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Neurologie 14. Juni 2007

Den Schlaganfall mehrschichtig vermeiden

Es sind die „üblichen“ Verdächtigen, die das Risiko für einen Insult triggern: Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, Rauchen, Vorhofflimmern und eine asymptomatische Karotisstenose.

„Der Schlaganfall ist kein Schicksal“, sagte Prof. Dr. Wilfried Lang, Vorstand der Abteilung für Neurologie des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Wien, anlässlich eines Vortrags bei den Südbahnschmerzgesprächen im März.
Das Risiko für einen Schlaganfall steigt mit dem Lebensalter. In Österreich liegt die Inzidenz für einen Insult bei 292 auf 100.000 Einwohner. Ab dem 55. Lebensjahr verdoppelt sie sich jährlich. Männer erleiden häufiger einen Insult als Frauen (174/100.000 versus 122/ 100.000). Hat der Vater bereits einen Schlaganfall erlitten, nimmt das Risiko um den Faktor 2,4 zu, beim mütterlichen Schlaganfall steigt es um den Faktor 1,4.
„Neben diesen nicht beeinflussbaren Risikofaktoren konnte mittlerweile eine breite Palette von Faktoren ermittelt werden, die sehr wohl in unserem Sinne beeinflussbar sind“, so Lang. „Dazu gehören Hypertonie, Hyperlipidämie und Diabetes mellitus Typ 2.“ Aber auch Vorhofflimmern bzw. weitere kardiogene Emboliequellen, die asymptomatische Karotisstenose und Rauchen. Eine Metaanalyse, die 61 prospektive Obversationsstudien berücksichtigte (Prospective Study Collaboration; Lancet 2002), zeigt einen linearen Anstieg der Mortalität ab einem Blutdruck von 115/75 mm Hg. Pro Anstieg um 20/10 mm Hg verdoppelte sich die Schlaganfall-Mortalität. „Wird Hypertonie suffizient behandelt, so sinkt das Risiko eines Schlaganfalls um 38 Prozent“, fasste Lang die eindrucksvollen Daten aus einer Arbeit von Lawes et al. zusammen, die 2004 in Stroke publiziert wurden (siehe Abbildung).

Risikosenkung

Auch eine Senkung des LDL-Cholesterinspiegels reduziert das Schlaganfallrisiko: Jede Senkung des LDL-C um zehn Prozent ermöglicht eine Verringerung des Insultrisikos um 15,6 Prozent. Eine Metaanalyse von insgesamt 21 Studien konnte zudem zeigen, dass die Gabe von Statinen das Schlaganfallrisiko hoch signifikant um 21 Prozent absenkt (Amarenco et al. Stroke 2004;35: 2902-2909).
Eine adäquate Blutzuckereinstellung bei Typ-2-Diabetikern kann desgleichen das Risiko für einen Schlaganfall erniedrigen. In der Altersgruppe über 65 Jahren stellt Vorhofflimmern einen wichtigen Risikofaktor dar. „Das höchste Risiko tragen besonders Personen, die Vorhofflimmern aufweisen und zuvor ein ischämisches Ereignis erlitten haben“, definiert Lang. „Leider neigen Mediziner dazu, eine Antikoagulation immer weniger einzusetzen, je älter die Patienten sind. Dabei sollten wir gerade diesem kardialen Risikofaktor deutlich mehr Bedeutung beimessen.“
An alle Raucher richtete Lang die Botschaft: „Nach zweijähriger Nikotinkarenz ist das Risiko für einen Schlaganfall mit dem eines Nichtrauchers vergleichbar.“ Karotisstenosen als Risikofaktor für einen Insult sind für den Neurologen dagegen weniger gefährlich als lange Zeit gedacht wurde: „Je mehr Untersuchungen verfügbar werden, desto häufiger stellt man fest, dass auch gesunde Menschen eine Karotisstenose aufweisen können.“ So zeigt sich bei über Achtzigjährigen in zehn Prozent der Fälle eine Verengung der Karotiden. Lang: „Studien zeigten, dass eine Karotisintervention mit einem Risiko von drei bis vier Prozent behaftet ist. Das Risiko für einen Schlaganfall aufgrund einer Karotisstenose beträgt dagegen nur ein bis zwei Prozent. Bei einem solchen Risikoverhältnis ist die konservative Therapie einer Intervention deutlich überlegen.“

 Lineare Beziehung zwischen Blutdrucksenkung und Reduktion des Schlaganfall-Risikos
Wird die Hypertonie erfolgreich behandelt, sinkt das Insultrisiko um 38 Prozent.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 24/2007

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