zur Navigation zum Inhalt
 

Sportunfälle im Alter

Sport hat sich zu einer Freizeitbeschäftigung entwickelt, die nicht nur Jung, sondern auch Alt erfreut. Unsere Gesellschaft gibt uns zum einen die Möglichkeit, zum anderen fordert sie uns auf, auch im höheren Alter körperlich aktiv zu sein. Trotzdem erheben sich immer wieder mahnende Stimmen, die auf die Verletzungsgefahr und die damit verbundenen Risiken sowie volkswirtschaftlichen Kosten hinweisen.

 Abb. 1a
Abb. 1a: Totale Ruptur des VKB.

 Abb. 1b
Abb. 1b: Minimalinvasive Entnahme des Transplantates.

 Abb. 1c
Abb. 1c: Fixation des Transplantates (BTB/bone-tendo-bone).

Fotos (3): Weinstabl

Nun, wie ist das wirklich? Soll man auch im Alter sportlich aktiv sein? Gleich vorweg – ja, ja und noch einmal ja. Es gibt kein effizienteres Anti-Aging-Programm oder Medikament als die gezielte und maßvoll ausgeübte sportliche Betätigung. Diese sollte sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining beinhalten. Bereits in den 70er-Jahren gab es umfangreiche Studien, die zeigten, dass ein wöchentlicher Kalorienverbrauch durch körperliche Aktivität zwischen 1.000 und 4.000 Kalorien das Herzinfarktrisiko deutlich senkt.

Statistische Daten und Kostenfaktor bei Sportunfällen

Abhängig von der Intensität und Faktoren wie Selbsteinschätzung, Ausrüstung, gesundheitlicher Zustand etc. kann es bei der Sportausübung aber auch zu Verletzungen kommen. Diese sind sowohl alters- als auch geschlechtsspezifisch. Jährlich kommen in Österreich rund 2.500 Menschen durch Unfälle zu Tode (2.466 im Jahr 2004). Demzufolge sind Unfälle die fünftgrößte Todesursache. Bei Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 15 und 39 Jahren sind sie sogar der Killer Nummer eins.
Statistischen Daten ist zu entnehmen, dass die Altersgruppe zwischen 15 und 59 Jahren die höchste Verletzungsrate aufweist. Trotzdem gibt es auch bei den über 60-Jährigen noch relativ viele Sportverletzungen. Demnach ist bei dieser Altersgruppe der Schilauf nicht nur sehr beliebt, sondern auch die häufigste Unfallursache (siehe Sportunfälle nach Alter).
Sportunfälle sind nicht nur mit mehr oder weniger starken Schmerzen, sondern auch mit Kosten verbunden, die in Österreich etwa 300 Mio. Euro/Jahr betragen. Am teuersten kommen die Sportarten wie alpiner Schilauf (22,5 Mio.), Fußball (10 Mio.) und Radfahren (95 Mio.). Dabei passieren die schwersten Unfälle beim Wassersport, Paragleiten, Pferde- und Motorsport, die auch zu den „teuersten“ Sportarten zählen. Trotz der finanziellen Mehrausgaben, die Behandlungen von Sportunfällen verursachen, sind aber die Kosten der inaktivitätsbedingten Erkrankungen (z. B. Diabetes, Adipositas, Herz-Kreislauferkrankungen) um ein Vielfaches höher. In Deutschland geht man davon aus, dass Wohlstandserkrankungen bereits mehr als 50 Prozent der Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung ausmachen. Als eine der effizientesten Möglichkeiten, um diese zu senken, wird Sport empfohlen.

 Zahl der Sportunfälle nach Alter

Was sind nun die häufigsten Verletzungen?

