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Neurologie 19. Juni 2008

Neues aus Nizza

Beim 18. Meeting der European Neurological Society präsentierten internationale Experten die wichtigsten Trends in der neurologischen Forschung.

Ein neues Computerprogramm zur Gehirn-Stimulation steigert die geistige Leistungsfähigkeit älterer Menschen. Dieses Ergebnis einer Pilotstudie präsentierte die Psychologin Dr. Iris Katharina Penner von der Universität Basel. Das Programm zielt darauf ab, Defizite in den Bereichen Denkgeschwindigkeit, Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis im Alter nicht nur durch Medikamente, sondern auch durch die therapeutische Nutzung der Neuroplastizität auszugleichen.

Training gegen Vergesslichkeit

In der Pilotstudie wurden neun gesunde, durchschnittlich 70 Jahre alte Probanden untersucht, wie sie sich auf einem Stadtplan orientierten, sich Zahlen und Bilder merkten und gestellte Aufgaben nach Unterbrechungen weiterführten. Anfangs wurde noch ein steiler Anstieg der kognitiven Leistungen verzeichnet, der später zwar flacher wurde, sich aber fortsetzte.

Falsche Migräne-Therapie

Die Therapie chronischer Schmerzen gehört in die Hände von Spezialisten. Dies ist die Schlussfolgerung einer Fallstudie, die ein griechisches Ärzteteam um die Neurologin Dr. E. Nikolakaki präsentierte. Eine 40-jährige Patientin, bei der im Alter von 20 Jahren erstmals Migräne aufgetreten war, war jahrelang mit mehreren Medikamenten behandelt worden, deren gleichzeitige Einnahme kontraindiziert ist. Die Folge waren Schädigungen wichtiger Arterien, Durchblutungsstörungen und sogar Gehirnschäden infolge von Mangeldurchblutung. Später wurde die bisherige Medikation abgesetzt. Stattdessen erhielt die Patientin Naproxon, Topiramat und Amitryptilin. Eine Woche später konnte die Patientin das Krankenhaus schmerzfrei verlassen. Bei der Nachuntersuchung fünf Monate später erwähnte sie nur seltene, mild verlaufende Migräneanfälle, die auf Naproxen ansprachen. Die Blutversorgung der Extremitäten hatte sich deutlich verbessert.

Bauchfett und Tragödien

Bei der Körperfülle ist es nicht bloß das Gewicht, sondern vor allem der Bauchumfang, der das Risiko erhöht. In der groß angelegten Mannheim Heidelberg Stroke Study wurden 379 Schlaganfallpatienten mit einer doppelt so großen Kontrollgruppe unter anderem hinsichtlich des Risikofaktors Übergewicht verglichen. Dabei zeigte sich, dass der Body Mass Index BMI keine selbständige Aussagekraft besitzt. Eine signifikante Assoziation bilden hingegen der Bauchumfang, das Verhältnis zwischen Bauch- und Hüftumfang sowie das Verhältnis zwischen Bauchumfang und Körpergröße.
Übergewicht und persönliche Tragödien stehen schon lange im Verdacht, Schlaganfälle zu begünstigen. Die ägyptischen Neurologen Dr. Aymen Nasef und Dr. Afaf Abdelsamee von der Ain Shams Universität Kairo stellten dazu Ergebnisse vor: Unter den Schicksalsschlägen sind es vor allem solche, die mit Gefühlen von Erniedrigung und Ausgeliefertsein einhergehen, die zum gesundheitlichen Risiko werden. In den Biografien von 60 Schlaganfallpatienten waren solche Erfahrungen in den sechs Monaten vor dem Schlaganfall wesentlich häufiger eingetreten als in der Kontrollgruppe.

Herzberger, Ärzte Woche 25/2008

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