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Jeder sechste Patient, der wegen eines Oralkarzinoms bestrahlt wird, muss mit Kieferproblemen als Nebenwirkung rechnen.
 

Bestrahlung bei Oralkarzinom

Wann Radiotherapie den Kiefer schwächt.

Trotz modernster Techniken sind Kieferprobleme heute noch gravierende Nebeneffekte einer Radiotherapie. Jeder sechste Patient, der wegen eines Oralkarzinoms bestrahlt wird, ist betroffen. Drei bis vier Prozent erleiden schwere Komplikationen, aber weitaus mehr Patienten kämpfen mit Folgen, die die Lebensqualität stark einschränken.

Zu den Komplikationen einer Radiotherapie im Kopf-Hals-Bereich zählen neben einer Osteoradionekrose auch eine Osteomyelitis, entzündliche Prozesse bzw. eine Alveolitis des Kiefers oder periradikuläre Veränderungen nach vorangegangener Wurzelbehandlung.

Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt auf der Basis der Surveillance, Epidemiology, and End Results-(SEER-)Medicare-Daten die Einflüsse untersucht, die die Entwicklung solcher Probleme begünstigen. Insgesamt 1848 Patienten im durchschnittlichen Alter von 72 Jahren wurden wegen eines Oralkarzinoms zwischen 1999 und 2007 bestrahlt und bis zu zweieinhalb Jahre beobachtet.

Bei den meisten Patienten war das Karzinom an der Zunge lokalisiert (38,6%). Insgesamt erhielten 679 Patienten u.a. eine intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT), 1169 Patienten eine konventionelle Radiotherapie.

Frauen sind stärker gefährdet als Männer

16,1 Prozent aller Krebspatienten entwickelten nach der Radiotherapie Kieferprobleme. Diese wurden bei 12,2 Prozent lediglich festgestellt, aber nicht behandelt, bei 2,2 Prozent fand eine Behandlung statt, ohne dass eine Diagnose in den Akten vermerkt war und bei 1,6 Prozent war eine Diagnose sowie ein entsprechender Eingriff vermerkt.In der multivariaten Analyse traten drei Risikofaktoren für die Entwicklung eines strahleninduzierten Kieferproblems hervor: weibliches Geschlecht, keine Chemotherapie und eine geringere Anzahl an Komorbiditäten.

So lag das Risiko bei Frauen um 29 Prozent höher als bei Männern, Patienten, die keine Chemotherapie erhielten, hatten ein um 44 Prozent höheres Risiko als solche mit Chemotherapie, und Patienten mit mindestens zwei weiteren Krankheiten trugen ein um 33Prozent niedrigeres Risiko als solche ohne Komorbiditäten, was vermutlich am kürzeren Überleben dieser Gruppe lag.

Direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Bestrahlungstechniken zeigten, dass eine IMRT nur bedingt Vorteile bietet. Die Autoren berechneten, dass sich Kieferkomplikationen zwar in den ersten drei Jahren nach einer IMRT langsamer entwickelten, danach war das Risiko allerdings ähnlich hoch wie nach konventionellen Bestrahlungstechniken.

Fazit der Autoren

Die Datenanalyse erbrachte bei den schwerwiegenden Komplikationen ähnlich hohe Raten wie bislang bekannt. Allerdings war die Quote weniger ernster Probleme, die weitgehend konservativ behandelt werden konnten, weit höher als erwartet. Deshalb, so die Autoren, sollten die Daten Anlass zu weiteren Studien geben, um betroffene Patienten angemessen beraten und mögliche Nebeneffekte der Therapie erfolgreich behandeln zu können.

basierend auf: Beadle BM et al. Evaluating the impact of patient, tumor, and treatment characteristics on the development of jaw complications in patients treated for oral cancers: a SEER-Medicare analysis. Head Neck 2012, online 14. November; doi: 10.1002/hed.23205

springermedizin.de, Zahnarzt 6/2013

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