zur Navigation zum Inhalt
 

Blutverbrauch in Österreich

In der Feldstudie Maßnahmen zur Optimierung des Verbrauchs von Blutkomponenten bei ausgewählten operativen Eingriffen in österreichischen Krankenanstalten zeigten Vergleiche teils erhebliche Fehlallokationen.

Bei rund 20 Prozent aller Patienten und Patientinnen bestand eine präoperative Blutarmut, die unbehandelt blieb. Diese Patienten erhielten doppelt soviel Bluttransfusionen wie nicht anämische Patienten.
Es besteht bei Standardoperationen eine hohe Variabilität im berechneten perioperativen Blutverlust. Dies lässt auf unterschiedliche chirurgische Technik in einzelnen Zentren schließen.
Hohe Variabilität im Fremdblutverbrauch zwischen den Zentren weist auf extrem unterschiedliches Transfusionsverhalten hin. Die vergleichbare Komplikationsrate, verbunden mit einem hohen Transfusionstrigger (niedrigster gemessener Hämoglobinwert als Surrogatmarker), weist auf allzu liberalen Umgang in den Zentren bei der Indikationsstellung zur Bluttransfusion hin.

Nicht verwendetes Spenderblut

Etwa zwei Drittel der bereitgestellten Konserven wurden nicht transfundiert und bis zu 60 Prozent der tatsächlich verabreichten Blutkonserven waren gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften nicht indiziert.
Dieser Mehrverbrauch lässt sich auf ganz Österreich umlegen. Insgesamt liegt laut Vergleichsdaten des Council of Europe Österreich mit einem jährlichen Verbrauch von 54,7 Fremdbluttransfusionen pro 1.000 Einwohner an dritter Stelle in Europa (Dänemark 70,8, Griechenland 57,1). Im Vergleich zu den Niederlanden sind das 45 Prozent Mehrverbrauch, zu Frankreich (32,4 Transfusionen pro 1.000 Einwohner) sogar 69 Prozent Mehrverbrauch.
Fremdbluttransfusionen sind nicht nur – wie von den Blutspendeeinrichtungen immer wieder propagiert – zur Rettung und Erhaltung von Leben notwendig, sondern können bei nicht indizierter Verwendung beträchtliche Nachteile wie erhöhte Infektionsrate und verlängerter Spitalsaufenthalt mit sich bringen. Ein optimaler Einsatz der biologischen Ressource Fremdblut würde demnach nicht nur den Krankheitsverlauf verbessern, sondern auch zu beträchtlichen Einsparungen im ohnehin knappen Gesundheitsbudget führen. Die Kosten pro Transfusion sind auch deutlich höher zu bemessen als die eines Blutbeutels, den die einzelnen Spendezentren in Österreich derzeit mit 96 Euro bis 137 Euro den Spitälern verrechnen. Der eigentlichen Transfusionsepisode sind weitere kostenintensive Leistungen vor- und nachgelagert (ärztliche Aufklärung über Risiken, Blutgruppen- und Antigen-Bestimmungen, Antikörperidentifikation, Kreuzproben, Behandlung von Transfusionsreaktionen etc.).

Zu hohe Kosten

Zusätzlich wird besonders im chirurgischen Bereich eine große Anzahl transfusionsvorbereitender Maßnahmen (Bereitstellung nicht benötigter Konserven) durchgeführt, die in vielen Fällen letztlich nicht zu Transfusionen führen, die aber kostenrechnerisch den Transfusionskosten zuzurechnen sind. In einer Kostenanalyse eines österreichischen 1.000-Betten-Krankenhauses betrug der Laborkostenanteil immerhin ein Drittel der gesamten Transfusionskosten.
Empfehlungen zur Transfusion von Blutprodukten sind seit vielen Jahren publiziert. Wie u. a. die österreichische Untersuchung zeigt, werden diese in den Krankenhäusern aber kaum oder gar nicht umgesetzt. Es ist also im Hinblick auf die Patientenversorgung und das Gesundheitsbudget dringend notwendig, seitens der Gesundheitsbehörden und der Fachgesellschaften eine Implementierung dieser Empfehlungen für optimalen Einsatz von Blutprodukten zu bewirken.

Quelle: Gombotz H et al. (2007) Blood Use in elective surgery: the Austrian benchmark study. Tranfusion 47: 1468-80

Prof. Dr. Hans Gombotz und Dr. Axel Hofmann,
Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am AKH Linz

Der Originalbeitrag erschien im Newsletter des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment (LBI-HTA)
HTA-Newsletter März 2008/Nr. 65 http://hta.lbg.ac.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben