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Trampolin-Springen muss gelernt sein

Trampolin-Springen hat sich bei Kindern und Jugendlichen zu einer sehr beliebten Freizeitbeschäftigung entwickelt. Obwohl diese Bewegungsform nicht gefährlicher ist als andere Sportarten, werden immer mehr Trampolin-Unfälle beobachtet. So auch in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie der PMU Salzburg, die in einer Unfallanalyse Verletzungsarten genauer untersucht und folglich Präventivmaßnahmen ausgearbeitet hat.

 Röntgenbilder

Fotos: Dr. Jörg Schnöll

Das Trampolin ist ein anspruchsvolles Sportgerät, das eine ausgereifte motorische Koordination und ein gutes Gleichgewichtsgefühl verlangt. So positiv diese Bewegungsform für Kinder ist, hier kann der nicht kontrollierbare Schleudermechanismus nach dem scheinbar schwerelosen Schweben in der Luft zum harten Aufschlag am Trampolin, am Randgestänge des Gerätes oder am Boden führen und schwere Verletzungen verursachen.
An der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg wurde im Jahr 2007 ein enormer Anstieg von Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen, hervorgerufen durch Unfälle beim Trampolin-Springen, beobachtet. In einem Zeitraum von April bis Oktober 2007 mussten 102 Patienten behandelt werden. Dies bedeutete einen Anstieg von über 50 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2006. Die Unfälle ereigneten sich zu 91 Prozent im privaten Bereich auf für den Ganzjahreseinsatz konzipierten „Gartentrampolinen“ und zu 9 Prozent auf Anlagen in Freizeit- und Funparks. Kein einziger Unfall ereignete sich auf einem „klassischen“ Trampolin in einer Turn- oder Sportstätte.
65 Prozent der Patienten verletzten sich beim Aufkommen auf der Sprungfläche des Trampolins und 35 Prozent zogen sich Verletzungen beim Aufprall auf dem Rahmen des Trampolins oder bei einem Sturz vom Trampolin zu, wobei in allen Fällen keine Absturzsicherung verwendet wurde. 60 Prozent der Unfälle ereigneten sich bei der Benützung eines fremden Trampolins (meistens das einer Freundin oder Freundes) und nur 40 Prozent beim Springen auf dem eigenen Gerät. Zum Unfallzeitpunkt sprangen in 77 Prozent mehrere (meistens zwei) Kinder unterschiedlichen Alters am Gerät.Nur in 53 Prozent der Unfälle war die Absturzsicherung (Netz) am Trampolin angebracht, wobei in den meisten Fällen (88 %) das Gerät auf einem Grasuntergrund aufgestellt war. Nur ein Viertel der Eltern (23 %) gab an, über die richtige Handhabung (Aufstellung, Benutzung, Unfallgefahren) des Trampolins informiert worden zu sein.

Verletzung: Art und Verteilung

Das Alter der Patienten zum Unfallzeitpunkt lag zwischen zwei und 16 Jahren und der Altersdurchschnitt betrug 8,2 Jahre. Mädchen und Knaben verletzten sich im Gegensatz zu anderen Verletzungsstatistiken gleich oft. Die Patienten wurden in drei Altersgruppen unterteilt (Vorschulalter bis sechs Jahre, Volksschüler bis zehn Jahre und Kinder jenseits des Volksschulalters, ab elf Jahre). In den verschiedenen Altersgruppen gab es kaum Unterschiede in der Verletzungshäufigkeit. Der Anteil der Kinder im Vorschulalter und Kinder im Volksschulalter betrug jeweils 35 Prozent, und die restlichen 30 Prozent entfielen auf die Gruppe der 11- bis 16-jährigen Kinder.
Die untere Extremität (62 %), gefolgt von der oberen Extremität (23 %), Wirbelsäulenverletzungen (9 %), Schädelhirntraumen (5 %) und stumpfen Bauchtraumen (1 %), waren die von Verletzungen betroffenen Regionen. Bezüglich der Verletzungsart war die Distorsion der Gelenke mit 65 Prozent am häufigsten, gefolgt von Frakturen in 25 Prozent und Abschürfungen oder Rissquetschwunden (VLC) in 10 Prozent. Die Distorsionen betrafen vor allem das Sprunggelenk (24 %) und das Kniegelenk (16 %). Alle Patienten mit dieser Verletzung konnten ambulant behandelt werden. Nach Ausschluss einer ossären Läsion durch eine Röntgenuntersuchung wurde das verletzte Gelenk mittels einer Orthese oder eines Gipsverbandes ruhig gestellt.
Bei den Knochenbrüchen war die am häufigsten betroffene Region der Unterarm mit fünf isolierten Radiusfrakturen, sechs Unterarmfrakturen, einer offenen Monteggiafraktur und einer Olecranonfraktur. An der unteren Extremität erlitten die Patienten zwei Oberschenkelfrakturen, sieben Unterschenkelfrakturen sowie drei Frakturen der Metatarsalia. Schädelhirnverletzungen erlitten drei Kinder, und bei fünf Patienten mussten Rissquetschwunden am Kopf bzw. im Gesicht versorgt werden. Diese Inzidenz von Schädelhirnverletzungen (8 %) im Krankengut der PMU Salzburg ist signifikant niedriger als in anderen publizierten Unfallstatistiken.
Bei den Verletzungen der Wirbelsäule handelte es sich bei vier Kindern um eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) und bei fünf Kindern um eine Kontusion der Brust- bzw. der Lendenwirbelsäule (BWS bzw. LWS). Die Patienten mit einer HWS-Distorsion erhielten eine Schanzkrawatte und ein Analgetikum, und die Patienten mit einer Kontusion im unteren Wirbelsäulenbereich wurden symptomatisch behandelt. Bei allen konnte eine ossäre Läsion durch eine Röntgenuntersuchung ausgeschlossen werden.

