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Distale Hypospadie schonend beheben

Für die Behandlung der distalen Hypospadie steht mit der modifizierten Mathieu-Plastik mit YV-Glansplastik nach Hadidi nunmehr eine Technik mit guten funktionellen und kosmetischen Ergebnissen zur Verfügung. Die postoperative Belastung der Kinder ist deutlich geringer.

Die Hypospadie zählt mit einer Inzidenz von 1 zu 300 zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Urogenitaltraktes. Mehr als 300 verschiedene Operationstechniken mit unterschiedlichem Komplikationsrisiko und kosmetischem Ergebnis wurden beschrieben. Die komplexe angeborene Fehlbildung der männlichen Harnröhre und der sie umgebenden Strukturen entsteht als Folge einer Entwicklungshemmung in der 9. bis 13. Schwangerschaftswoche. Ein nachgewiesener Faktor dabei ist ein Rezeptordefekt auf Testosteron und Dihydrotestosteron. „Weiters scheint eine hormonelle Störung auf testikulärer Ebene vorzuliegen, da eine Testosteronsubstitution zu Größenwachstum des Penis sowie zu einer Milderung der Penisschaftverkrümmung führt“, beschreibt OA. Dr. Elisabeth Frigo von der Abteilung für Kinderchirurgie des SMZ-Ost-Donauspitals in Wien die Fehlbildung. Klinisch ist der Meatus urethrae externus – je nach Schweregrad – zwischen Perineum und Glansspitze lokalisiert zu finden. Die Dysplasie der Corpora cavernosa und des Corpus spongiosum sowie das Ausmaß der Penisschaftverkrümmung sind ebenso wesentliche Faktoren für den Ausprägungsgrad der Hypospadie. Die Glans ist bei dieser Fehlbildung nach ventral gekippt und weist breit ausladende Glansflügel auf. Die Tunica Dartos und die Buck´sche Faszie sind ventralseitig miteinander verbacken und bilden lateral des Corpus spongiosum derbe fibröse Stränge, die so genannte Chorda. Das Präputium liegt der Glans kapuzenförmig an und ist ventral gespalten.

Einwandfreies Resultat

Ziel der chirurgischen Therapie ist ein funktionell und kosmetisch einwandfreies Resultat mit einem aufrechten Penis und einem an der Glansspitze lokalisierten Meatus. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Operationsmethoden beschrieben, wobei prinzipiell eine Meato- und Glansplastik, Penisschaftaufrichtung, Harnröhrenplastik sowie Hautdeckung durchgeführt werden. „Zur Korrektur der distal penilen Hypospadie hat sich an unserer Abteilung die modifizierte Mathieu-Plastik mit YV-Glansplastik nach Hadidi durchgesetzt“, berichtet Figo. „Wir führen zunächst eine Y-förmige Inzision an der Glansspitze durch und vernähen diese V-förmig. Dadurch erzielen wir einen weiten Neomeatus.“ Anschließend erfolgt die Umschneidung der Urethralrinne, zur Formung der Neourethra wird ein U-förmiger Flap aus der ventralen Penisschafthaut gebildet. Ein bindegewebiger Lappen wird zur Deckung der Neourethra darüber genäht. „Zuletzt führen wir die Glansnaht über einen Katheter durch, den wir danach entfernen“, erläutert die Kinderchirurgin. Im Vergleich mit der ebenso angewandten Urethroplastik nach Snodgras zeigte sich ein exzellentes kosmetisches Ergebnis und gute Blasenfunktion in beiden Behandlungsgruppen bei gleicher Komplikationsrate. Die häufigsten Komplikationen nach Hypospadie-Korrekturoperationen sind Fisteln, Strikturen, Meatusstenosen und Divertikel. Deutliche Unterschiede finden sich jedoch bei der postoperativen Behandlung sowie der Dauer des stationären Aufenthaltes in den Behandlungsgruppen. Nach Snodgras operierte Kinder benötigen postoperativ einen Urethralstent, ein Zystofix und einen Wund-verband. Die Verweildauer im Spital beträgt im Durchschnitt zehn Tage. Ohne Harnröhrenschienung, Katheter und Wundverband erfolgt hingegen das postoperative Management der Patienten, die mit einer modifizierten Mathieu-Plastik mit YV-Glansplastik nach Ha-didi versorgt werden. Sie werden in der Regel nach vier Tagen in häusliche Pflege entlassen. „Große Bedeutung kommt hier der aus- reichenden Analgesie zu, um eine problemlose Miktion zu gewährleisten. Zur Wundpflege applizieren wir regelmäßig Gentamycin-Salbe. Das Verfahren hat sich als weniger belastend für die Kinder erwiesen“, fasst Frigo die Vorteile der neuen Methode zusammen, die gleich gute Ergebnisse und einen deutlich kürzeren stationären Aufenthalt ermöglicht.

Dr. Isabella Presch, Ärzte Woche 6/2006

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