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Neurologie 31. Mai 2006

„Time is brain“ – Vorbild Österreich

Wenn schon ein Schlaganfall, dann in Österreich, könnte man provokant formulieren. Denn: Was die Versorgung nach einem Schlaganfall betrifft, hat man bei uns gute Chancen, ohne bleibende Behinderung zu überleben. Das Österreichische Versorgungsnetzwerk an Stroke Units ist weltweit führend. Laut Schlaganfallregister erhält in unserem Land bereits jeder zweite Patient, der innerhalb der ersten drei Stunden an eine der zahlreichen Stroke Units kommt, eine thrombolytische Therapie. Diese Daten verdienen internationale Beachtung. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2005 in den USA nur 13 Prozent der Patienten, die innerhalb des therapeutischen Zeitfensters eine Thrombolyse erhielten. Trotz optimaler Erstversorgung sind dennoch etwa zwei Drittel der Patienten in irgendeiner Form von Folgeschäden betroffen. Neue Erkenntnisse bezüglich Regenerationsfähigkeit des Gehirns, der so genannten „Neuroplastizität“, müssen hier in Zukunft stärker genutzt werden. Auch im Bereich der Epilepsie tut sich einiges. Dank genauerer Neuroimaging-Verfahren kann die Krankheit immer präziser dia-gnostiziert und gezielter behandelt werden. Generell haben diagnostische und therapeutische Entwicklungen heute etlichen neurologischen Erkrankungen, z.B. Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose, viel von ihrem Schrecken genommen. Das zunehmende Wissen fordert jedoch weitere Spezialisierungen. Von der Neuro-onkologie über die Schmerztherapie, von Stroke Units bis zu MS-Zentren und Neuro-rehabilitationseinheiten wird dieser Entwicklung Rechnung getragen. „Trotz Spezialwissens darf jedoch die Allgemeinneurologie nie aus den Augen verloren werden“, betont Prof. Dr. Franz Fazekas, desiginierter Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie. Das in der breiten Bevölkerung immer noch mangelhafte Wissen um die Tätigkeit der Neurologen soll durch vermehrte Informationsarbeit gestärkt werden. In diesem Sinne sollen „begonnene Projekte in den nächsten Jahren intensiv weiter geführt werden“.

Eine informative Lektüre wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Dr. Myriam Hanna-Klinger, Stv. Chefredakteurin, und das Redaktionsteam der ÄRZTE WOCHE

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