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Neurologie 24. April 2007

Enormer Informationsbedarf

20.000 sind es in Österreich, aber nur 8.000 werden behandelt. Offenbar werden Schüttellähmung-Kranke nicht genügend wahrgenommen.

Epidemiologische Daten aus Österreich gibt es nicht. Aber hochgerechnet aus Statistiken anderer Länder kann davon ausgegangen werden, dass hierzulande 20.000 Menschen an Parkinson leiden. Allerdings können „wir nur etwa 8.000 Betroffene in den Parkinson-Ambulanzen und an den Abteilungen und Kliniken lokalisieren, wo man sich speziell mit dieser Krankheit beschäftigt“. Darauf machte Dr. Dieter Volc, Vorstand der Neurologischen Abteilung an der Confraternität, auf der Pressekonferenz zum Welt-Parkinson-Tag aufmerksam. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der Parkinson-Kranken erhält nicht die adäquate Behandlung.

Selbsthilfegruppen machen Mankos wett

Doch auch diejenigen, die in den Genuss einer Therapie kommen, fühlen sich nicht immer genügend betreut. Eine von November 2006 bis Februar 2007 im Auftrag von Schwarz Pharma durchgeführte Patientenstudie ergab, dass bei 95 Prozent ein großes Bedürfnis nach umfassender Information besteht, und zwar sowohl über schulmedizinische als auch über komplementärmedizinische Therapien, die das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern können. Dieses Manko versuchen etwa Selbsthilfegruppen aufzufüllen. Aus der Umfrage ging außerdem hervor, dass bei zwei Drittel der Befragten über ein Jahr zwischen der Diagnose und dem Beginn der Behandlung verging. Überhaupt werde die Diagnose relativ spät nach Auftreten der ersten Symptome gestellt. Das könne vielerlei Gründe haben, so Volc, der erläuterte, dass das typische Zittern gar nicht das erste Zeichen der Krankheit sein müsse.

Anfangs untypische Symptome

Vielmehr kündige sich die Schüttellähmung oft mit einer Depression, mit Verstopfung oder erektiler Dysfunktion an, Symptome, die oft weder vom Arzt noch vom Patienten ernst genommen würden. Viele Betroffene meinen auch, eine endgültige Diagnose sei nur mit High-Tech-Geräten möglich, berichtete Mag. Angelika Krauss-Rirsch von Meditia, die die Umfrage durchgeführt hatte. Ein Irrtum, wie Volc betonte: „Parkinson ist klinisch sehr gut diagnostizierbar.“ Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, empfahl Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin ÖGAM, den Fragebogen im Buch „EBM Guidelines für Allgemeinmedizin“ in der Praxis zu verwenden und stellte in Aussicht, dass dieser Fragebogen in absehbarer Zeit auch in die Vorsorgeuntersuchung aufgenommen werden würde. Schließlich sei, so Rebhandl, der niedergelassene Arzt für Allgemeinmedizin meist die erste wohnortnahe Anlaufstelle für Parkinsonkranke. Was die Behandlung angeht, so wiesen die Ärzte darauf hin, dass es gerade bei einer Krankheit wie der Schüttellähmung wichtig sei, dass die behandelnden Mediziner mit Physio- und Ergotherapeuten, mit psychosozialen Einrichtungen, Psychotherapeuten und mobilen Diensten zusammenarbeiten.

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