Werden sogenannte Bagatellverletzungen wie Prellungen, Verstauchungen oder kleine Rissquetschwunden vernachlässigt, sind die häufigsten Verletzungen am Bewegungsapparat zu verbuchen oder Schädel-Hirn-Traumen unterschiedlicher Schwere (besonders beim Wintersport, siehe Verletzungen am Bewegungsapparat).Obwohl bei über 60-jährigen Patienten ein höheres Operationsrisiko besteht, können einige typische und besonders häufige Verletzungen durch minimalinvasive Eingriffe erfolgreich behandelt werden.
Der Riss des vorderen Kreuzbandes (VKB) ist eine sehr häufige Sportverletzung, die besonders bei Kontaktsportarten oder beim Wintersport auftritt. Wann operiert werden sollte, hängt vom Aktivitätsanspruch und dem biologischen Alter des Patienten ab. Ein wirklich instabiles Knie kann einen aktiven Menschen nicht nur beim Sport gefährden. Auch bei Wanderungen oder bei simplen ausgeführten Hausarbeiten sind Folgeunfälle wahrscheinlich. Daher ist in solchen Fällen eine Operation zu empfehlen, die durch die minimalinvasiven Methoden eine wesentlich geringere Belastung darstellt als noch vor einigen Jahren.
Zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Naht hat sich nicht bewährt, da in den Langzeitergebnissen zu viele Lockerungen nachgewiesen werden konnten. Die gängigsten Ersatzplastiken sind das zentrale Drittel der Patellasehne (PS) und die Sehne des Musculus semitendinosus und gracilis (STG). Die Quadrizepssehnenplastik (QS) ist bei uns eher den Revisionsoperationen vorbehalten. Jede dieser Methoden hat ihre Vor- und Nachteile. Nach etwa einem Jahr sind die Ergebnisse weitgehend gleich. Der momentane Modetrend der STG-Plastik, die „Double-Boundle-Technik“, sollte noch abgewartet werden, da Langzeitergebnisse bislang fehlen und besonders bei einer neuerlichen Ruptur die Frage der Verankerung eines neuen Transplantates nicht einfach ist. Ausschlaggebend für die sehr guten Ergebnisse dürfte die Erkenntnis der Operateure sein, dass der sogenannte „transtibiale Zugang“ keine anatomisch exakte Platzierung des femoralen Bohrkanals ermöglicht. Durch den Zugang von anteromedial ist dies wesentlich besser gegeben. Damit kann auch die Drehstabilität des Kniegelenkes verbessert werden (siehe Abb. 1a, b, c).
Eine besonders häufige Verletzung ist jene der „Stoßdämpfer“ des Kniegelenkes, der Menisci. Wir wissen, dass die Entfernung des Meniskus zum Nachteil des Patienten ist und daher die Erhaltung das oberste Ziel sein muss. Die Chance auf Heilung hängt von der Lokalisation des Risses ab (King 1963). Blutversorgung besteht nur in den ersten 10–30 Prozent an der Basis des medialen und 10–25 Prozent des lateralen Meniskus. Daher kann nur bei einem Riss in diesem Bereich eine Naht erfolgreich sein. Mehrere Techniken stehen zur Verfügung: Inside-Out, Ouside-In und All Inside.
Vielversprechend ist auch die Verwendung von Kollagen-Meniskus-Transplantaten (CMI) nach Steadman. Weltweit wurden bisher etwa 1.400 dieser Transplantate eingesetzt. Bei 90 Prozent konnte eine Meniskusregeneration nachgewiesen werden. Ein nicht unbeträchtlicher Nachteil ergibt sich aber aus der langen Nachbehandlungszeit von bis zu sechs Monaten. Die volle Belastung wird erst nach zwei Monaten wieder empfohlen.
Eine sehr häufige und schmerzhafte Verletzung ist jene der Achillessehne. Diese reicht von der schmerzhaften Entzündung (Achillodynie) bis zum Riss. Wenn physikalische Behandlungen keine Besserung bringen, kann ein minimalinvasiver Eingriff wie das „arthroskopische Achillessehnen Release“ die Schmerzen beseitigen. Dabei wird die umgebende Hülle (die zu eng ist) und die Sehne selbst der Länge nach gespalten und die verdickte Schleimhaut entfernt. Die Entlastung der Sehne ist die Folge und sie kann wieder friktionsfrei gleiten.
Wesentlich aufwendiger ist die Behandlung eines kompletten Risses der Achillessehne. Dieser muss nach wie vor operiert werden. Nur bei einer besonderen Rissform kann auch konservativ im Stiefel (Walker) mit Fersenerhöhung oder im Gips erfolgreich behandelt werden. Eine Magnetresonanz-Untersuchung (MRT) gibt genauen Aufschluss über diese Behandlungsmöglichkeit. Nach erfolgter Operation (Sehnennaht) wird der Unterschenkel für sechs bis acht Wochen in einem Stiefel ruhiggestellt. Für zirka vier Wochen sollte der Patient auch mit Stützkrücken gehen und das Bein teilbelasten. Bei kompletter Ausheilung der Verletzung ist in der Regel eine normale Sportausübung zirka sechs Monate postoperativ wieder möglich.

 Verletzungen am Bewegungsapparat

Sport verbessert Lebensqualität

„Seniorensport“ nimmt stetig zu und trägt eindeutig zur besseren Lebensqualität des Menschen bei. Die schwierigeren Voraussetzungen während der Behandlung des älteren Patienten wie etwa der Heilungsprozess und das höhere Operationsrisiko verlangen nach minimalinvasiven Methoden und einer raschen Rehabilitation. Diese operativen Möglichkeiten können wir den Patienten in sehr vielen Fällen zur Verfügung stellen und damit zu einer Risikoverminderung beitragen. Die postoperative Rehabilitation ist mindestens genauso wichtig wie bei jüngeren Patienten. Da die ältere Bevölkerung nicht mehr im Arbeitsprozess eingegliedert ist, entsteht oft der Eindruck eines mangelnden Interesses der Sozialversicherungsträger an der Rehabilitation des Seniorensportlers. Daher sind Selbstvorsorge und Eigeninitiative notwendig, wobei die Mithilfe des behandelnden Arztes dabei besonders wichtig ist. Er sollte dem Patienten das entsprechende Umfeld organisieren können. Sport ist eine der wichtigsten Beschäftigungen im Alter, um jung und gesund zu bleiben.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben