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Crossektomie nach wie vor sicherer und billiger

Lasertherapie und Radiofrequenzbehandlung haben neue Optionen für die Behandlung von Patienten mit Krampfadern gebracht.

Jahrzehntelang gab es kaum Neuigkeiten auf dem Gebiet der Entfernung von Krampfadern. Die Elimination des Venensterns – auch als Crossektomie bezeichnet – und das anschließende Hochziehen der Vena saphena magna oder parva („Stripping“) waren demnach ohne ernsthafte Konkurrenz. Doch plötzlich ist das anders: Seit einigen Jahren werden mehrere, weniger invasive Verfahren angeboten, bei denen die Vene von innen erhitzt und zerstört wird. Auf dem Berliner Chirurgenkongress wurde deutlich, dass die Hüter des tradi-tionellen Verfahrens diesen neuen Strategien noch sehr skeptisch gegenüber stehen.

Datenlage zu schwach

„Es gibt sehr gute Gründe für das traditionelle Vorgehen“, sagte Dr. Martin Heidrich von der Gefäßchirurgischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus in Mülheim an der Ruhr. Die Crossektomie mit Stripping sei sicher und kosteneffizient. Zudem lägen genügend Langzeitergebnisse vor, während „die Datenlage bei den neuen endovenösen Verfahren schwach ist“. Beispiel Radiofrequenzverfahren: Bei dieser Technik wird ein Katheter mit kleinen Füßchen in die Vena saphena magna oder parva eingeführt, während die Veneninnenwand durch Radiowellen erhitzt wird. Gefäßwand und angrenzendes Bindegewebe denaturieren und ziehen sich zusammen. Innerhalb einiger Wochen entsteht ein langer, fibrotischer Strang. Die Ergebnisse einer vor kurzem publizierten französischen Studie, in der die Ärzte den Langzeiterfolg einer Radiofrequenz-Obliteration bei immerhin 1.006 Patienten mit 1.222 Behandlungen untersuchten, hält Heidrich für ernüchternd. Die Studienqualität sei schlecht, so der Gefäßchirurg, weil nur ein Bruchteil der Patienten bis zum Fünf-Jahres-Follow-Up nachverfolgt werden könne. Und dort, wo Daten über den gesamten Zeitraum vorlägen, sei eine Rezidivrate von 27,4 Prozent beschrieben (J Vasc Surg 42, 2005, 502). „Das erreichen wir mit dem konventionellen Verfahren ebenso“, so Heidrich. Auch in der oft zitierten EVOLVeS-Studie habe es keinen signifikanten Vorteil für das Hitzeverfahren bei der Rezidivrate gegeben. Sie lag in beiden Gruppen zwischen 20 und 25 Prozent. In der Studie wurden die Ergebnisse von 46 Patienten, bei denen eine Ra-diofrequenz-Obliteration gemacht wurde, mit 40 konventionell operierten Patienten verglichen. Beim zweiten hitzebasierten endoluminalen Verfahren, der Lasertherapie, sähen die Zahlen nicht besser aus, betonte Heidrich. Beim Laserverfahren wird die Vene durch Hitzeblasen thermisch zerstört. Aber auch hier kann es zu Rezidiven kommen. Die Häufigkeit sei ähnlich hoch wie bei der klassischen Operation, sofern die bisher limitierte Datenlage diese Aussage überhaupt schon zulässt. Nachvollziehen kann Heidrich die Begeisterung der Patienten vor diesem Hintergrund für die neuen Methoden nicht. „Beide Verfahren werden derzeit auch nicht von Kassen bezahlt“, hob er hervor. Die Lasertherapie kostet beispielsweise bis zu 3.000 Euro. Was die Versicherten dafür erhalten, ist ein minimal invasiver Eingriff, der sie in der Regel wieder schneller arbeitsfähig macht. Das dürfte für viele ein zentrales Argument sein. So konnten in der EVOLVeS-Studie die Versicherten fast acht Tage früher wieder arbeiten gehen.

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