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Mit „Waffengewalt“ gegen Hämorrhoiden

Hämorrhoidalleiden bis zum Stadium III können mithilfe neuer Techniken sehr gut behandelt werden. Allerdings muss zuvor eine genaue Abklärung erfolgen, um stadiengerecht zu therapieren.

Zu den Krankheiten, die aus falsch verstandenem Scham tabuisiert werden, zählen zweifellos vergrößerte Hämorrhoiden. Im Wiener Billroth-Haus versammelten sich Mitte Oktober namhafte österreichische Experten, um neue Therapieansätze zu diskutieren. Mittlerweile sind für alle Beschwerdenausprägungen adäquate Optionen vorhanden. „Die Bandbreite reicht von allgemeinen Maßnahmen, wie eine vermehrte Aufnahme von Ballaststoffen, über symptomatisch wirkende Salben bis zu ursächlichen Behandlungen. Leider fehlt noch die therapeutische Ordnung“, erklärte Prof. Dr. Friedrich Herbst von der Wiener Chirurgischen Universitätsklinik. Allerdings plane eine Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie für den Frühsommer 2007 ein Konsensusdokument. Aller Aufklärung zum Trotz werden die Experten auch zukünftig höhergradige Ausprägungen der Erkrankung sehen. Dies führt allerdings auch dazu, dass die Anstrengungen, neue Therapiemethoden zu entwickeln, nicht nachgelassen haben. Prof. Dr. Peter Lechner, Vorstand der Chirurgischen Abteilung des Landesklinikums Donauregion Tulln, präsentierte die Ligatur-Pistole. Das Einmalgerät saugt den Knoten an und „schießt“ einen Gummiring über dessen Basis. Nach wenigen Tagen fällt das ischämische Gewebe mitsamt dem Ring ab. Der ambulante Eingriff überzeuge vor allem durch seine Schmerzfreiheit, weiß Lechner. Prim. Dr. Friedrich Anton Weiser, Vorstand der Chirurgischen Abteilung, Herz Jesu Krankenhaus Wien, verwies auf die Dal-Monte-Methode (siehe ÄRZTE WOCHE Nr. 30-34 vom 24. August 2006, S.9) – eine neue Variante der bewährten HAL-Technik (Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur). Wie bei HAL werden die Arterien, die den Hämorrhoidalknoten versorgen, per Ultraschallsonde geortet und präziser als bisher umstochen. Bereits 16 Mal hat Weiser diesen Eingriff in seinem Haus durchgeführt: „Unsere Fallzahl lässt zwar noch keine zwingenden Schlüsse zu, aber Dal Monte aus Bologna beschreibt bei 800 Eingriffen nur eine Nachblutung. Freilich bedarf es noch weiterer Studiendaten, aber die Erfahrungen bei Stadium II und III sind schon sehr gut.“ Freilich bergen auch die neuen Methoden Risiken, falls sie mangelhaft und nicht stadiengerecht angewendet werden, warnte Prof. Dr. Heinz Bacher von der Abteilung für Allgemeinchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik Graz: „Immer wieder werden Beschwerden auf dem Gebiet der Hämorrhoiden verharmlost, auch von ärztlicher Seite. Die Ursache für Blut am oder im Stuhl muss aber sofort abgeklärt werden. Es ist erschreckend, wie viele Patienten aufgrund von Hämorrhoiden behandelt werden, während ein Dickdarmkarzinom als eigentliche Ursache übersehen wird.“ Zudem mahnte Bacher, nicht zu leichtfertig zu therapieren, schließlich „haben die Hämorrhoiden eine physiologische Kontinenzfunktion“. Tritt nach dem Eingriff eine Inkontinenz auf, sei sie schwierig therapierbar. Bacher: „Dank der neuen Techniken haben wir sichere und gute Ansätze für die Stadien 2 und 3. Ist das Leiden allerdings weiter fortgeschritten, hilft weiterhin nur die klassische Operation. Welche Methode letztendlich gewählt wird, muss Gegenstand ausgewiesener Expertisen sein.“

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