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Foto: Österreichische Gesellschaft für Nuklearmedizin
Die PET/CT-Diagnostik hilft, unnötige Operationen zu vermeiden.
Foto: Archiv

Prof. Dr. Michael Studnicka Vorstand der Universitätsklinik für Pneumologie, Salzburg

 

Lungenkrebs wirksam bekämpfen

PET/CT macht Tumor-Therapie effektiver und vermindert die Strahlenbelastung.

Lungenkrebs fordert in Österreich jedes Jahr mehrere Tausend Opfer. Europaweit gehört er zu den häufigsten und gefährlichsten Tumorerkrankungen. PET/CT ermöglicht eine gezieltere und wirksamere Bekämpfung als bisher. Die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet waren Thema auf dem Kongress der European Association of Nuclear Medicine (EANM) im Oktober in Wien.

 

Laut der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin (ÖGN) erkranken jährlich knapp 4.000 Österreicher an Lungenkrebs, 3.400 sterben pro Jahr daran. Zwei Drittel der Lungenkrebspatienten sind Männer. Der Trend der vergangenen Jahre zeigt aber bei ihnen einen deutlichen Rückgang und dagegen einen Zuwachs bei Frauen. „Damit folgt die Erkrankungsrate mit einer etwa 20-jährigen Verzögerung dem veränderten Rauchverhalten der Bevölkerung. Da in Österreich der Einstieg in das Zigarettenrauchen schon in sehr jungen Jahren stattfindet, ist zu befürchten, dass auch die an Lungenkrebs erkrankten Patienten zunehmend jünger werden“, betont Prof. Dr. Michael Studnicka, Vorstand der Universitätsklinik für Pneumologie in Salzburg. Europaweit ist der Lungen- und Bronchialkrebs die häufigste tumorbedingte Todesursache bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen.

Patienten profitieren von PET/CT

Bislang sind die Überlebensprognosen ungünstig: Die allermeisten Patienten sterben innerhalb von fünf Jahren, nachdem das Lungenkarzinom festgestellt wurde. Trotzdem gibt es bei der Diagnose und der Therapie mittlerweile beachtliche Fortschritte zu verzeichnen. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Kombination der Positronen-Emissionstomographie mit der Computertomographie (PET/CT). Dabei liefert die CT vor allem anatomische Informationen, während die PET gestörte Körperfunktionen sichtbar macht. Das geschieht, indem dem Patienten schwach radioaktiv markierter Traubenzucker injiziert wird. Wenn diese Substanzen zerfallen, entsteht im Körper Gammastrahlung. Da tumorbefallene Zellen einen erhöhten Traubenzuckerverbrauch aufweisen, lassen sie sich gegenüber gesundem Gewebe präzise abgrenzen und auf dem Computermonitor darstellen.

Die großen Chancen, die die PET/CT für den Patienten eröffnet, wurden auf dem EANM-Kongress in Wien ebenso thematisiert wie die Kostenentlastungen, die sie dem Gesundheitssystem beschert. Insbesondere die Diagnostik und Behandlung des Lungenkrebses profitieren von dieser bildgebenden Technik. „Die PET/CT ermöglicht, sehr kleine Lungenrundherde – mit einem Durchmesser von ein bis drei Zentimetern – besser auf ihre Bösartigkeit hin zu beurteilen. Das ist ein wichtiger diagnostischer Schritt, denn diese runden oder ovalen Gewebeknoten können einen Lungenkrebs im Frühstadium anzeigen“, erläutert Studnicka.

Erhöhte Zielgenauigkeit

Durch die PET/CT lässt sich auch mit höherer Sicherheit feststellen, ob Lymphdrüsen in der Nähe des Tumors befallen sind. Zudem kommt es bei Lungentumoren vor, dass bei einem Verschluss der zuführenden Atemwege der nachgeschaltete Teil der Lunge nicht mehr belüftet wird und in sich zusammenfällt (Atelektase). Mit der Computertomographie allein lassen sich solche kollabierten Lungenabschnitte häufig nicht vom eigentlichen Tumor unterscheiden. Auf den PET-Bildern jedoch lassen sich Tumoren und gesundes Gewebe gut voneinander abheben, sodass die Bestrahlung gezielter eingesetzt werden kann. Das erhöht die Wirkung und reduziert gleichzeitig die Strahlenbelastung für die Patienten, die beispielsweise Lungen- oder Schleimhautentzündungen hervorrufen kann. Außerdem hilft die PET/CT-Diagnostik des Lungenkrebses, unnötige Operationen zu vermeiden. „Der Patient erhält eine Behandlung, die exakt auf seine Erkrankung abgestimmt ist. So führt der Einsatz des PET/CT auch zu einer deutlichen Kostenersparnis im Gesundheitswesen“, betont Studnicka.

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