Notwendige Hospitalisierung

Fünfzehn der 102 Patienten (15 %) mussten mit schwereren Verletzungen hospitalisiert werden. Siebenmal wurden Frakturen im Bereich der oberen Extremität in Allgemeinnarkose eingerichtet oder operativ versorgt. Die Aufenthaltsdauer bei Patienten mit reponierten Frakturen lag zwischen zwei und vier Tagen, bei Patienten mit operierten Frakturen zwischen drei und acht Tagen.
Wie in der Kindertraumatologie üblich, wurden auch im PMU Salzburg minimal invasive Methoden zur Frakturstabilisierung angewendet. Insbesondere die ESIN (Elastisch Stabile Intramedulläre Nagelung) hat sich in den letzten Jahren als State-of-the-Art-Methode in der Versorgung der Frakturen beim langen Röhrenknochen im Kindesalter durchgesetzt und kam auch hier zur Anwendung (siehe Monteggiafraktur und Unterarmschaftfraktur).
Die Vorteile dieser Methode sind kleine Hautinzisionen und damit verbunden kleine Narben, technisch relativ einfaches Verfahren, niedriges Infektionsrisiko, insbesondere keine Osteomyelitiden, gipsfreie Nachbehandlung, rasche Mobilisierung und ein kurzer Klinikaufenthalt. All diese Vorteile führten zu einer hohen Akzeptanz der Methode sowohl bei den Kindern als auch deren Eltern. Die Implantate (Titannägel mit einem Durchmesser von 2–4,5 mm) werden in einer tagesklinischen Operation in Vollnarkose vier bis sechs Monate nach dem Unfall entfernt. Diese Operationstechnik wurde auch bei Frakturen der unteren Extremität angewandt und hat sich auch dort sehr gut bewährt. Zwei Kinder wurden wegen eines Schädelhirntraumas mit neurologischen Auffälligkeiten und ein Kind wegen einer Distorsion der Halswirbelsäule für zwei Tage an der Klinik zur Beobachtung aufgenommen.

Fachgerechte Einschulung

Aufgrund einer im PMU Salzburg durchgeführten Unfallanalyse konnten folgende Faktoren, die das Verletzungsrisiko erhöhen, definiert werden:

  • Wenn mehrere (mindestens zwei) Kinder gleichzeitig das Trampolin benützen, wird das leichtere, jüngere Kind, fünfmal häufiger verletzt (nicht kontrollierbarer Schleudermechanismus) als das ältere, schwerere Kind.
  • Falsch aufgestellte Trampoline (harter Untergrund, gefährliche Gegenstände in der Nähe des Gerätes) und Fehlen der Schutznetze führen zu Abstürzen und meist schweren Verletzungen (siehe Falsche/Richtige Position).
  • Die Fehleinschätzung der Körperkontrolle und der motorischen Fähigkeiten, vor allem bei jüngeren Kindern, bedingen unkontrollierte Stürze am Trampolin.
  • Eine zu lange Sprungdauer, die aufgrund mangelnder Kondition zu einer raschen Ermüdung und einem Koordinationsverlust der Kinder führt, steigert das Unfallrisiko.
  • Regelmäßige sportliche Betätigung für Kinder und Jugendliche ist wichtig und für deren motorische Entwicklung in jeder Hinsicht essenziell. Wichtig ist aber, dass die Kinder, unabhängig von der Sportart, sicher an diese herangeführt werden, denn das Unfall- und Verletzungsrisiko kann meist durch einfache Maßnahmen und in Kenntnis der Gefahren signifikant verringert werden (siehe Empfehlungen und Präventionstipps). Somit bleibt die Freude am Sport, hier im Speziellen beim Trampolin-Springen, erhalten.

     Empfehlungen und Präventionstipps

    Literatur bei den Verfassern.

    Autoren: Dr. Jan Bauer, Dr. Jörg Schnöll und Prof. Dr. Günther Schimpl sind an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie der PMU Salzburg tätig.

    Der ungekürzte Originalartikel erschien in pädiatrie & pädologie, Ausgabe 6/2007, © Springer Medizin Verlag.

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