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Neurologie 8. Oktober 2008

Spiegel hilft bei Lähmung

Eine simple Therapie lässt Körperteile, die nach einem Schlaganfall gelähmt sind, wieder rascher beweglich werden. Einziges Requisit ist ein Spiegel, der so zur Körpermitte des Patienten hin aufgestellt wird, dass er statt des geschädigten Arms oder Beins die gesunde Extremität zweimal sieht.

Die konventionelle Therapie bei halbseitigen Lähmungen konzentriert sich auf aktive und passive Bewegungsübungen der geschädigten Körperhälfte. Die sogenannte Spiegeltherapie hingegen greift auf das stimulierende Potenzial visueller Eindrücke zurück: In der Körpermitte des Patienten wird ein Spiegel so platziert, dass Bewegungen der gesunden Körperhälfte für ihn so aussehen, als würde sich die gelähmte Körperhälfte normal mitbewegen. Eine neue Studie zeigt nun, dass diese optische Illusion auf das Gehirn stimulierender wirkt und die Motorik der kranken Körperhälfte deutlich stärker verbessert als die direkte Stimulation der gelähmten Gliedmaßen, wie Prof. Dr. Kazu Amimoto von der Tokyo Metropolitan University auf dem 6. Welt-Schlaganfall-Kongress in Wien berichtete.

Beschleunigte Bewegung

An 14 Patienten mit chronischer halbseitiger Lähmung nach Schlaganfall wurde untersucht, inwiefern die Spiegeltherapie im Vergleich zur herkömmlichen Therapie in der Lage ist, die für die Durchführung einer Beglichkeitsübung benötigte Zeit zu verkürzen, wobei auch der Beugungswinkel des betroffenen Fußgelenks gemessen wurde. Die direkte Behandlung der gelähmten Beine brachte eine Vergrößerung des Beugewinkels um 0,8 Grad, aber keine Beschleunigung, also keine signifikante Besserung. Die optische Illusion der sich scheinbar mitbewegenden gelähmten Beine jedoch ergab eine Beschleunigung der Bewegung um mehr als 12 Prozent, was einer Verringerung von 3,19 auf 2,80 Sekunden entspricht.
Die Vorstellung scheint also tendenziell tatsächlich medizinische Wirklichkeit zu schaffen. „Wenn derartige Veränderungen allein durch den visuellen Input von Bewegungen hervorgerufen werden können, liegt es nahe, dass der kognitive Aspekt in der motorischen Rehabilitation eine viel größere Bedeutung hat als bisher angenommen“, zog Prof. Dr. Amimoto Bilanz.

Spiegel bei Phantomschmerzen

Die Spiegeltherapie wird bereits nach Amputationen entfernter Gliedmaßen zur Behandlung von Phantomschmerzen eingesetzt (die Ärzte Woche berichtete). Die Missempfindungen und Schmerzen beruhen darauf, dass im Gehirn ein Abbild des ganzen Körpers abgelegt ist, wo die Empfindungen aus den Körperteilen verarbeitet werden. Kommen diese Eingangssignale abhanden, werden sie im Gehirn durch Schmerzsignale ersetzt. Der Input über die Augen kompensiert die fehlenden Eingangssignale teilweise.

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