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Leben auf der Überholspur

Für die Zeit vor und nach großen Bauchoperationen bestanden bisher feste Regeln. Nüchternheit, strenge Bettruhe, bestimmte Schnitttechniken und Drainagen prägten das Bild. Bis die Fast-Track-Chirurgie alles über den Haufen warf.

Das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz macht Darmoperierten Beine. Hier wird nach dem Fast-Track-Konzept gearbeitet. Diese Variante des perioperativen Managements wurde bisher, aus Skandinavien kommend, mit Erfolg in Nordamerika, Großbritannien und auch Deutschland angewandt. Dabei handelt es sich um keine neue, bessere Chirurgie, sondern um eine evidenzbasierte Veränderung der OP–Vorbereitung und der Rehabilitation. Bislang galt die Faustregel, dass mittelgroße chirurgische Eingriffe im Abdominalbereich zehn bis 15 Tage Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen. Nimmt der Patient die „schnellen Schiene“, ist er bereits nach drei bis fünf Tagen zu Hause. Dr. Reinhold Függer, Primarius der Chirurgischen Abteilung der Elisabethinen in Linz, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE: „Ziel ist es, das Trauma durch den Eingriff möglichst gering zu halten. Das Wohl des Patienten steht an erster Stelle.“

Viele Veränderungen für das Operationsteam

Eine der Grundideen von „Fast Track“-Chirurgie ist es, die geordnete Selbstregulation körperlicher Vorgänge durch schonendes Vorgehen schnell wieder in Gang zu setzen. Am Dickdarm entwickelt, ist das Konzept auch anderweitig anwendbar: Függer und sein Team arbeiten an ähnlichen Vorgehensweisen für Lungenoperationen ebenso wie Magen- und große Bauchoperationen. Verschiedene Abweichungen von der Standardbehandlung stechen ins Auge: So wird die regelmäßig verwendete Dickdarmspülung – von vielen Patienten als belastend empfunden – kaum mehr angewendet. Függer dazu: „Früher mussten die Patienten drei bis fünf Liter Spüllösung trinken, um einen sauberen Darm zu haben. Studien aus Nordeuropa haben aber gezeigt, dass dadurch die Komplikationrate keineswegs sinkt.“ Auch Nüchternheit ist nicht mehr Vorschrift: Nun dürfen Patienten noch zwei Stunden vor dem Eingriff klare Flüssigkeiten wie etwa Tee trinken. Denn strenges Fasten präoperativ belastet den Organismus. Die Vollnarkose während des Eingriffs wird durch postoperative Schmerzbekämpfung über einen Epiduralkatheter ergänzt. Függer: „Die Anwendung des Rückenmarkskatheters in der Bauchchirurgie war bisher Einzelfällen vorbehalten und keineswegs Routine. Mit dem Katheter ist eine gezieltere Schmerztherapie möglich, die nebenwirkungsärmer verläuft als bisher.“ Die niedrigeren Analgetikadosen verringern Müdigkeit und Übelkeit, die Darmtätigkeit bleibt erhalten. Drainagen, Dauerkatheter, ZVK und Magensonde werden vermieden.

Zusammenarbeit mit Niedergelassenen

Bereits vier Stunden nach dem Eingriff darf der Patient leichte Kost und Flüssigkeiten zu sich nehmen. Ein lahmgelegter Darm erholt sich nämlich schlechter als sein beschäftigtes Pendant – und postoperative Darmlähmungen werden minimiert. Sechs Stunden nach dem Eingriff mobilisiert eine Pflegekraft den Patienten für vier Stunden, am nächsten Tag sollen Patienten über acht Stunden das Bett verlassen. Dies beugt Thrombosen und Embolien vor. „Die meisten unserer Patienten gehen etwa am fünften Tag heim“ erklärt Függer, „aber das soll nicht den Eindruck erwecken, wir betrieben Sparmaßnahmen auf Kosten der Patienten. Fast Track ist keine ökonomische Maßnahme – das Spital erspart sich im Vergleich zum gebräuchlichen Vorgehen nichts.“ Um die Nachsorge im niedergelassenen Bereich zu erleichtern, haben alle Zuweiser des Elisabethinenkrankenhauses detaillierte schriftliche Informationen über die neue Behandlungsweise erhalten. „Tägliche Visiten durch den Hausarzt sind nicht notwendig“ so Függer, „und bisher hat es auch keine Probleme in der Nachsorge gegeben.“ Die Nachbetreuung durch den Allgemeinmediziner sieht er als Chance, die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten zu vertiefen.

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