakale Abwanderung des Oberarmkopfes nach einer Fraktur ist zwar äußerst selten, sollte aber dennoch bei schwierigen Verletzungen berücksichtigt werden.

Humerusfrakturen gehören zu den häufigen Verletzungen. So auch in diesem Fall, als bei einem Patienten eine am proximalen Ende gelegene Humerusfraktur diagnostiziert wurde. Doch bei genauerer Röntgenansicht mussten die Ärzte feststellen, dass der Humeruskopf abhanden gekommen war.

 

Ein 63 Jahre alter Patient wurde mit starken Schmerzen in der rechten Schulter und zusätzlichen Atembeschwerden in der Unfallnotaufnahme vorstellig. Er berichtete, dass er in der Nacht zuvor von einer Parkbank, auf der er eingeschlafen war, heruntergefallen war.

Diagnostik

Eine Röntgenuntersuchung wurde veranlasst. Die Aufnahme zeigte eine am proximalen Ende gelegene Fraktur des Oberarmknochens mit einem – seltsamerweise – nicht vorhandenen Humeruskopf (siehe Abb. 1). Außerdem konnten auch meh-rere Rippenbrüche (1–5) rechts klar diagnostiziert werden. Ein weiteres Röntgenbild des Thorax zeigte einen Schatten am oberen Lungenflügel. Daraufhin wurde ein CT-Scan veranlasst, der die endgültige Klärung des Falls zu Tage brachte.

Der am Röntgenbild „vermisste“ frakturierte Oberarmkopf wander- te in den Intrathorakalraum, wo er dann auch in der rechten Thoraxhöhle sichtbar wurde (siehe Abb. 2). Interessanterweise wies der Patient keinerlei Sensibilitätsstörungen am traumatisierten Oberarm auf, obwohl der Unfall einen Hämatothorax zur Folge hatte.

Therapeutische Maßnahmen

Als erste notfallmedizinische Maßnahme wurde eine rechtsseitige Thorakotomie durchgeführt. Dabei wurde der Humeruskopf durch die gebrochenen Rippen geführt und entfernt. Nachdem der Patient stabilisiert worden war, konnte zwei Wochen später eine Schultergelenksprothese erfolgreich implantiert werden. Der weitere postoperative Verlauf verlief ohne Zwischenfälle, sodass der Patient 14 Tage später das Krankenhaus velassen konnte.

Unfälle wie der soeben beschriebene Fall sind außerordentlich selten und auch wenig in der Literatur beschrieben1–3. Trotzdem sollte bei jeder schweren Verletzung auch diese diagnostische Möglichkeit berücksichtigt werden. KK

 

Literatur:

  1. Harman BD, Miller NG, Probe RA (2004) Intrathoracic humeral head fracture-dislocation. J Orthop Trauma 18: 112–115
  2. Eberson CP; Ng T, Green A (2000) Contralateral intrathoracic displacement of the humeral head. A case report. J Bone Joint Surg Am 82: 105–108
  3. Brogdon BG, Crotty JM, MacFeely L, McCann SB, Fitzgerald M (1995) Intrathoracic fracture-dislocation of the humerus. Skeletal Radiol 24: 383–385

 

Korrespondenz:

Priv.-Doz. Dr. Georg M. Huemer, MD, ist als niedergelassener Plastischer Chirurg und als Oberarzt im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Linz tätig.

 

Der Originalartikel kann in der Wiener Klinischen Wochenschrift (2009) 121: 246, Springer-Verlag Wien, in englischer Sprache nachgelesen werden.

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Von Dr. Harald Schoffl, Dr. Stefan M. Froschauer und Priv.-Doz. Dr. Georg M. Huemer, Ärzte Woche 27 /2009

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