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40 Prozent aller Unfälle betreffen Hände

Vor Einführung der minimal-invasiven Operationstechniken mussten große Schnitte und Freilegung von Sehnen in Kauf genommen werden. Die moderne Handchirurgie legt ihren Fokus auf das optimale funktionelle Behandlungsergebnis.

Durchschnittlich 25.000 Verletzungen an Handgelenk, der Hand und den Fingern werden jährlich stationär behandelt. Allein 20.000 Patienten mit diesen Verletzungen der Hand versorgt das Wiener Lorenz Böhler Krankenhaus der AUVA pro Jahr ambulant. Highlights des 46. Symposiums der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie waren drei Kernthemen: Fingerfrakturen und –gelenkfrakturen, Bandverletzungen und Luxationen, Arthrosen und künstlicher Gelenkersatz. Verantwortlich für das wissenschaftliche Programm zeichnete Prim. Dr. Wolfgang Hintringer, Vorstand der Abteilung für Unfallchirurgie, Humanis Klinik Korneuburg, und OA Dr. Martin Leixnering Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler, Wien.

Neuer Kunststoffverband

Die aktuelle Behandlungsmethode bei Frakturen des Fingergrundgelenks stellte Leixnering auf der Wiener Tagung vor. Mit einem speziellen Kunststoffverband und einem doppelt gelegten, durch eine Naht zweigeteilten Schlauchverband für den verletzten und den benachbarten Finger wird eine Schienung der Fraktur vorgenommen. Der Spezialverband ist vier Wochen zu tragen. Ziel der Methode ist es, knöcherne Heilung und freie Beweglichkeit gleichzeitig und nicht nacheinander zu erreichen. Damit ermöglicht diese moderne Therapie eine raschere Wiedereingliederung des Patienten in den Alltags- und Arbeitsprozess.

Stauchungsfrakturen minimal-invasiv versorgen

Über eine besonders schwierige und anspruchsvolle Operationsmethode, die so genannte Aufstopfungstechnik, sprach Hintringer. Durch eine spezielle, minimalinvasive Technik werden Stauchungsfrakturen, wie sie bei Arbeitsunfällen immer wieder auftreten, durch eine minimale Hautöffnung mit Bohrdrähten aufgerichtet und stabilisiert, ohne das Gelenk selbst zu öffnen. Die neue Operationsform ohne ausgedehnte Freilegung der Fraktur oder der Sehnen minimiert Komplikationsraten. Nach Abheilung gibt es kaum Einschränkungen in der Beweglichkeit. Bei ausgedehnten Frakturformen mit Gelenkbeteiligung muss operativ eingegriffen werden. Laut Dr. M. Strassmaier vom handchirurgischen Zentrum in Starnberg kommen bei dem minimal-invasiven Operationsverfahren nun zunehmend kleinste Titanimplantate zum Einsatz. Eine wichtige operative Methode, der mit Rücksicht auf die zunehmend älter werdende Patientenstruktur besondere Bedeutung zukommt, ist der Ersatz von Fingermittelgelenken durch Prothesen. Relevanz hat das neue Verfahren vor allem für Patienten mit chronischer Polyarthritis, wobei die Minimierung des Schmerzes durch den künstlichen Gelenk­ersatz Vorrang hat. Die beiden Experten, Hintringer und Leixnering, sehen die deutliche Schmerzreduktion bei Eingriffen mit künstlichem Fingerersatz als das vorrangigste Ziel. Maßgeblich sind für beide Handchirurgen auch die verbesserte Beweglichkeit und ein ansprechendes ästhetisches Ergebnis. Voraussetzung dafür ist Sorgfalt und Know how in der Operationstechnik durch einen erfahrenen Handchirurgen und eine intensive Nachbehandlung durch Ergo- und Physiotherapeuten. Auch ein kontroverses Thema griffen die Experten beim Symposium auf: Primär wurden Fingergelenksbrüche in der Vergangenheit statisch mit starren Verbänden aus Gips und Fingerschienen zur Ausheilung gebracht. Langfristiges Ruhigstellen führte zu Bewegungseinschränkungen mit langwierigen Einzelheilbehandlungen zur Wiederherstellung der Funktion. Nicht immer konnte danach das gewünschte Ergebnis erzielt werden.

Fokus auf Funktion

Vor Einführung der minimalinvasiven Operationstechnik mussten Patienten durch groß angelegte Schnitte mit Freilegung von Sehnen und  Weichteilsegmenten postoperativ große Verklebungen in Kauf nehmen. Nun legt die aktuelle Handchirurgie ihren Fokus ausschließlich auf das optimale funktionelle Behandlungsergebnis. Die Entscheidung bei der Auswahl der Therapieform in der Behandlung von Finger- und Handverletzungen orientiert sich an Schmerzfreiheit und gutem Funktionsbefund des Patienten. Die ÖGH ließ die Kosten von Handverletzungen, welche auf Arbeitsunfälle zurückzuführen sind, erheben: Bei einem etwa 30-jährigen Unfallopfer mit einer Finger-/Daumenverletzung (hochgerechnet auf die individuelle statistische Lebenserwartung) fallen 51.222 Euro für Unfallrente an, dazu kommen 10.000 Euro für betriebliche Kosten, (Endgeltfortzahlung für Krankenstand etc.). Legt man den beruflichen und privaten Ausfall eines Unfallopfers nach einer Handverletzung zu Grunde, entstehen volkswirtschaftliche Kosten von rund 73.000 Euro (Quelle: AUVA). Im Durchschnitt gibt es rund 20 Unfallrentner nach Handverletzungen jährlich.

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