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Allgemeinmedizin 31. Jänner 2007

Drei Muskeltricks gegen die Ohnmacht

Menschen mit vasovagalen Ohnmachtsanfällen wirft es oft aus ganz banalen Anlässen um: beim Anblick einer krabbelnden Spinne, beim Pikser einer Impfnadel, beim Warten an der Supermarktkasse oder nach dem Joggen. Mit einfachen Übungen können die Betroffenen das Umkippen verhindern: Sobald sie erste Anzeichen spüren, sollten sie Arm- oder Beinmuskeln anspannen.

Statistiken besagen, dass drei bis fünf Prozent aller Patienten in einer Notaufnahme sich wegen einer Synkope einstellen. Um vasovagale etwa von rhythmogenen Ohnmachtsanfällen abzugrenzen, hilft unter anderem der Calgary-Syncope-Score (siehe Kasten). Freilich gilt es auch, Möglichkeiten zu finden, wie die Betroffenen eine nahende Synkope verhindern können.
Die Wirksamkeit des isometrischen Gegendrucks, eines alltagstauglichen Ohnmacht-Gegenmittels, haben holländische Forscher erstmals in einer prospektiven randomisierten Studie nachgewiesen, deren Ergebnisse vor kurzem im Journal of the American College of Cardiology publiziert wurden (JACC Oct 2006, 48:1652-1657). Bei den 223 Teilnehmern, davon zwei Drittel Frauen, traten seit durchschnittlich sieben Jahren immer wieder Ohnmachtsanfälle auf. Die Diagnose einer vasovagalen Synkope wurde mit dem Kipptisch-Test bestätigt. Nicht in die Studie aufgenommen wurden zum Beispiel Patienten mit KHK oder epileptischen Anfällen.

Isometrische Übungen vs. Wassertrinken und Hinlegen

Dr. Nynke van Dijk und ihre Kollegen von der Abteilung für Innere Medizin der Amsterdamer Uniklinik unterwiesen ungefähr die Hälfte der Teilnehmer in speziellen isometrischen Übungen (Fachbegriff: Physical Counter Pressure Manoeuvres, PCM). Eine davon oder auch mehrere sollten sie in beliebiger Reihenfolge so lange und kräftig wie möglich machen:
• im Stehen die Beine kreuzen und Bein-, Bauch- und Gesäßmuskeln anspannen,
• mit einer Hand die andere packen und in Brusthöhe mit beiden Armen in die Gegenrichtung ziehen,
• einen Gummiball oder anderen geeigneten Gegenstand in die Hand nehmen und drücken.
Den Patienten der Kontrollgruppe erklärten die Wissenschaftler lediglich die Ursachen der gutartigen Störung, mahnten sie, Auslöser zu meiden, sich bei Prodromalsymptomen hinzulegen und genug zu trinken.

 Muskeltricks
Links: Ganz einfach durchzuführen: Beine kreuzen, gleichzeitig Bein-, Bauch- und Gesäßmuskeln anspannen.
Mitte: Der Favorit der Studienteilnehmer: In Brusthöhe mit einer Hand die andere packen und kräftig nach beiden Seiten ziehen.
Rechts: Eine weitere Möglichkeit, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren: Einen Gegenstand fest mit der Hand zusammendrücken.

Foto: Ärzte Woche

Synkopen-Risiko reduziert

Während der folgenden 14 Monate hatten 56 Patienten der Kontrollgruppe Synkopen (51 Prozent), aber nur 31 Patienten mit PCM (32 Prozent). Insgesamt kam es bei ihnen 76-mal zu einem Verlust des Bewusstseins, bei denjenigen, die nur allgemeine Ratschläge erhalten hatten, 142-mal. Das relative Risiko, dass es tatsächlich zu einer Synkope kommt, war bei den Patienten der Versuchsgruppe um 40 Prozent erniedrigt. Bis zum ersten Rezidiv dauerte es bei ihnen durchschnittlich 6,6 Monate, bei konventioneller Therapie jedoch 4,8. Gut ein Drittel der Patienten mit PCM bevorzugte das Anspannen der Arme, je etwa ein Viertel das Handdrücken und das Kreuzen der Beine. Die Übrigen kamen mit allen drei Übungen gleich gut zurecht.
Die Wirksamkeit der Methode erklären die Forscher damit, dass sie den Gefäßwiderstand erhöht und eine Kompression der Venen in Bauch und Beinen bewirkt.

 Score zur Diagnose einer Vasovagalen Synkope

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