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N.O.T.E.S. – eine Operation ohne Narben

Als logischer nächster Schritt in der minimal invasiven interventionellen Endoskopie befindet sich N.O.T.E.S. gerade in der Testphase und eröffnet neue Felder endoskopischer Intervention.

N.O.T.E.S. steht für Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery, was so viel bedeutet wie Operieren durch natürliche Öffnungen. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der laparoskopischen Chirurgie, wie Doz. Dr. Gerhard Schwab, Leiter der Chirurgischen Abteilung im Landesklinikum Krems, im Rahmen der diesjährigen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) im Juni in Inns­bruck sagte. Operative Zugangswege können transgastrisch, transkolisch oder eine Kombination dieser beiden Möglichkeiten sein. Bei Frauen könne auch transvaginal eingegriffen werden – auch ein transvesikaler Zugang wäre denkbar. „Alle Öffnungen, die irgendwie zur Verfügung stehen, werden auch verwendet“, kommentierte der Experte lächelnd.
Eine Fülle von Machbarkeitsstudien mit vielversprechenden Ergebnissen wurden bereits im Rahmen der DDW (Digestive Disease Week) im Mai 2007 in Washington präsentiert: In Tierversuchen wurden bereits Cholezystektomien, Hemikolek­tomien, Nephrektomien, Tubenligaturen und viele Eingriffe mehr erfolgreich durchgeführt. Enthusiastisch präsentierte Schwab auch die erste transvaginale Cholezystektomie am Menschen, die im April dieses Jahres in Straßburg durchgeführt wurde. Die Patientin konnte schon am zweiten postoperativen Tag entlassen werden. Eine Technik, die intensiv weiterentwickelt wird und vom endoskopisch zu setzenden Trokar über neue Ligations- und Hämostasetechniken bis zu Ultraschalldissektionen reicht.

Science-Fiction-Operationssaal

Ein flexibles Gerät wird über den gewählten Zugangsweg eingebracht. Von dem futuristisch anmutenden Kopf gehen drei Arme aus. Einer davon ist die Lichtquelle, die anderen beiden funktionieren wie zwei Finger, die in alle Richtungen drehbar und mit Werkzeug bestückt sind. Der Operateur bedient mit beiden Händen die Greifarme von einer Plattform aus. „Alles, was Sie mit zwei Fingern anstellen können, werden Sie auch mit N.O.T.E.S. einmal machen können“, zeigt sich Schwab überzeugt.
Das eigentliche Potenzial dieser Technologie liegt jedoch darin, dass weder eine sterile Umgebung noch Instrumente für den Eingriff erforderlich sind. Denn die eigentlich kritischen Zonen in der Chirurgie liegen im Bereich der Bauchdecke, während das Peritoneum weniger infektanfällig ist, so Schwab. Wählt man einen endoluminalen Zugang, reicht es, die Geräte zu desinfizieren. Das macht in Zukunft eventuell auch einen unkomplizierten Einsatz der Bauchchirurgie in Regionen der dritten Welt möglich. Schwab: „Das ist allerdings noch Vision, so weit sind wir noch lange nicht. Weitere Studien und eine Perfektionierung von Geräten und Technik sind dafür noch erforderlich.“
Sowohl Gastroenterologen als auch Chirurgen sehen dieser Weiterentwicklung überwiegend enthusiastisch entgegen. Im Falle der Chirurgen erstaunlich, standen sie doch zu Beginn der Endoskopieära diesen Möglichkeiten noch skeptisch, wenn nicht ablehnend gegenüber.

Höfler-Speckner, Ärzte Woche 40/2007

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