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Neurologie 5. Juli 2007

Hypertonie: Effekte auf das Gehirn

Eine Senkung des Blutdrucks um zehn bis zwölf mmHg geht mit einer rund 38-prozentigen Verringerung des Risikos für einen Schlaganfall einher. Bei Demenzerkrankungen sollte der Blutdruck jedoch nicht zu tief sein.

„Hypertonie ist der wichtigste Risikofaktor für eine Erhöhung der Intima-Media-Dicke der Arteria carotis“, erklärte Prof. Dr. Mirko Hirschl, Leiter der Angiologie des Hanuschkrankenhauses, auf dem 3. Kardiovaskulären Symposium Anfang dieses Jahres in Wien. Hypertoniker mit nächtlicher Blutdruckabsenkung weisen dabei in einem geringeren Prozentsatz eine Verdickung auf.

Wichtiges Vorzeichen

Die Intima-Media-Dicke stellt ein wichtiges Vorzeichen für den Endorganschaden dar, kann für die Stratifizierung des Apoplexie-Risikos herangezogen werden und ist auch ein Risikomarker für die Seite des Schlaganfalls sowie für einen Rezidivinsult, erläuterte der Internist. Eine Senkung des Blutdrucks reduziert die Zunahme der Intima-Media-Dicke, wie eine Metaanalyse von Wang und Mitarbeitern (Stroke 2006; 37(7):1933-40) ergab. „Die besten Ergebnisse zeigten sich dabei für Kalziumantagonisten“, so Hirschl.
Bei Hypertonikern findet sich auch eine hohe Prävalenz von Karotis-Plaques. Hirschl: „Erhöhter Blutdruck ist des Weiteren der häufigste Risikofaktor bei Patienten, die wegen einer Karotisstenose operiert werden.“
Eine reduzierte Barorezeptorsensitivität im Bereich der A. carotis könne als Indikator für eine generalisierte Atherosklerose verstanden werden, darüber hinaus als prognostischer Marker für Komplikationen nach Insulten. „Vor einigen Jahren konnten wir ebenso zeigen, dass eine nach einer Karotisoperation nicht wiederhergestellte Barorezeptorsensitivität mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einhergeht.“
Hirschl wies auf die immense Bedeutung einer effizienten Therapie hin: „Aus Kohortenstudien weiß man, dass ein um zehn mmHg geringerer Blutdruck eine Apoplexie-Risikoreduktion von 30 bis 50 Prozent bedeutet. Die Ergebnisse von Studien, die sich mit den Auswirkungen einer therapeutischen Blutdrucksenkung beschäftigen, entsprechen der epidemiologischen Erwartung: Eine Senkung des Blutdrucks um zehn bis zwölf mmHg geht mit einer rund 38-prozentigen Reduktion des Risikos für einen Schlaganfall einher. Insgesamt ist für den Effekt einer Therapie das Ausmaß der Blutdrucksenkung – der systolische Blutdruck besitzt dabei größere Bedeutung – entscheidend. Und zwar unabhängig vom verwendeten Medikament.“
Was den Einfluss des Blutdrucks auf die Demenz betrifft, liegen noch widersprüchliche Daten vor, weiß der Gefäßspezialist. Zu bedenken sei allerdings, dass zwischen Demenzprophylaxe – hier ist auch ein niedriger Blutdruck von Vorteil – und der Hypertonie-Behandlung bei dementen Patienten ein Unterschied besteht. „Bei multimorbiden, dementen Patienten sollte der Blutdruck nämlich nicht zu niedrig sein“, erläuterte Hirschl.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 27/2007

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