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Innere Medizin 29. August 2006

Flüssigkeitsstau im Oberarm ableiten

Nach Mammakarzinom-Operationen, vor allem nach einer Axilladissektion, kommt es oft zu vielfältigen Beschwerden. Als ernstes Problem gilt das axilläre Lymphödem. Im Wiener AKH wählt man daher einen neuen Behandlungsansatz, um mithilfe eines Bypasses den Flüssigkeitsstau zu beseitigen.

Die häufigste bösartige Erkrankung bei Frauen ist weiterhin das Mammakarzinom. Immerhin erkrankt jede achte bis neunte Frau an Brustkrebs. Infolge der Behandlung verlieren rund vier von zehn Frauen die Brust, drei Viertel der Patientinnen büßen durch Entfernung und/oder Bestrahlung auch die axillären Lymphknoten ein. Die zuführenden Lymphbahnen stehen daher nicht mehr zum Lymphtransport zur Verfügung. Da die Anzahl der Lymphknoten und -gefäße bei jedem Menschen variabel ist, kann trotz vorsichtiger Operationstechnik nicht vorausgesagt werden, ob nach der Primärbehandlung ein sekundäres Lymphödem auftritt oder nicht.

Armumfang nimmt zu

Dies eröffnet ein entscheidendes Problem, das die Therapeuten kaum in den Griff bekommen und häufig nicht gleich bemerkt wird: Aufgrund eines automatischen Reparaturbedürfnisses kommt es zur Fibrosierung, die in weiterer Folge zur Verödung von Lymphspalten und kleinsten Lymphgefäßen führt. Der betroffene Arm nimmt deutlich an Umfang zu, was Schmerzen verursacht und zugleich einen Bewegungsverlust bedeutet.

Neue Operation im AKH

Nicht immer bringt eine intensive physikalische Therapie (z.B. Lymphdrainage) die gewünschte Umfangsreduktion. Dann drohen oft monate- bis jahrelange belastende Beschwerden und Einschränkungen im täglichen Alltag. Daher beschreitet man im Allgemeinen Krankenhaus in Wien mittlerweile neue Wege und führte vor kurzem erstmals eine Operation durch, die mithilfe zweier aus dem Oberschenkel entnommener Lymphgefäße und einer mikrochirurgischen Nahttechnik Abhilfe schaffen soll.
Prof. Dr. Edvin Turkof, Plastischer Chirurg am AKH Wien, der den Eingriff gemeinsam mit dem Gynäkologen Prof. Dr. Michael Seifert an der Abteilung für spezielle Gynäkologie durchführte, erklärte in einer Aussendung den Unterschied zu herkömmlichen Behandlungsweisen, die entweder eine Reduktion des überschüssigen Gewebes oder eine periphere Ableitung der Lymphe (z.B. lymphovenöse Anastomosen) anstreben: Die neue Therapie bewirkt die Flusswiederherstellung durch einen autogenen Lymph-Bypass und erreicht derart eine weitgehende Annäherung an den ursprünglichen Zustand. Der Bypass, der zwischen Oberarm und Hals eingesetzt wird, verbessert den infolge der Krebsoperation gestörten Lymphdurchfluss und bewirkt eine Abnahme des Wasserstaus. Diese Methode, die in München von Prof. Dr. R.G.H. Baumeister weiterentwickelt wurde, konnte sich dort bereits bewähren und präsentiert gute Ergebnisse. Turkof: „Die Erfolgsrate in München beträgt etwa 66 Prozent, wir hoffen, in ein bis zwei Jahren ähnliche Ergebnisse zu erreichen.“

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