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Neurologie 15. November 2006

Taubsches Training bringt Langzeitwirkung

Das vom amerikanischen Psychologen Edward Taub entwickelte spezielle Rehabilitationstraining wurde einer Evaluierung unterzogen – mit äußerst positiven Ergebnissen.

„Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht“, sagt Prim. Dr. Peter Grieshofer, Ärztlicher Leiter der Rehabilitationsklinik Judendorf-Straßengel, wo das Taubsche Training seit vier Jahren routinemäßig eingesetzt wird. Bei bis zu 85 Prozent der Patienten verursacht der ischämische Hirninfarkt eine Hemiparese. Bei zwischen 55 und 75 Prozent ist die Beweglichkeit auch noch sechs Monate nach dem Schlaganfall vermindert. Die Folge: Die Betroffenen benützen den gelähmten Arm immer weniger, es kommt zur „gelernten Nichtverwendung“, die die aufgrund der Plastizität der Gehirnnerven mögliche Erholung verhindert. Der Ansatz von Prof. Dr. Edward Taub von der Abteilung für Psychologie der Universität von Alabama in Birmingham war es nun, den Gebrauch der lädierten Extremität zu forcieren, indem der gesunde Arm mit einer Schlinge oder einer Schiene fixiert wird. Dann wird die Grob- und Feinmotorik des in Mitleidenschaft gezogenen anderen Arms und der Hand gezielt geübt. „Constraint-induced movement therapy (CIMT)“ heißt diese Rehabilitationsmaßnahme. „Die Voraussetzung für den Erfolg ist das Vorhandensein einer gewissen Basisfunktion“, erläutert Grieshofer seine Erfahrungen damit. Wie sehr die Patienten davon profitieren, demonstrierte nun eine Studie, die Taub gemeinsam mit Medizinern der Emory Universität durchgeführt hat und deren Resultate vor kurzem im JAMA veröffentlicht wurden (2006 Nov 1;296(17):2095-104). An der Studie nahmen 222 Schlaganfallpatienten teil, die Hälfte davon absolvierte als Kontrollgruppe ein herkömmliches Rehabilitationstraining. Die zum Taubschen Training randomisierten Patienten mussten zwei Wochen lang 90 Prozent ihrer Wachzeit einen speziellen Handschuh an ihrer gesunden Hand tragen, zudem trainierten sie die paretische Extremität mit gezielten Übungen bis zu sechs Stunden pro Werktag. Schon nach dieser kurzen Zeit war eine deutliche Wirkung messbar. Bei der ein Jahr später erfolgten Nachuntersuchung zeigte sich, dass die Probanden ihre ursprünglich bewegungseingeschränkte Hand viel besser nutzten als die Kontrollgruppe. „Ein bisschen mehr Anreiz kann Schlaganfallpatienten nur gut tun“, befindet der Tübinger Neurologe Dr. Andreas Luft in seinem JAMA-Editorial. Eine Meinung, die Grieshofer unbedingt teilt: „Es ist äußerst wichtig, die Patienten immer wieder zu motivieren, die paretische Seite einzusetzen.“

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