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Erfolgreiche Behandlung einer Osteosynthese-Infektion durch Enterococcus faecium nach multiplen offenen Beinfrakturen

GRUNDLAGEN: Infektionen von alloplastischem Material werden meist durch Staphylokokken verursacht. Enterokokken sind selten Auslöser von Infektionen nach osteosynthetischen Verfahren. Enterococcus faecium ist gegen viele Antibiotika resistent; Glycopeptide sind Mittel der Wahl. METHODIK: Wir berichten über einen 41-jährigen Mann, welcher im Rahmen eines Arbeitsunfalls eine drittgradig offene Quetschverletzung mit Kettenfrakturen des rechten Femurschaftes, medialen Femurkondylen, der distalen Tibia, des Mittelfußes und der Zehen erlitt. ERGEBNISSE: Die Erstversorgung umfasste das Stabilisieren der Brüche mittels Fixateur externe, Fasziotomie und Debridement der Wunden und Applikation eines VAC-Systems. Am dritten posttraumatischen Tag wurde der Oberschenkelbruch osteosynthetisch durch eine LISS-Platte versorgt. Erneut wurden Gewebsnekrosen debridiert und das VAC-System gewechselt. Nach vier Wochen wurde die Haut mit einem Meshgraft-Autotransplantat gedeckt. Während der siebenten Woche kam es zu einem Ausriss der LISS-Platte, und ein neues System musste implantiert werden. Aus nekrotischem Gewebe im Bereich der Ausrissstelle wurde Enterococcus faecium isoliert. Eine Behandlung mit intravenösem Vancomycin wurde begonnen. Der Patient musste sich zwei weiteren chirurgischen Eingriffen mit Debridement von Nekrosen und Implantation von autologer Spongiosa und BMP 7 unterziehen. Die antibiotische Therapie wurde mit Linezolid p.o. für weitere sechs Wochen fortgeführt. Der Fixateur externe konnte entfernt werden und der Patient tolerierte moderate mechanische Belastung gut. Nach neun Wochen zeigten Röntgen und CT einen weitgehend regenerierten Oberschenkelknochen und ein gutes Ergebnis im Bereich des Sprunggelenkes. Sechs Monate im Anschluss an das komplizierte Trauma war der Patient wieder im Stande, ohne Hilfe zu gehen, und es gab keinen Hinweis für eine Neuinfektion. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die multimodale Vorgehensweise mit schrittweiser Rekonstruktion der schweren Weichteilschädigung als auch der knöchernen Verletzungen erlaubte eine Wiederherstellung mit einem guten funktionellen und kosmetischem Ergebnis. Linezolid erwies sich als effektives Antibiotikum in der oralen Therapie dieser schweren Enterokokkeninfektion.

W. Tabarelli, H. Bonatti, G. Hartmann, K. Benedetto, O. Naumann, European Surgery 2/2009

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