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Sofortige Brustrekonstruktion – ein Überblick der Indikationen, Techniken und Resultate

GRUNDLAGEN: Erst im letzten Jahrzehnt wurde die sofortige Brustrekonstruktion als integrierter Bestandteil der Brustkrebstherapie in Österreich akzeptiert. Dennoch ist die Einbeziehung des plastischen Chirurgen in die Erstellung des Therapiekonzeptes zum Zeitpunkt der Diagnose Brustkrebs noch lange nicht Standard. Das Ziel dieses Übersichtsartikels ist die Verbreitung der wissenschaftlichen Information, dass die Sofortrekonstruktion der Brust eine Wahlmöglichkeit für die Mehrheit der mit Brustkrebs erkrankten Frauen ist, welche sich einer kompletten Mastektomie oder einer deformierenden Teilresektion der Brustdrüse unterziehen müssen, ohne dass dadurch ein negativer Einfluss auf den späteren onkologischen Verlauf hingenommen werden muss. METHODIK: Auf Basis eines Überblickes der internationalen Literatur und eigener Studien zur Brustrekonstruktion werden die aktuellen Indikationen und Kontraindikationenzur Sofortrekonstruktion der Brust herausgearbeitet. Anhand einer prospektiven Studie der Patientinnen mit Brustrekonstruktion an der Klinischen Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik Wien während der letzten 15 Jahre wird die Evolution der Sofortrekonstruktion der Brust und ihrer operativen Techniken dargestellt. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Biologie und dem Verlauf der Tumorerkrankung, der eventuellen Interferenz mit adjuvanten Therapieformen, dem Einfluss vom Alter der Patientin, und der Wahl der operativen Technik in Abhängigkeit von der individuellen Situation geschenkt. ERGEBNISSE: Alle größeren Langzeitstudien der Lokalrezidivrate oder des Überlebens haben jeden Verdacht über negative Einflüsse der Sofortrekonstruktion auf den onkologischen Verlauf beseitigt. Deshalb sollte jeder mit Brustkrebs erkrankten Frau, die mit einer Mastektomieodereiner größeren, deformierenden Resektion der Brustdrüse konfrontiert ist, die Möglichkeit der Sofortrekonstruktion zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose angeboten werden. Diese Information muss das gesamte operative Spektrum der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie beinhalten, sei es fürdie Teilrekonstruktion bei brusterhaltender Tumorresektion im Sinne einer lokalen glandulären Mammaplastik, einer Teilrekonstruktion mit myokutaner Latissimus dorsi – Lappenplastik, oder einer Teilrekonstruktion mit einem Brustimplantat, oder sei es bei Sofortrekonstruktion nach vollständiger Entfernung des Brustdrüsengewebes meist als hauterhaltende Mastektomie im Sinne einer Rekonstruktion mit autologem Gewebe durch einen freien Unterbauch-Perforator – Lappen (DIEP – Lappen), bzw. einen gestielten oder freien queren Unterbauchlappen (TRAM – Lappen) mit Mikrogefäßanastomosen bei großer Brust, durch eine erweiterte Latissimus dorsi – Lappenplastik bei kleinerer Brust, oder einer Rekonstruktion durch submuskuläre Implantation einer Brustprothese. Die Sofortrekonstruktion mit autologem Gewebe wurde zum Verfahren der ersten Wahl, da dadurch der Problematik einer eventuellen Anwendung postoperativer Strahlentherapie bei liegender Prothese in jedem Fall aus dem Weg gegangen wird. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Patientinnen mit der Notwendigkeit einer vollständigen Entfernung der Brust oder einer deformierenden Resektion eines größeren Anteiles des Brustgewebes sollten zum Zeitpunkt der Diagnose Brustkrebs durch einen plastischen Chirurgen über das gesamte operative Spektrum der Brustrekonstruktion und besonders der Sofortrekonstruktion informiert werden, um ihnen bei Wunsch auch nicht die Möglichkeit der Sofortrekonstruktion zu verwehren.

M. Frey, K. Schrögendorfer, N. Kropf, B. Karle, W. Haslik, C. Lammer, European Surgery

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