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Chirurgische Behandlung von Schilddrüsenkarzinomen

GRUNDLAGEN: Das Schilddrüsenkarzinom nimmt seinen Ursprung üblicher Weise in den Follikelzellen, das medulläre Karzinom hingegen entstammt den parafollikulären C-Zellen. Die jährliche Inzidenz an Schilddrüsenkrebsneuerkrankungen schwankt je nach Bundesland in Österreich zwischen 3 und 7 auf 100.000 Bewohner und stellt 1,36 % aller malignen Tumore dar. METHODIK: Die gegenwärtige chirurgische Behandlung wird mit spezieller Beachtung der endemischen Epidemiologie wiedergegeben. ERGEBNISSE: Vier verschiedene histologische Gruppen von aus den Follikelzellen abstammenden Krebsformen werden beschrieben, etwa zwei Drittel sind papilläre, ein Drittel sind follikuläre, einige sind oxyphile Karzinome und das anaplastische Karzinom ist mittlerweile selten geworden. Die ersten drei Arten werden als differenzierte Schilddrüsenkarzinome zusammengefasst. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom ist selten und stellt nur 6–7 % aller Schilddrüsenkarzinome dar, wobei davon etwa 75 % sporadisch und 25 % hereditär sind. Es gibt keine prospektiven, randomisierten Studien, um das "optimale Behandlungskonzept" der verschiedenen Schilddrüsenkarzinome abzuleiten. Die "verunglückte TNM-Klassifikation" in seiner 6. Auflage ruiniert wieder alle Langzeitstudien, da die fünfte und sechste Auflage nur im Abstand von fünf Jahren erschienen und die Klassifikationen nicht vergleichbar sind. Zumindest in Endemiegebieten soll die Chirurgie et-was radikaler sein, da offensichtlich sowohl die Tumorbiologie aggressiver ist, wie auch die Patienten vornehmlich in den höheren Risikogruppen sind. Daher ist die totale Thyreoidektomie die Operation der Wahl bei prä- oder intraoperativ diagnostizierten differenzierten oder medullären Schilddrüsenkarzinomen. Weniger radikale Chirurgie sollte nur bei Tumoren unter 10 mm ohne offensichtliche Mutizentrizität durchgeführt werden. Die zentrale Halsdis-sektion ist verpflichtend bei allen pre- oder intraoperativ diagnostizierten Karzinomen. Wenn ein klinischer oder pathologischer Hinweis für Lymphknotenmetatstasen im zentralen Hals gegeben ist, sollte eine laterale Halsdissektion angeschlossen werden. Nur bei Patienten mit okkultem oder zufällig entdeckten papillären Karzinom unter 10 mm kann auf eine komplettierende Thyreoidektomie und Lymphknotendissektion verzichtet werden. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Da es keine kontrollierten, randomisierten Studien gibt, ist die Erstellung von Leitlinien schwierig, speziell, wo Ergebnisse von Studien aus anderen Teilen der Welt nicht unbedingt auf Endemiegebiete wie Österreich übertragbar sind. Aber es herrscht weitgehende Übereinstimmung, dass bei Patienten mit differenzierten und medullären Karzinomen generell eine totale Thyreoidektomie mit adäquater Lymphknotendissektion durchgeführt werden sollte. Üblicher Weise können Patienten nach diesen Eingriffen nach 2 bis 3 Tagen nach Hause entlassen werden, die Morbidität bezogen auf die Recurrensparese und den postoperativen Hypoparathyreoidismus ist gering, wenn der Eingriff von einem erfahrenen Schilddrüsenchirurgen durchgeführt wird. Da ein Alter über 45 Jahren und die zunehmende Tumorgröße bei den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen eine schlechte Prognose anzeigen, bedarf es neuerer Wege der Diagnostik, um eine frühere Behandlung einzuleiten. Die hereditären Formen des medullären Schilddrüsenkarzinoms sollten nur in multidisziplinären Studiengruppen gemäß dem genetischen Risiko behandelt werden.

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