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Die "Rettungsoperationen" am Handgelenk

"Handgelenksbrüche und Bandverletzungen am Handgelenk sind die häufigsten Verletzungstypen sowohl beim Sport als auch in der Freizeit. Die Versorgung dieser Brüche durch operative Verfahren mit Platten und Schrauben oder anderer Osteosyntheseverfahren bringen nicht immer die erwünschten Ergebnisse", erklärt Prim. Dr. Wolfgang Hintringer, Krankenhaus Korneuburg. Schmerzt die Hand oder ist die Bewegung eingeschränkt, ist man im wahrsten Sinn des Wortes "handlungsunfähig". Korrekturoperationen mit Absägen der Knochen und Wiederherstellung von korrekten Gelenksverhältnissen sind mit den Fortschritten der chirurgischen Techniken möglich geworden. 

"Niemand muss sich heute mehr mit einer ‚schiefen Hand’ abfinden", sagt Hintringer.Sind die Zerstörungen durch Hochgeschwindigkeitstraumen jedoch zu groß oder bestehen die Fehlstellungen schon lange Zeit, wird der Knorpel der Gelenke zerstört. Eine Wiederherstellung der Funktion ist dann schwierig oder nur mehr teilweise möglich. Früher war die Versteifung des Handgelenkes die einzige Möglichkeit, den Schmerz um den Preis des Verlustes der Beweglichkeit loszuwerden. Heute gibt es so genannte Rettungsoperationen für das Handgelenk, die bei weitgehender Ausschaltung des Schmerzzustandes eine nützliche Bewegung des Handgelenkes erhalten: Der beschädigte Teil des Gelenkes wird stillgelegt, der Rest wird beweglich gehalten.

Resektion der Handwurzelreihe

Neben den Teilversteifungen, die vor allem nach Brüchen und Bandverletzungen zur Anwendung kommen, gibt es noch eine zweite Rettungsoperation: die Resektion oder Entfernung der ersten Handwurzelreihe. "Diese Methode wird bei uns vor allem bei der Lunatumnekrose angewendet. Diese ist zwar selten, durch die verfeinerte Diagnostik der Magnetresonanz werden diese Fälle früher und häufiger aufgedeckt", erklärt Hintringer. Wird lediglich der abgestorbene Knochen entfernt, fällt dieses Puzzle zusammen. Es kommt zum Handgelenkskollaps. Aus diesem Grund wird die gesamte Reihe entfernt und die zweite Reihe mit dem Kopfbein auf die Speiche hinuntergestellt. Das Handgelenk wird sozusagen tiefergelegt und ein neues Gelenk gebildet. Die Langzeithaltbarkeit dieses Eingriffes ist laut Hintringer jedoch noch unbekannt. 

Ist das Radioulnargelenk blockiert, werden die Greifformen, die für die Aktivitäten des täglichen Lebens (Körperpflege) nötig sind, unmöglich. Auch hier kann eine erprobte Rettungsoperation, nämlich die Operation nach Kapandji-Sauvée, eingesetzt werden. Durch Heraussägen eines Ellenschaftteiles kann die Drehung nach Versteifung dieses Gelenkes in die Lücke des herausgenommenen Ellenteiles gelegt werden. Es wird ein Falschgelenk angelegt, das aber ganz richtig funktioniert. "Auch hier konnte in den letzten Jahren vielen verzweifelten Patienten eine Lösung ihrer Probleme angeboten werden", weiß der Experte. Und: Diese Operation ist technisch aufwendig und sollte dem Spezialisten vorbehalten bleiben.

Denervation des Handgelenkes 

Ist schließlich keine dieser Methoden anwendbar, kann noch die Denervation des Handgelenkes nach Wilhelm den Schmerz am Handgelenk erleichtern oder ausschalten. Hier werden ausgewählte Nervenäste, die nur die Handgelenkskapsel versorgen, durchtrennt. Nerven, die der Hand das Gefühl geben, werden dabei selbstverständlich geschont und sind nicht betroffen. Diese Operation ist nur in einem gewissen Prozentsatz der Fälle erfolgreich. Der Erfolg kann jedoch bereits präoperativ davor durch Einspritzen eines Betäubungsmittels auf ihre Wirksamkeit getestet werden. 

Quelle: "43. Symposium der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie", Oktober 2002, Wien. Vortrag-Videos unter www.dah.at

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