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Neurologie 18. Jänner 2007

Demenzrisiko bei Parkinson erhöht

Demenzen und psychotische Syndrome kommen bei Parkinson-Patienten häufiger vor, als bislang angenommen. Das wird jetzt durch Untersuchungen aus Deutschland und Skandinavien bestätigt: Bis zu zwei Drittel aller Parkinson-Patienten entwickeln im Krankheitsverlauf zusätzlich neuropsychiatrische Störungen.

Die Verhaltensstörungen und Demenzsymptome von Parkinson-Patienten sind zunächst sehr diskret und auch nicht vergleichbar mit denen bei Alzheimer-Demenz, berichtete Prof. Dr. Rudolf F.
Töpper von der Asklepios Klinik Harburg in Hamburg. Charakteristisch seien Beeinträchtigungen der Exekutivfunktion: Es fällt den
Patienten zunehmend schwer, für Alltagsprobleme Lösungsstrategien zu entwickeln, Gesprächsthemen zu wechseln und zielgerichtet zu handeln. Komplexe Aufgaben, die räumliches Denken oder eine gewisse Orientierungsfähigkeit verlangen, etwa im Straßenverkehr, sind kaum noch oder gar nicht mehr zu bewältigen, sagte Töpper auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main.

Ortswechsel können Symptome auslösen

Auch das Auftreten visueller Halluzinationen ist dann möglich. Davon können sich die Patienten anfangs noch distanzieren, etwa wenn sie eine Person im Fernsehsessel sitzen sehen, von der sie wissen, dass sie gar nicht da sein kann. Später werden die Halluzinationen allerdings wahnhaft verarbeitet. Gerade ein Wechsel der Umgebung, etwa eine Reise, könne solche Symptome auslösen, berichtete Dr. Ilona Csoti vom Parkinson Zentrum Biskirchen.
Dagegen fehlen bei Parkinson-Kranken meist alzheimertypische Symptome wie Aphasie, Apraxie oder Agnosie. Zudem kommen Depressionen deutlich öfter vor als bei Alzheimer-Patienten.
Wie häufig neuropsychiatrische Störungen tatsächlich sind, hat die kürzlich veröffentlichte GEPAD-Studie (German Study on Par­kin­son’s Disease with Dementia) verdeutlicht. 500 niedergelassene Neurologen und Nervenärzte hatten an einem Stichtag bestimmt, wie viele ihrer Parkinson-Patienten demenzielle und psychische Störungen, etwa Depressionen, aufweisen. Insgesamt waren 1.326 Patienten erfasst worden (Akt Neurol 33, 2006, 374).
Demnach hatten 40 Prozent der Untersuchten demenztypische, 37 Prozent depressive und 20 Prozent psychotische Symptome. Zudem wurde eine klare Altersabhängigkeit festgestellt. So lag die Demenzrate bei den unter 65-Jährigen bei 17 Prozent, bei den über 76-Jährigen dagegen bereits bei 67 Prozent.
Auf ähnliche Zahlen kamen in der Vergangenheit auch andere Studien: So hatte in einer skandinavischen Untersuchung jeder dritte Parkinson-Patient nach neunjähriger Erkrankungsdauer eine Demenz. Nach 13 Erkrankungsjahren waren es 50 Prozent und nach 17 Jahren 80 Prozent der Patienten (Arch Neurol 60, 2003, 387). Das bedeute nicht, dass alle Parkinson-Patienten irgendwann eine Demenz bekommen, sagte Töpper. Aber es sei davon auszugehen, dass bei Parkinson-Pa-tienten eine Demenz sechsmal häufiger auftritt als durchschnittlich in der Bevölkerung.

Kaum noch Lebensfreude

Besonders demenzgefährdet seien Parkinson-Patienten, bei denen die Krankheit erst in einem hohen Alter ausbricht, in deren Familien gehäuft Demenzerkrankungen vorkamen sowie Patienten mit schweren motorischen Symptomen und Depressionen. Auch Patienten, bei denen die dopaminerge Therapie Psychosen auslöst, hätten ein hohes Demenzrisiko.
Ein Problem ist jedoch die Frühdiagnostik. Die Patienten selbst erwähnen zu Beginn einer Demenz höchste Konzentrationsprobleme, sagte Csoti. Partner oder Angehörige beklagten die zunehmende Apathie und Interesselosigkeit der Parkinson-Patienten, was oft an einer Depression liege. Csotis Rat: Man sollte den Berichten der Angehörigen genau zuhören. Denn ihre Klagen ändern sich mit der Zeit: Das Gedächtnis werde schlechter, die Patienten könnten sich nicht mehr freuen und unterhalten sich kaum noch.
Weil die Frühdiagnostik so schwierig ist, befürwortet Csoti das Screening mit PANDA und Uhrentest aller über 65-jährigen Parkinson-Patienten einmal jährlich. PANDA (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment) ist ein validierter Test, der speziell für Parkinson-Demenz entwickelt wurde. Man müsse mithilfe solcher Tests auch die Chance nutzen, frühzeitig medikamentös einzugreifen, damit die Patienten so lange wie möglich im Alltag zurechtkommen, sagte Csoti.

 Fazit für die Praxis

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