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Neurologie 10. Mai 2007

Schmerzerfassung bei verbal eingeschränkten Patienten

Eine fortgeschrittene Demenz erschwert die Kommunikation erheblich, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer ineffizienten Schmerztherapie erhöht. Ein Test soll Abhilfe schaffen.

Demente Patienten können weder ihre Pein artikulieren noch deutlich machen, wo sie genau lokalisiert ist. Daher fordern Experten schon seit längerem die Entwicklung von Messinstrumenten für verbal eingeschränkte Patienten, die den testpsychologischen Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität entsprechen. Mitglieder der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) versuchten daher die im englischen Sprachraum verwendete PAINAD-Scale („Pain Assessment in Advanced Dementia“) zu übersetzen und entwickelten die BESD („Beurteilung von Schmerzen bei Demenz“). Die Basis des BESD fußt auf einer Checkliste für fünf beobachtbare Verhaltensweisen: Atmung, negative Lautäußerungen, Gesichtsausdruck, Körpersprache und Trostreaktion. Wissenschaftler der Universität Marburg haben die neue Skala in der Praxis anhand einer prospektiven einfaktoriellen Beobachtungsstudie mit zweifacher Messwiederholung bei zwölf verbal nichtkommunikativen, multimorbiden Demenzpatienten in der Akutgeriatrie geprüft und diese Beobachtungen publiziert (Der Schmerz 6, 2006, 519; Springer-Verlag). Einschlusskriterien waren mit Schmerz assoziierte Erkrankungen sowie beobachtbares Schmerzverhalten. Zu Beginn hatten die Patienten im Schnitt 7,5 Punkte auf der zehnteiligen Skala. Anschließend wurden sie entsprechend eines WHO-Stufenschemas analgetisch behandelt und zwei Stunden später erneut untersucht. Danach lag der Wert im Schnitt nur noch bei 4,7 Punkten. Im weiteren Studienverlauf wurde bei fünf Patienten die Schmerztherapie abgesetzt und bei sieben regelkonform weitergeführt. Mit adäquater Therapie lag der Wert nach 24 Stunden bei 3,9 Punkten, ohne sie stieg er auf sieben Punkte an. Die Autoren folgern daraus, dass sich die deutsche Fassung der PAINAD-Scale, die BESD, als funktionierendes Messinstrument erwiesen hat: „Obwohl es nicht möglich ist, die Beobachtungsskala an dem Goldstandard des subjektiven Schmerzerlebens zu validieren, gibt es doch Hinweise mit ausreichender Evidenz, dass durch die Skala tatsächlich Schmerz gemessen wird. Da die Skala zudem eine gute Akzeptanz unter den Anwendern findet, wird sie für den Einsatz in der Praxis bei verbal nicht kommunikationsfähigen Personen empfohlen.“

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