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Waterloo für Hämorrhoidenleiden

Eine innovative italienische Methode verspricht mithilfe eines Nadelhalters die versorgenden Hämorrhoidenarterien so zu umstechen, dass die Gefahr, in die falsche Schicht zu gelangen, minimiert wird.

Einige Gemälde zeigen Napoleon Bonaparte bei seiner letzten Schlacht am 18. Juni 1815 in Waterloo mit finsterem Gesichtsausdruck. Anstatt, wie sonst im Schlachtgetümmel, auf seinem Lieblingspferd Marengo blitzschnell taktische Anweisungen zu geben, warfen den Feldherrn quälende Hämorrhoidalbeschwerden aufs Krankenbett. Ans Reiten war da nicht mehr zu denken. Somit war nicht nur die Schlacht verloren, auch Marengo fiel in die Hände der Wellington´schen Truppen. Die damaligen Behandlungsmethoden waren allerdings auch wirklich wenig verlockend. Der bekannte französische Chirurg Baron Guillaume Dupuytren (1777-1835) schildert sie so: „Ich habe meine Schüler bei dem Anblick des rot glühenden Eisens und dem Rauch vor dem After zurückschaudern gesehen.“ Trotzdem war das Glüheisen – wie schon zu Hippokrates’ Zeiten - in hiesigen Breiten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts das gebräuchlichste chirurgische Instrument. Die Erfindung von Langenbeck, eine Flügelzange, die die Basis der einzeln vorgezogenen Hämorrhoide fasste und die Umgebung vor der Hitze schützte, sorgte für die nötige Sicherheit. In der derzeitigen operativen Behandlung des Hämorrhoidenleidens steht der chirurgischen Abteilung des Herz Jesu Krankenhauses in Wien topaktuell ein innovatives Operationsverfahren zur Verfügung.

Arterien auditiv geortet

Es handelt sich dabei um das THD-Verfahren (Transanale Hämorrhoiden Desarterialisation). Die Methode wurde von dem Chirurgen Prof. Dal Monte aus Bologna entwickelt, der bereits über achthundert derartige Operationen durchgeführt hat. Dabei werden, wie bei der HAL-Methode (dopplergesteuerte Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur), die Hämorrhoiden-versorgenden Arterien­endäste mit einem speziellen Operationsproktoskop aufgesucht. Dieses Gerät weist eine außen an der Oberfläche anliegende Ultraschallsonde auf, wodurch die einzelnen Gefäße in ihren sechs anatomischen Positionen akustisch eindeutig identifiziert werden können. Anschließend werden sie nacheinander, mit einer in einer Aussparung im Proktoskop fixierbaren Nadel eingespannt und in der richtigen Gewebetiefe sicher umstochen. Dies stellt die erste revolutionäre Neuerung in der Gerätetechnik dar. Die zweite methodische Neuerung betrifft eine entscheidende technische Weiterentwicklung: Denn nach der sicheren Durchstechung des jeweiligen Arterienendastes werden im Sinne einer transanalen Rektopexie (ohne Resektion!) mehrere fortlaufende Mukosaraffnähte, welche die Hämorrhoidenknoten in den Analkanal zurückziehen, durchgeführt. Damit wird ein ähnlicher Effekt wie bei der Longo Operation erzielt. Jedoch entfallen die gefürchteten Komplikationen der Resektion. Eine abschließende Ultraschalluntersuchung durch den Operateur dient der Qualitätssicherung und der Dokumentation des Operationserfolges.

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