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Neurologie 31. Mai 2006

Frauenspezifische Aspekte beim Schlaganfall

Geschlechtsspezifische Unterschiede sind in der Prävention des ischämischen Insults gegeben, nicht aber bei der Versorgung in Stroke Units.

Für knapp die Hälfte (46%) der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen (HKE) sind bei den Männern ischämische Herzerkrankungen verantwortlich, davon in 26% der Herzinfarkt. Bei Frauen haben ischämische Herzerkrankungen etwas weniger Gewicht (35% der Todesfälle aufgrund von HKE). Signifikant häufiger finden wir jedoch bei Frauen Krankheiten des übrigen arteriellen Gefäßsystems, insbesondere des zerebrovaskulären Systems (25% der Todesursachen bei Frauen zu 20% bei Männern). Die bedeutendste klinische Manifestation zerebrovaskulärer Erkrankungen ist der Schlaganfall. Geschlechtsspezifische Unterschiede wurden vor allem in der Primärprävention als auch Akut- und Sekundärprävention des ischämischen Schlaganfalles untersucht. Während zum Beispiel die prophylaktische Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) das Herzinfarktrisiko eher bei Männern signifikant senkt, verringert ASS insbesondere bei Frauen ab dem 65. Lebensjahr das Auftreten von ischämischen Schlaganfällen. In der Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalles weisen Frauen nach der systemischen Lyse mittels rtPA eine höhere Rekanalisationsrate auf, dagegen profitieren Frauen weniger von einer operativen Behandlung einer unter 70-prozentigen symptomatischen Karotisstenose.

Versorgung in Stroke Units

An den österreichischen Stroke-Units wird eine zunehmende Zahl von zerebrovaskulären PatientInnen behandelt. Basierend auf einer Gesamtzahl von insgesamt 10.356 dokumentierten Fällen (5.349 Männer, 5.007 Frauen) verglichen wir die demographischen Variablen, Häufigkeiten von Diagnosen und klinischer Präsentation, Zeiträume und Art der Versorgung sowie das Ergebnis nach drei Monaten zwischen männlichen und weiblichen Patienten. Die Patientinnen waren bei Aufnahme gegenüber den Männern im Mittel signifikant älter, es fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Schlaganfalltyp, Häufigkeit oder letztlich anderer Diagnosen. Patientinnen mit einem Schlaganfall waren bei der Aufnahme im Mittel signifikant stärker behindert als Männer. Der Zeitraum zwischen Auftreten des Schlaganfalls und Spitalsaufnahme sowie die Art und Häufigkeit der durchgeführten Untersuchungen waren jedoch vergleichbar. Eine systemische Lysebehandlung wurde bei Frauen und Männern etwa gleich häufig vorgenommen (Frauen 5,9%, Männer 5,7%). Die Erfassung des Befindens nach drei Monaten zeigte eine ähnliche Geschlechtsverteilung wie bei Aufnahme und ergab eine insgesamt weiterhin signifikant stärkere Behinderung der Frauen (Ranking =2: Frauen 51,9 %, Männer 40,6%). In der bisherigen Auswertung finden sich somit keinerlei Hinweise auf geschlechtsbezogene Unterschiede in der Versorgung von Schlaganfällen an Stroke Units in Österreich. Weibliche Schlaganfallpatienten kommen allerdings im Mittel mit einem signifikant stärkeren Defizit zur Aufnahme und bleiben auch stärker behindert. Dies sollte vermehrt auch bei der Planung der Nachversorgung Berücksichtigung finden.

Gekürzte Fasssung eines Beitrags von Prof. Dr. Susanna Horner und Prof. Dr. Franz Fazekas, Univ.-Klinik für Neurologie, Graz. Erschienen in: WMW Skriptum, Jahrgang 3, Heft 1.06. Literatur bei den Autoren.

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