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Mukosaresektion bewährt sich

Minimal invasive endoskopische Entfernung von Gewebsveränderungen entwickelt sich in ganz Europa allmählich zum State of the art.

In Japan, wo insbesondere die Magenkrebsrate im Vergleich zu Europa extrem hoch ist, wird die Methode der endoskopischen Mukosaresektion schon seit etwa 15 Jahren erfolgreich praktiziert. Erste Kontakte mit japanischen Spezialisten hatte Doz. Prim. Dr. Rainer Schöfl vor zehn Jahren. Er ist Leiter einer Internen Abteilung am Linzer Krankenhaus der Elisabethinen und Fachgruppensprecher der Internisten in Oberösterreich. Im Jahr 1999 erfolgte in Japan für ihn und sein Team die erste Schulung zur endoskopischen Mukosaresektion. In Schöfls Abteilung gibt es gute Erfahrungen im Einsatz von NBI (Narrow Band Imaging), das ein kontrastreicheres Bild ergibt, sowie im Einsatz von HDTV (High Definition Television) in der En­doskopie.

Endoskopie aufgewertet

Durch die Mukosaresektion haben sich die Möglichkeiten der endoskopischen Entfernung bedeutend verbessert, betont Schöfl: „Flach erhabene und sogar flach eingesenkte Veränderungen können mikrochirurgisch entfernt werden. Durch Ansaugen oder Unterspritzen werden die Veränderungen so vorbereitet, dass sie mit einer Schlinge abgetragen werden können. Die Abtragung erfolgt nach Möglichkeit in einem Stück und in ausreichendem Abstand vom gesunden Bereich. Die endoskopische Mukosaresektion ist zudem für den Patienten wesentlich weniger belastend als ein radikal-chirurgischer Eingriff.“ Theoretisch kann sie bereits bei der ersten Endoskopie durchgeführt werden. „In der Praxis wird man jedoch meist eine zweite Endoskopie ansetzen, weil der Patient – im Gegensatz zur ‚normalen’ Endoskopie – stationär aufgenommen werden muss.“ Nach Schöfls Erfahrung gibt es keine äußeren Narben, zudem müssen keine großen Organstücke entfernt werden, „und der Patient erholt sich wesentlich schneller als nach einer Operation.“ Ob nun eine Operation oder eine endoskopische Entfernung bevorzugt wird beziehungsweise möglich ist, muss von Fall zu Fall durch interdisziplinäre Zusammenarbeit geklärt werden. Die Technik der Mukosaresektion ist vor allem dann nützlich, wenn Veränderungen in einem sehr frühen Stadium entdeckt werden. Schöfl: „Erhabene Tumore können bis zu einem Durchmesser von zwei Zentimetern, flach eingesenkte bis zu einem Durchmesser von einem Zentimeter entfernt werden. Ist der Tumor zu tief in die Mukosa des Organs eingedrungen oder sind bereits Lymphknoten befallen, so muss operiert werden.“ Das gilt ebenso, wenn nach erfolgter Mukosaresektion der Tumor nicht vollkommen entfernt werden konnte oder ein Lokalrezidiv auftritt.

Prophylaktische Koloskopie kann Krebsrate deutlich senken

Schöfl unterstreicht die Wichtigkeit der Früherkennung, gerade beim Magen- und Darmkrebs: „Mit den modernen zur Verfügung stehenden Methoden sind Todesfälle infolge von Darmkrebs einfach nicht mehr akzeptabel. Mithilfe von Vorsorge-Koloskopie ist es möglich, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und schonend zu entfernen. Denkbar wäre es, auch eine Vorsorgeuntersuchung der Speiseröhre und des Magens zu etablieren – so könnte die Krebstodesrate in diesem Bereich reduziert werden“, meint Schöfl. Die Methode hat sich unter anderem von Linz ausgehend an mehreren EU-Schwerpunkthäusern bereits etabliert.

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