zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 1. September 2006

Neurosarkoidose – ein Irrtum mit Konsequenzen

Die Neurosarkoidose stellt in Abwesenheit anderer Organmanifestationen ein diagnostisches Problem dar. Ein 64-jähriger Patient litt seit 1995 an einer Querschnittsläsion in der Höhe von Th8, welche aufgrund computertomographischer Aufnahmen auf einen Myeloninfarkt zurückgeführt wurde. Sechs Jahre später traten Parästhesien im Bereich der unteren Extremität auf. Mittels Magnetresonanztomographie konnte ein knotiges, meningeales Enhancement nachgewiesen werden, welches zur präsumptiven Diagnose sekundärblastomatöser Veränderungen führte. Im Rahmen der Primärtumorsuche wurde eine Computertomographie der Thoraxorgane mit dem Ergebnis einer mediastinalen und hilären Lymphadenopathie veranlasst. Im Rahmen einer Bronchoskopie in Allgemeinanästhesie wurden eine bronchoalveoläre Lavage (BAL) und eine Lymphknotenbiopsie mit der starren Nadel durchgeführt. Die Ergebnisse der Zellverteilung der BAL-Flüssigkeit mit 39% Lymphozyten und einer CD4+/CD8+ Ratio von 17,7 und der Lymphknotenbiopsien mit nicht nekrotisierenden, epitheloidzelligen Granulomen mit Riesenzellen vom Langhanstyp entsprachen dem Bild einer Sarkoidose. Der Liquor wies eine Eiweißvermehrung sowie eine Pleozytose mit 17 666 Zellen/l auf. 81,4% der 9 250 Lymphozyten/l waren CD4+ Lymphozyten, die CD4+/CD8+ Ratio lag bei 10,78. Diese Befundkonstellation lies die Diagnose einer Neurosarkoidose zu. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung einer Neurosarkoidose und entsprechender Therapie wäre die Querschnittsläsion möglicherweise vermeidbar gewesen.

Irene Kapfhammer, Christine Armbruster, Christian Armbruster, Wiener klinische Wochenschrift

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben