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Neurologie 10. Oktober 2008

Behandlungs-Fenster wird weiter

Bis zu 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall können Patienten von einer Auflösung des Blutgerinnsels im Gehirn profitieren. Bislang waren drei Stunden als sinnvolle Grenze für die Gabe von Thrombolytika angesehen worden. Das Ergebnis der „European Cooperative Acute Stroke Study“ (ECASS) ist jetzt im New England Journal of Medicine (2008 25, 359, 1317-1329) veröffentlicht worden. „Diese neuen Erkenntnisse könnten zehntausenden Patienten zugute kommen, deren Hirndurchblutung wieder hergestellt werden kann“, sagte der Leiter der Studie, Prof. Dr. Werner Hacke von der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, der die Studie auf dem Weltschlaganfallkongress in Wien vorstellte.
Ingesamt 826 Patienten in 130 europäischen Schlaganfall-Zentren, die 3 bis 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall in der Klinik behandelt wurden, erhielten entweder das Thrombolytikum Alteplase oder ein Placebo gespritzt. Eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls war zuvor mit Hilfe der Computertomographie ausgeschlossen worden. Rund 52 Prozent der mit Alteplase behandelten Patienten sprachen gut auf die Therapie an und trugen keine oder nur geringfügige Behinderungen davon. Dagegen waren es in der Placebo-Gruppe nur rund 45 Prozent. Todesfälle nach drei Monaten traten in beiden Gruppen gleich häufig auf (acht Prozent).
Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund dieser Ergebnisse, Schlaganfall-Patienten auch nach drei Stunden mit Thrombolytika zu behandeln. „Dass wir mehr Zeit haben, heißt jedoch nicht, dass wir uns mehr Zeit nehmen dürfen“, warnte Professor Hacke. Nach wie vor sollten Patienten mit Schlaganfall-Zeichen so schnell wir möglich in die Klinik gebracht und behandelt werden, denn die ECASS-Studie habe auch gezeigt, dass die Patienten um so mehr Behinderungen davon trügen, je später sie behandelt würden.
„Es wurde wieder gezeigt, dass der Schlaganfall behandelbar ist, und das wird viele Wissenschaftler und Firmen ermutigen, weiter dieses Feld zu bearbeiten.“

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