zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 2. Juli 2008

Ginkgo biloba bei Demenz

Der Pflanzenextrakt von Ginkgo biloba, der von geschätzten zehn Prozent der Demenz-Patienten geschluckt wird, bietet keine wirksame Hilfe gegen diese Krankheit. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Imperial College London über Ginkgo biloba gekommen.
Ginkgo wird häufig als gedächtnisverbessernd vermarktet. Wie die Studienautoren um Dr. Robert McCarney vorausschicken, ist die Substanz ein relativ günstiger Hoffnungsträger gegenüber teureren Cholinesterase-Inhibitoren. Daher wollten sie Wirksamkeit und Sicherheit von Ginkgo-Präparaten in Frühstadien der Demenz untersuchen. Frühere Studien hatten sich hauptsächlich auf Patienten in Pflegeheimen und Spitälern konzentriert, was auch hieß, dass die Probandinnen und Probanden in der Regel Demenz in einem fortgeschrittenen Stadium hatten.
In der nun berichteten Studie suchte man daher Betroffene, deren Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten war, und die noch zu Hause betreut werden konnten. Bei einem sechs Monate dauernden Test mit 176 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz konnten jedoch keine Unterschiede zwischen jenen Teilnehmern festgestellt werden, die Ginkgo eingenommen hatten, und jenen, die ein Placebo erhalten hatten. Die Studie wurden im International Journal of Geriatric Psychiatry (doi: 10.1002/gps.2055) veröffentlicht.
Die Wissenschaftler testeten eine tägliche Dosis von 120 Milligramm Ginkgo biloba bei Patienten, die in Londoner Praxen zur Teilnahme eingeladen worden waren. Die kognitiven Fähigkeiten und die Lebensqualität wurden nach zwei, vier und sechs Monaten ermittelt. Zu den durchgeführten Tests gehörten Aufgaben wie das Erinnern von Wörtern aus dem Gedächtnis oder das Beantworten zu Fragen nach Zeit und nach Orten.
Es gab allerding keinen Hinweis darauf, dass die Standarddosierung des Pflanzenextraktes eine positive Wirkung auf das Gedächtnis hatte.
Auch die von den Patienten oder ihren Pflegern gemeldete Lebensqualität veränderte sich während der Studie nicht.
Eine im Jahr 2002 veröffentlichte Cochrane Review, die alle relevanten Daten berücksichtigt hatte, war davon ausgegangen, dass es eine geringe positive Auswirkung auf das Erinnerungsvermögen von Demenz-Patienten geben könnte. Das Team um Robert McCarney argumentiert jedoch, dass diese Wirkung unter Einbeziehung der neuesten Forschungsergebnisse unwahrscheinlich sei und vermuten, dass in der Vergangenheit negative Studienresultate seltener veröffentlicht worden seien. McCarney geht davon aus, dass der Mangel an Medikamenten in den frühen Stadien der Erkrankung dazu führe, dass die Patienten alles versuchen würden, um das Fortschreiten der Demenz zu verlangsamen. Diese Pflanzenextrakte seien zwar nicht besonders teuer, sie könnten jedoch bei einer kleinen Pension eine deutliche Belastung darstellen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben