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Abb. 1 und 2: Die morphologischen und funktionellen Informationen, die mit der Bildgebung ermittelt werden, werden durch die intensitätsmodulierte Bestrahlungstherapie (IMRT) genützt und optimal ergänzt.

Abb. 1 und 2: Die morphologischen und funktionellen Informationen, die mit der Bildgebung ermittelt werden, werden durch die intensitätsmodulierte Bestrahlungstherapie (IMRT) genützt und optimal ergänzt.

Abb. 5: Die Parametrische Bildgebung ermöglicht die Programmierung der Bestrahlung innerhalb eines Rasters, der für jedes Segment eine andere Dosierung zulässt.

© Regina Beets-Tan

Abb. 3 und 4: Dose-Painting ermöglicht, die Strahlenleistung möglichst intensiv nur in das Zielgebiet einzubringen und das gesunde Gewebe zu schonen. (5)

© Regina Beets-Tan

Abb. 3 und 4: Dose-Painting ermöglicht, die Strahlenleistung möglichst intensiv nur in das Zielgebiet einzubringen und das gesunde Gewebe zu schonen. (5)

 

Ein Blick auf die Molekularebene

Die Radiologie liefert wesentliche Grundlagen für die personalisierte Medizin.

Sowohl in der frühzeitigen Diagnose als auch in die Auswahl und Überwachung der Therapie hat sich die Radiologie einen unverzichtbaren Platz geschaffen. Bildgebende Verfahren sind in der Lage, bis in die Molekularebene vorzudringen, können Abläufe darstellen und ermöglichen damit individuelle Behandlungslösungen, die besser wirksam sind und dem Patienten unnötige Nebenwirkungen ersparen. Optimale Nutzung, die Kombination verschiedener Methoden, aber auch die Umsetzung in die klinische Praxis standen beim diesjährigen Europäischen Radiologenkongress vom 6. bis 11. März in Wien zur Diskussion.

Die personalisierte Medizin, die auf die ganz individuellen Gegebenheiten des jeweiligen Patienten und seiner Erkrankung abgestimmt ist, gilt derzeit als ideale Zielvorstellung – weg vom System des Krankheitsmanagements hin zum Patientenmanagement: „Die richtige Behandlung für den richtigen Patienten zur richtigen Zeit“, fasste Prof. Gabriel P. Krestin, Präsident der Europäischen Radiologiegesellschaft (ESR) bei der Präsentation der Highlights des Kongresses zusammen. Die Personalisierung werde dabei von der Prävention bis zur Nachbehandlung zum Tragen kommen und die Bildgebung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Zahlreiche biologische Veränderungen und Biomarker können identifiziert und gemessen werden, häufig bevor Symptome auftreten, womit der Ausbruch der Erkrankung möglicherweise rechtzeitig verhindert werden kann. Beispiele sind etwa onkologische Erkrankungen aber auch Herz-Kreislauf- und neurologische Erkrankungen.

Bildgebende Verfahren ermöglichen auch wie keine andere Methode die genaue Lokalisierung und Quantifizierung der Erkrankung, die Erkennung möglicherweise anderer betroffener Areale und Durchblutung, Stoffwechsel und Diffusion innerhalb des erkrankten Gewebes. „Derartige Informationen“, so Krestin „können für eine präzise Auswahl, Steuerung und Überwachung der Behandlung verwendet werden.“ Allerdings sei es notwendig, das Bewusstsein für die wichtige Rolle der Bildgebenden Verfahren in der modernen Medizin zu heben.

