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Neurologie 19. September 2006

Hilfe beim L-Dopa-Langzeitsyndrom

Motorische Spätkomplikationen sind bei Parkinson-Patienten häufig und bedürfen einer speziellen Therapie.
Einige Zentren bieten Patienten­schulung, Kontrollen und Beratung.

Die Parkinsontherapie basiert grundsätzlich auf drei Säulen: Medikamente (vorrangig L-Dopa), neurochirurgische Verfahren („Tiefenhirnstimulation“) und neurorehabilitative Maßnahmen wie Physio- und Ergotherapie. Oft folgt der medikamentösen Ersteinstellung eine längere stabile Phase mit guter Symptomkontrolle, jedoch wird eine regelmäßige Anpassung im Lauf der Zeit notwendig. „Beim Langzeitmanagement des Morbus Parkinson entstehen bei einem großen Teil der Patienten nach mehrjähriger Behandlung motorische Spätkomplikationen, das L-Dopa-Langzeitsyndrom“, berichtete Prof. Dr. Werner Poewe, Leiter der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie und Präsident der Österreichischen Parkinsongesellschaft, bei einer Presseveranstaltung in Wien. Ursachen sind einerseits eine zunehmend kürzere Dauer der Medikamentenwirkung mit Wiederauftreten der Parkinson-Symptome am Ende der Dosis („Wearing off“). Bei Wirkungsschwankungen („On-off“-Phänomen) des Medikaments leiden Patienten in den Off-Phasen, in denen das Medikament keine Wirkung zeigt, unter schlechter Beweglichkeit bis hin zur völligen Erstarrung („Freezing“). Andererseits treten bei vielen Patienten auch in Zeiten guter Medikamentenwirkung unfreiwillige Überbewegungen („Dyskinesien“) auf, so Poewe.

Schnelle Symptomlinderung

Können die Schwankungen in der Beweglichkeit trotz optimaler Behandlung mit L-Dopa, Dopa­minagonisten und anderen Medikamenten nicht mehr durchbrochen werden, ist der Zeitpunkt für andere Methoden gekommen. Die Substanz Apomorphin, ein Morphinabkömmling ohne Suchtpotenzial, kann dabei eine Rolle spielen. In injizierbarer Form mittels Pen ist „Apomorphin derzeit das am schnellsten wirkende Notfallmedikament bei Wirkungsfluktuationen“, berichtet Doz. Dr. Regina Katzenschlager, SMZ Ost, Abteilung für Neurologie. Apomorphin per Pen wird überwiegend als Akuttherapie bei Patienten mit täglich ein bis fünf „Off“-Phasen angewendet, es wird bei ersten Anzeichen einer „Off“-Phase in die Bauchregion oder den Oberschenkel injiziert. Die Beweglichkeit wird in der Regel innerhalb von Minuten wieder hergestellt.

Neue Infrastruktur

Die kontinuierliche subkutane Verabreichung mittels einer kleinen Pumpe, die in einem Stoffbeutel am Körper getragen wird, führt zu gleichmäßigen Wirkstoffspiegeln im Blut. So können Parkinson-Patienten, die sehr viele tägliche Off-Perioden erleben oder Injektionen benötigen, profitieren. „Trotz vielfach belegter Erfolge wird in Österreich nur ein relativ kleiner Patientenkreis mit Apomorphin-Pumpen behandelt“, bedauert Katzenschlager. Inzwischen wurde hier Abhilfe geschaffen und eine Infrastruktur implementiert, die den Betroffenen in Österreich Zugang zu einer kompetenten Therapie und Betreuung ermöglicht. Katzenschlager: „Derzeit gibt es in Österreich sechs Zentren, die auf Pumpe einstellen, und mindestens 17, die auf den Pen einstellen. In diesen Zentren gibt es auch Patientenschulung, Kontrollen und Beratung.“

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