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Innere Medizin 15. November 2006

Neues Kniegelenk erhöht die Beweglichkeit

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Künstliche Kniegelenke finden immer mehr Zulauf. Gründe dafür sind eine verbesserte Beweglichkeit und kürzere Rehabilitationszeiten.

Der künstliche Kniegelenkersatz hat in den letzten Jahren nicht nur weltweit, sondern auch in Österreich eine enorme Steigerung erfahren. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass hierzulande derzeit jährlich etwa 14.000 Kniegelenke eingesetzt werden. Die deutliche Steigerungsrate des künstlichen Kniegelenkersatzes zeigt sich auch an der Frequenz im Orthopädischen Spital Wien-Speising. Während vor fünf Jahren das Verhältnis Hüftgelenkersatz zu Kniegelenkersatz noch 2:1 war, hat sich dies insofern verändert, als wir im heurigen Jahr bereits genauso viele Knieendoprothesen (über 600) wie Hüftendoprothesen implantieren. Wieso dieser deutliche Anstieg? Im Wesentlichen sind es zwei Gründe: Einerseits hat die Hauptaltersgruppe der Betroffenen (60 bis 70-Jährige) durch die gesteigerte Lebenserwartung einen wesentlich größeren Aktivitätsanspruch und andererseits werden durch die großen Fortschritte in der Endoprothetik vermehrt junge Patienten mit einem künstlichen Gelenk versorgt. Die klinischen Ergebnisse übertreffen nämlich sehr häufig jene von gelenkerhaltenden Maßnahmen. Das so genannte NexGen-Flex® Kniegelenk ist die Weiterentwicklung eines bereits bewährten totalen Kniegelenkersatzes, die es ermöglicht, den Bewegungsumfang des Kniegelenkes durch Änderungen des Implantatdesigns zu vergrößern. Das Gelenk eignet sich daher insbesondere für aktive Patienten, deren Lebensgewohnheiten eine weitreichende Beugung des Kniegelenkes erfordern. Dies betrifft zum Beispiel jene Patienten, die gerne Rad fahren oder vermehrt in die Hocke gehen müssen, um auf diese Weise beispielsweise ihre Gartenarbeit ohne Schwierigkeiten vornehmen zu können. Das moderne Gelenkimplantat wird am günstigsten bei jenen Patienten verwendet, die über eine gute präoperative Beugefähigkeit verfügen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass der präoperative Bewegungsumfang ein guter Indikator für die postoperative Beweglichkeit ist. Um dieses Implantatsystem in sinnvoller Weise für einen Patienten anzuwenden, sollten bestimmte Aspekte genau abgewogen werden (siehe Kasten 1).

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Vorbereitende Maßnahmen

Um den Patienten für die Operation gut vorzubereiten, ist es zweckmäßig, Bewegungsübungen sowie eine Kräftigung der Streck- und Beugemuskulatur des Kniegelenkes durchzuführen. Dadurch können Bandapparat und Muskeln optimal auf die postoperative Rehabilitation eingestellt werden. Überhaupt ist die frühzeitige und konsequente Rehabilitation ein sehr wichtiger Punkt zum Beibehalten einer großen Beugefähigkeit nach einer erfolgreichen Implantation. Die heute gängigen Rehabilitationsprotokolle sind darauf ausgelegt, eine gute Funktion im Bereich von 90° bis 110° zu erreichen, die den Patienten befähigen, von einem Stuhl aufzustehen oder aus dem Auto zu steigen. Jene Patienten, die motiviert und auch in der Lage sind, die Beugefähigkeit intensiv zu trainieren, sind in der Regel mit einem frühen und konsequenten Rehabilitationsprotokoll am besten versorgt. Um möglichst rasch mit einer intensiven heilgymnastischen Nachbehandlung beginnen zu können, hat sich eine adäquate medikamentöse Schmerztherapie im Rahmen des stationären Aufenthaltes bewährt. Die Erwartungen der Patienten drehen sich im Wesentlichen um die Wiederherstellung der gewohnten Lebensqualität und einer uneingeschränkten körperlichen Aktivität für den Rest des Lebens. Die Beeinträchtigung durch die Operation soll möglichst kurz andauern, d.h. kein langer Krankenhausaufenthalt, Gehbehelfe nur über einen kurzen Zeitraum und insgesamt eine verkürzte Rehabilitationsphase. Vielen von diesen Wünschen können wir heute weitgehend gerecht werden. Die technische Entwicklung lässt uns über Implantate verfügen, die eine Funktionsdauer von zumindest 20 bis 30 Jahren erwarten lassen. Zwei Kriterien sind aber dafür maßgeblich: die stabile Verankerung der Prothese am Knochen und ein minimaler Verschleiß der gelenkbildenden Materialien.

Schlussfolgerungen

Die primären Ziele des künstlichen Kniegelenkersatzes sind die korrekte Ausrichtung der Beinachse, eine ausgewogene Bilanzierung des Muskel-Bandapparates sowie die stabile Primärverankerung der Endoprothese. Um den vermehrten Ansprüchen der Patienten Rechnung zu tragen, wurden die Entwicklungen der letzten Jahre dahingehend ausgerichtet (Kasten 2). So konnte dank der Entwicklung der minimal-invasiven Knieendoprothetik der Streckapparat geschont und in der Folge eine raschere Mobilisation erreicht werden, was einerseits postoperative Beschwerden lindert und andererseits Krankenhausaufenthalte verkürzt und letztlich die Rehabilitationsphase beschleunigt. Zudem sind es Modifikationen am Implantatdesign und die Entwicklung von verschleißarmen Gelenkteilen, die sich trotz hoher Beanspruchung nur gering abnützen. Diese Strategien erlauben den Patienten eine verbesserte Gelenkbeweglichkeit und reduzieren die mobile Beeinträchtigung im Alltag auf ein Minimum, da nahezu eine normale Kniegelenkbeweglichkeit hergestellt wird. Erreicht werden diese hohen Ansprüche ausschließlich durch exzellente Zusammenarbeit von operierendem Arzt, der ein hochwertiges Implantat fachgerecht einsetzt, und Patient, der all jene körperlichen Voraussetzungen und Motivation mitbringt, um durch gezieltes Training im Rahmen der postoperativen Rehabilitation ein möglichst optimales Resultat zu erreichen.

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