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Neurologie 1. August 2008

Genderaspekte des ischämischen Schlaganfalls Analyse des österreichischen Stroke-Unit Registers

GRUNDLAGEN: Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Versorgung von SchlaganfallpatientInnen erscheinen aufgrund bisheriger Untersuchungen möglich. Wir wollten dieser Frage deshalb auch innerhalb jener großen Kohorte von PatientInnen nachgehen, welche mit akutem ischämischem Schlaganfall an einer österreichischen Schlaganfall-Einheit aufgenommen wurden. METHODIK: In der Datenbank standen 15746 prospektiv dokumentierte Fälle für eine deskriptive statistische Auswertung zur Verfügung. ERGEBNISSE: 13831 (6670 Frauen) waren als ischämischer Schlaganfall klassifiziert worden. In Bezug auf Risikofaktoren und Schlaganfallursache wiesen weibliche Schlaganfallpatienten häufiger eine Flimmerarrhythmie auf (31,1 % vs. 20,8 %, p < 0,001) und erlitten auch häufiger einen kardioembolischen Schlaganfall (19,9 % vs. 15,5 %). Die weiblichen Schlaganfallpatienten waren im Mittel signifikant älter als die betroffenen Männer (73,4 ± 13,8 vs. 67,8 ± 12,7 Jahre, p < 0,001), zeigten ein signifikant größeres neurologisches Defizit sowohl bei der Aufnahme (NIH-SS: 7,7 vs. 6,0, Barthel-Index: 52,2 vs. 62,3, p < 0,001) als auch bei der Entlassung (NIH-SS: 5,3 vs. 4,2, Barthel-Index: 65,0 vs. 73,9, p < 0,001) und waren auch zum Zeitpunkt der 3-Monats Kontrolle schwerer behindert (Rankin-Skala: 2,1 vs.1,6, p < 0,001). Bei einem Vergleich innerhalb der Altersdekaden waren die größeren neurologischen Defizite und Behinderungsgrade der Frauen allerdings nur in der Altersgruppe von über 70 Jahren statistisch signifikant. Während des Aufenthaltes an der Schlaganfall-Einheit zeigten Frauen eine signifikant höhere Komplikationsrate (20,2 % vs. 16,5 %, p < 0,001) und verstarben öfters (3,5 % vs. 2,4 %, p < 0,001). Die 3-Monats Mortalitätsrate war ebenfalls für weibliche Patienten höher (10,9 % vs. 7,7 %, p < 0,001). Es fand sich aber keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts bezüglich der Latenz zwischen Beginn der Schlaganfallsymptomatik und der Krankenhausaufnahme (Medianwert: 120 vs. 124 Minuten), Latenz und Häufigkeit der ersten zerebralen Bildgebung, Thrombolyserate (7,4 % vs. 7,8 %, n.s.) und Sekundärprävention mittels Thrombozytenaggregationshemmern (76,4 % vs. 76,2 %, n.s.). Allerdings waren die Schlaganfallpatientinnen trotz der höheren Prävalenz der Flimmerarrhythmie nicht häufiger antikoaguliert (19,4 % vs. 20,6 %, nach 3 Monaten, n.s.). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Analyse dieser umfangreichen Patientenpopulation ergab keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in Bezug auf die Qualität des Managements der an österreichischen Schlaganfall-Einheiten behandelten SchlaganfallpatientInnen. Allerdings zeigten Frauen eine größere Einschränkung nach dem Schlaganfall, welche aber in erster Linie auf das schon schwerere Ausgangsdefizit in Zusammenhang mit höherem Lebensalter und assoziierten Faktoren zurückzuführen ist. Es bestätigte sich der Stellenwert kardiogener Erkrankungen welche den weiblichen Schlaganfall offenbar besonders beeinflussen.

Susanna Horner, Kurt Niederkorn, Stefan Schnabl, Franz Fazekas, Wiener Medizinische Wochenschrift

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