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Neurologie 1. Juni 2006

Neuropathischer Schmerz: „Land in Sicht“

Neuropathische Schmerzsyndrome werden oft unterdiagnostiziert oder mit konventionellen Schmerzmitteln unzureichend behandelt. Gemäß evidenzbasierter Bewertung sind trizyklische Antidepressiva, Opioide und die Antikonvulsiva Gabapentin und Pregabalin (Lyrica®) die wirksamsten Therapieoptionen bei neuropathischen Schmerzen. Für Pregabalin wurde bei Patienten mit diabetischer Neuropathie und postherpetischer Neuralgie ein kombinierter therapeutischer Nutzen in Hinblick auf Schmerz, Schlaf, Angst und Depression sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität dokumentiert.

Im November 2005 legte ein Experten-Meeting den Grundstein für eine Neubewertung der Therapie des neuropathischen Schmerzes (NPS), publiziert im Jänner 2006 in UPDATE, der Internationalen Zeitschrift für ärztliche Fortbildung. Aufgrund von Angaben in der Literatur, wie viele Patienten mit Krebs, Diabetes und Schlaganfall an NPS leiden, kann man davon ausgehen, dass mindestens 5,6 Prozent aller Patienten im Krankenhaus an NPS leiden.Der chronisch neuropathische Schmerz wird in peripheren (Fokale Neuropathien, Polyneuropathien) und zentralen NPS (Multi­ple Sklerose, Thalamusschmerz) aufgeteilt. Klinische Merkmale sind spontane und auslösbare Schmerzen, Hyperalgesie und Parästhesien. Die Diagnostik umfasst eine sorgfältige Anamnese, eine Beschreibung des Schmerzes, einen neurologischen Befund, eine ausgewählte Labordiagnostik (Nüchternblutzucker, HbA1C, Leber-, Nierenfunktionsparameter), elektrophysiologische Untersuchungen, radiologische Befunde sowie Nerven- und Hautbiopsien. Die Behandlungsansätze basieren derzeit auf einer eventuell möglichen kausalen Therapie, auf dem Erzielen der bestmöglichen Analgesie und auf der Verbesserung der Schmerzbewältigung durch unterstützende psychologische und antidepressive Therapien. Zu den pharmakologischen Behandlungsmaßnahmen zählen vor allem Antikonvulsiva, Antidepressiva, Opioide, Lokalanästhetika und topisches Capsaicin. Pregabalin und Gabapentin wirken primär auf a2d-Untereinheiten spannungssensitiver Kalziumkanäle. Der Einsatz von Pregabalin bei chronischem NPS stützt sich auf die in diesem Bereich größte Datenbank klinischer Studien mit insgesamt 2.750 Patienten (Iacobellis et al., 2000; Sharma et al., 2002; Richter et al., 2002 und 2005; Lesser et al., 2004; Rosenstock et al., 2004; Dworkin et al., 2003/2; Sabatowski et al., 2004; Freynhagen et al., 2005).

Einfache am Schmerz orientierte Dosistitration

Pregabalin wirkt wie Gabapentin analgetisch, anti-hyperalgetisch, antiepileptisch und anxiolytisch, ist jedoch ein zwei- bis zehnfach stärkerer a2d-Ligand. Das lineare pharmakokinetische Profil erlaubt für Pregabalin eine einfache, am Schmerz orientierte Dosistitration. Metaanalysen und klinische Studien bestätigen für Pregabalin eine sehr gute Ansprechrate, einen hoch signifikanten Effekt hinsichtlich der Schmerzreduktion, einen ausgezeichneten kombinierten therapeutischen Nutzen in Bezug auf Schmerz, Schlaf, Angst, Stimmung und Lebensqualität sowie eine gute Verträglichkeit. Doz. Dr. Rudolf Likar, Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie und Palliativmedizin, LKH Klagenfurt: „Pregabalin hat den Vorteil, dass eine schnelle Wirkung bei neuropathischem Schmerz erzielt werden kann, die Nebenwirkungen gering sind und neben der schmerzlindernden Wirkung bei neuropathischem Schmerz zusätzlich die Schlafqualität der Schmerzpatienten verbessert wird. Pregabalin lässt sich auch mit anderen Medikamenten in der Schmerztherapie kombinieren, ohne dass pharmakologische Interaktionen befürchtet werden müssen.“ Prof. Dr. Stefan Quasthoff, Universitätsklinik für Neurologie, Graz: „Mit Pregabalin steht uns ein modernes Medikament zur Verfügung, das bei sehr guter Wirksamkeit ein erstaunlich geringes Nebenwirkungsspektrum zeigt und dadurch bei älteren Patienten zum Mittel der Wahl zur Behandlung neuropathischer Schmerzen geworden ist. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie.“ Doz. Dr. Günther Weber, Graz: „Das wichtigste Ziel ist, durch Information eine frühzeitige Diagnose neuropathischer Schmerzen durch den niedergelassenen Arzt zu erreichen. Nur dadurch kann die Zahl der unzureichend behandelten Patienten in einem frühen Stadium der Erkrankung herabgesetzt werden.“

 Signifikante Schmerzreduktion über 12 Wochen

In der Pregabalin-Gruppe konnte für einen signifikant größeren Patientenanteil versus Placebo eine Schmerzlinderung nachgewiesen werden.

 Dosistitration und Umstellung von  Gabapentin auf Pregabalin

 Spezifische Vorteile von Pregabalin

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