Gemeinsam noch stärker: Strahlentherapie und Radiologie

Als eigenständige Fachrichtung steht die Strahlentherapie in enger Kooperation mit der Radiologie, die, so Prof. Regina-Beets-Tan von der Maastricht Universität, zu einer noch nie da gewesenen Effizienz der neuen Methoden geführt hat. Die morphologischen und funktionellen Informationen, die mit der Bildgebung ermittelt werden, werden durch die intensitätsmodulierte Bestrahlungstherapie (IMRT) - siehe Abbildung 1 und 2 – und das Dose-Painting (Abbildung 3 und 4) genützt und optimal ergänzt. Dabei geht es vor allem darum, die Strahlenleistung möglichst intensiv nur in das Zielgebiet einzubringen und das gesunde Gewebe zu schonen. Erreicht wird dies durch die nun mögliche abgestufte Dosierung der Strahlung je nach Bedarf der unterschiedlichen Areale – dem Tumor selbst, der Sicherheitsabstand im tumorumgebenden Gewebe und Regionen, die ein erhöhtes Risiko aufweisen. Parametrische Bildgebung (parametric imaging, Abbildung 5) ermöglicht die Programmierung der Bestrahlung innerhalb eines Rasters, der für jedes Segment eine andere Dosierung zulässt. Der Nutzen für den Patienten ist klar: höchste Wirksamkeit mit geringst möglichen Nebenwirkungen. Damit orientieren sich die beiden stark Technik ausgerichteten Disziplinen gleichzeitig verstärkt am Patienten, so Beets-Tan. Die weiter verbesserte Zusammenarbeit zwischen den beiden Fächern müsse vorangetrieben werden.

Nutzen und Möglichkeiten von PET-MRT

Der Aspekt der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fächern und Berufsgruppen wird in der Radiologie schon seit geraumer Zeit immer wieder betont. Im diagnostischen und therapeutischen Netzwerk stellt der Radiologe ein wesentliches Bindeglied dar. Zusätzliche Informationen müssen jeweils im interdisziplinären Board auf der Grundlage der bisherigen Erkenntnisse hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise entschieden werden. Mit der Kombination des Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der Magnetresonanztomographie (MRT) in einer Einheit können noch exaktere morphologische und funktionelle Informationen gewonnen werden als mit der Kombination PET-CT. Die Kombination von PET und MRT kann beispielsweise, so Prof. Heinz-Peter Schlemmer, Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, die Tumorerkennung verbessern, weil die Läsion sowohl auf dem morphologischen als auch auf dem metabolischen Bild mit einer noch nie da gewesenen Sensitivität zu sehen ist. Ganzkörper PET-MRTs sind bereits kommerziell erhältlich und eignen sich, so Schlemmer, besonders für neurologische, kardiovaskuläre und onkologische Fragestellungen. Allerdings müsse genau betrachtet werden, wieweit diese Methode im klinischen Alltag relevant ist. Denn: Die Verfügbarkeit ist derzeit noch sehr eingeschränkt und die Methode sehr kostenintensiv. Demgegenüber stehen Untersuchungen, wonach sich in 64 Prozent der Fälle die Therapie durch Erkenntnisse aus MR und PET-CT ändert. Der Ersatz des CT durch die MRT in der Kombination mit PET wäre für den Patienten jedenfalls schonender, da sich damit die Strahlenbelastung reduziert. Der klinische Vorteil sei gegeben, so Schlemmer: „Wir glauben, dass die Methode wertvoll für den Patienten ist.“

Am Flughafen ersetzt Mikrowelle die Röntgenstrahlung

Das Thema Strahlenbelastung stand auch im Zusammenhang mit den Sicherheitsscannern vor allem im Bereich der Flughäfen auf dem Programm des diesjährigen 25. ECR in Wien: So hat die EU jüngst die Röntgenscanner verboten, die nun durch andere Scanner mit nicht-ionisierenden Mikrowellen ersetzt werden. Allerdings ist selbst bei den Röntgenscannern die Dosis derart gering, dass sie vergleichbar ist mit zwei Minuten in einem Flugzeug in Reisehöhe. Die biologischen Auswirkungen sind dennoch unbekannt. Die Skepsis gegenüber den Röntgenscannern, die die menschliche Körperoberfläche sehr detailgenau darstellen, bezieht sich jedoch nicht nur auf die Strahlenbelastung, sondern vor allem auch auf die Verletzung der Privatsphäre. Darüber hinaus benötigen sie mehr Zeit als die nicht-ionisierenden Scangeräte auf Mikrowellenbasis. Auf kleineren Flughäfen in den USA werden die Röntgenscanner allerdings noch einige Zeit im Einsatz sein, stellte Prof. Peter Vock, Abteilung für Radiologische Diagnostik am Universitätsspital Bern, fest.

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des 25. Europaen Congress Radiology (ECR) 2013, 7. März 2013, Wien

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