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Neurologie 22. Mai 2007

Blutverdünnung zur Schlaganfallprophylaxe

Englische Forscher finden einen Zusammenhang zwischen der regelmäßigen vorbeugenden Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten und einer erhöhten Anzahl von Hirnblutungen bei gesunden über 75-Jährigen. Die neue Studie be­stätigt: Nur bei manifesten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bringt die Dauermedikation bei älteren Patienten einen gesundheitlichen Vorteil.

Der Griff zur Tablette gehört für viele Betagte zur täglichen Routine. Wenn das Blut leichter fließt, verringert sich die Gefahr, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Das beruhigt.

Vorsicht ist angebracht

Niedrig dosiertes Aspirin und andere Thrombozytenaggregationshemmer senken tatsächlich vorbeugend eingenommen das Risiko. Ältere Gesunde sollten mit der Einnahme dieser Medikamente aber dennoch eher vorsichtig sein. Das legt eine Studie nahe, die in The Lancet Online vorab veröffentlicht wurde, (in Papierform nachzulesen in der Juni-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins).

Vermehrt Blutungen

Eine unerwünschte Wirkung der Blutverdünner ist der hämorrhagische Schlaganfall, der durch eine Hirnblutung ensteht. „Wir wissen aus Studien, dass es auf Grund dieser Medikamente in zwei von tausend Fällen pro Jahr zu Hirnblutungen kommt“, erklärt Neurowissenschaftler Prof. Dr. Michael Brainin von der Donau-Universität Krems.
Prof. Dr. Peter Rothwell und seine Kollegen vom Schlaganfall-Forschungszentrum der Universität Oxford in England wollten wissen, warum die Absolutzahlen an Hirnblutungen in den letzten 20 Jahren nicht zurückgegangen sind.
Die Forscher nahmen dafür zwei große Studien der vergangenen Jahrzehnte unter die Lupe: das Oxford Community Project, das 1981 bis 1986 durchgeführt wurde, und die Oxford Vascular Study, die Daten von 2002 bis 2006 enthält. Rothwell setzte die aufbereiteten Kennziffern in Zusammenhang mit dem Alter der Probanden, mit dem Bestehen eines Bluthochdrucks und mit allfälligen Medikamenteneinnahmen.

Mehr hämorrhagische Schlaganfälle

Die vergleichende Analyse der beiden Studien zeigte: Die Zahl derjenigen Schlaganfälle, die mit erhöhtem Blutdruck einhergingen, nahm in den untersuchten 25 Jahren ab. Größtenteils war der Fortschritt wohl auf die verbesserte medikamentöse Behandlung des hohen Blutdrucks und Veränderungen des Lebensstils der Patienten zurückzuführen.
Auffällig aber war, dass in der Altersgruppe von über 75 Jahren die Zahl der hämorrhagischen Hirninfarkte nicht sank, sondern sogar leicht angestiegen war.
Die für Rothwell wahrscheinlichste Erklärung: Während Anfang der 80er Jahre nur vier Prozent der Schlaganfall-Patienten blutverdünnende Medikamente einnahmen, lag der Anteil nach dem Jahr 2000 bei 40 Prozent.

Bei Indikation gute Wirkung

„Blutverdünnende Medikamente dürfen nur nach medizinischer Indikation verschrieben werden, wenn bereits ein vaskuläres Ereignis (Angina pectoris, TIA, Schlaganfall, Herzinfarkt) eingetreten ist“, sagt Brainin. „Nach einem Schlaganfall können in 15 von 1.000 Fällen weitere Ereignisse verhindert werden.“

Inge Smolek, Ärzte Woche 21/2007

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