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Neurologie 1. Juni 2006

Viel Bewegung bei den Bewegungsstörungen

Mit Rasagilin und Rotigotin stehen zwei neue, anwenderfreundliche Therapie-optionen zur Verfügung, ebenso eine für die lokale Therapie von Dystonien.

„Besonders bei Bewegungsstörungen kommt neben einer zuverlässigen Einnahme der Medikation auch einem korrekten Timing Bedeutung zu. Wenn ein Patient nicht anspricht, muss das nicht an der Medikation liegen“, gab Prof. Dr. Werner Poewe, Vorstand der Univ.-Klinik für Neurologie in Innsbruck, bei der Veranstaltung „Update Neurologische Therapie“ im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie im März in Wien zu bedenken.

Tabletteneinnahme elektronisch kontrolliert

Leopold et al. beobachteten 2004 die Compliance bei 40 Parkinson-Patienten mit elektronischen Kontrollen der Tabletteneinnahme. Sie konnten zeigen, dass über vier Wochen 90% aller Patienten Dosen ausgelassen hatten. 82% nahmen die Medikation zu falschen Zeiten und erschreckende 54% weniger als 80% aller Dosen ein. Zu noch dramatischeren Ergebnissen kam eine ähnliche Studie von Grosset et al., wonach nur ein Viertel aller Patienten die Medikation über drei Monate korrekt einnahm. Poewe: „Eine schlechte Compliance korreliert beim Parkinson-Patienten mit jüngerem Alter und steigender Medikamentenanzahl. Umso bedeutender ist der Wert neuer, patientenfreundlicher Alternativen für die Therapie.“

Neue, patientenfreundliche Parkinson-Präparate

Der im Herbst 2005 in der EU zugelassene irreversible selektive MAO-B Hemmer Rasagilin punktet mit einer anwenderfreundlichen Pharmakokinetik. Eine Tablette täglich konnte als Monotherapie gegenüber Placebo als wirksam bestätigt werden. Rasagilin zeichnet sich zudem durch eine rasche Resorption und eine von der Plasmahalbwertszeit unabhängige Wirkdauer aus. „Ein sehr gut verträglicher Wirkstoff, der für mild betroffene Patienten gut geeignet ist“, wertete Poewe. Ebenfalls für die Monotherapie zugelassen ist der Dopamin-Agonist Rotigotin, der ausschließlich als transdermales System angeboten wird. Das Parkinsonpflaster muss täglich erneuert werden. Sobald es aufgeklebt ist, sind konstante Wirkspiegel ohne Timingprobleme garantiert. Für die individuelle Dosierung stehen verschiedene Größen mit entsprechend höheren oder niedrigeren Wirkstoffabgaben zur Verfügung. Poewe: „Transdermale Systeme kommen nicht nur für Menschen mit Schluckstörungen in Frage. Es müssen aber auch applikationstypische Nebenwirkungen bedacht werden. In einer rezenten Studie mit dem Rotigotinpflaster mussten etwa 6 Prozent der Anwender aufgrund deutlicher Hautreaktionen frühzeitig abbrechen.“ Mit Xeomin® kommt ein weiteres Botulinum Toxin A auf den Markt. Durch lediglich ein einziges Stabilisatorprotein erwartet der Hersteller weniger Immunogenität und damit bessere Verträglichkeit bei der lokalen Anwendung. Der Entfall zusätzlicher Komplexproteine könnte der Entstehung neutrali-sierender Antikörper vorbeugen. „Eine bessere Verträglichkeit der neuen Formulation wurde bislang noch nicht erwiesen“, so Poewe. „Die klinisch gleichwertige Wirksamkeit gegenüber dem weitest verbreiteten Präparat konnte dagegen von Benecke et al. bei 463 randomisierten Patienten mit cervikaler Dystonie gezeigt werden.“

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