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Neurologie 27. Mai 2008

Die Schaltzentrale intakt halten

Zu Hoffnung Anlass gebende neue Therapeutika, innovative Ansätze in der Betreuung und im Umgang mit Patienten und Neuigkeiten aus der Grundlagenforschung wurden auf den fünften BrainDays Anfang Mai im burgenländischen Rust präsentiert.

Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Programms der BrainDays, die heuer zum fünften Mal stattfanden, standen auch in diesem Jahr Erkrankungen des alternden Gehirns und Nervensystems: Alzheimer, Schlaganfall, Parkinson und chronische Schmerzkrankheiten. Kein Wunder: Diese Krankheiten sind es, die mit fortschreitendem Alter eine dramatische Zunahme der Häufigkeit verzeichnen. Und so sind auch die meisten der an den BrainDays teilnehmenden Ärzte in ihrer täglichen Praxis primär mit geriatrischen Krankheitsbildern beschäftigt.
Rund 100.000 Menschen leiden zurzeit in Österreich an einer demenziellen Erkrankung, die mit fortschreitendem Alter umso eher ausbricht. 35.000 waren es im Jahr 1951, einer Berechnung der psychiatrischen Universitätsklinik am Wiener AKH zufolge wird sich die Zahl aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung im Jahr 2050 auf 230.000 erhöhen. 60 Prozent davon werden Alzheimerkranke sein, ein Fünftel wird an vaskulärer Demenz leiden. Gleichermaßen gilt: Die Alltagskompetenz ist – nach und nach immer mehr – eingeschränkt, Betreuungs- bzw. Pflegebedarf gegeben.
„Die steigenden Pflegekosten werden zu einem wesentlichen Teil durch neurologische Erkrankungen, insbesondere Demenzen und Durchblutungsstörungen des Gehirns mit verursacht“, betonte der Neurologe und Kongressleiter Dr. Andreas Winkler, Vorstand der Abteilung für Neurogeriatrie am Haus der Barmherzigkeit in Wien.

Hoher Pflegeaufwand

So müssen allein für Demenzerkrankungen rund 14.000 Euro pro Patient und Jahr aufgebracht werden. Nur ein Viertel davon entfällt auf medizinische Kosten. Den Großteil machen Betreuungskosten aus, wobei der Pflegeaufwand heute noch in hohem Ausmaß von Familienangehörigen – und da hauptsächlich von den Frauen – erbracht wird.
„Die Politik ist gefordert“, sagte Sozialminister Dr. Erwin Buchinger in diesem Zusammenhang. „Ich habe umfangreiche Unterstützungsangebote für Menschen mit demenziellen Erkrankungen und deren pflegende Angehörige auf den Weg gebracht.“ Diese Angebote beinhalten finanzielle Zuschüsse für eine Ersatzpflegeperson, mobile Demenzteams sollen zudem Angehörige direkt zu Hause beraten und unterstützen. Eine Novelle des Bundespflegegeldgesetzes soll zudem Verbesserungen in der Pflegegeldeinstufung und damit mehr Geld für die Betroffenen bringen. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der Entwurf zu dieser Novelle allerdings noch nicht in Begutachtung. Derweil kam die Idee eines eigenen Pflegefonds zur Finanzierung auf.

Zu Hause am sichersten

Auf den BrainDays im burgenländischen Rust diskutiert wurden auch die Ergebnisse einer großen internationalen Erhebung von Alzheimer’s Disease International (ADI) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Darin wurden erstmals neben den pflegenden Angehörigen auch die Patienten befragt. Mehr als 80 Prozent der Alzheimer-Kranken, so zeigte die Erhebung, haben Freude am Leben, und über 90 Prozent fühlen sich zu Hause sicher und geborgen. Dabei ist die Fortführung sozialer Aktivitäten mit Freunden und in der Familie für Patienten und Angehörige gleichermaßen wertvoll und wichtig.
Der Wunsch nach mehr Information über die Krankheit wurde von beiden Gruppen, Patienten und Angehörigen, geäußert. Was die antidementive Medikation betrifft, so sind bei Patienten, die unter leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz leiden, sowie bei deren Angehörigen naturgemäß die Arzneimittel mit einem unkomplizierten Dosierungsschema und einfacher Anwendung am beliebtesten.

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 22/2008

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