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Neurologie 3. Mai 2006

Wirkungsfluktuationen in der Parkinsonbehandlung

In einem Konsensus-Papier zeigen österreichische Parkinsonexperten auf, wie dem so genannten Wearing-off-Phänomen der L-Dopa-Behandlung wirksam begegnet werden kann.

Zwar gibt es inzwischen auch andere Möglichkeiten der medikamentösen Parkinsontherapie, doch die Behandlung mit L-Dopa gilt 30 Jahre nach ihrer Einführung immer noch als die wirksamste und am besten verträgliche – als Goldstandard. Bei nahezu einem Drittel der Patienten kommt es jedoch nach rund zwei Jahren L-Dopa-Therapie zu medikamentös induzierten Dyskinesien. Zudem tritt bei bis zu 80 Prozent nach etwa fünf­jähriger Behandlung auch ein Wirkungsabfall gegen Ende des Dosierungsintervalls auf, der zu einer Wiederkehr von Parkinson-Symptomen führt. „Wearing-off“ nennen Neurologen dieses Problem. Im Jänner dieses Jahres haben Experten unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Parkinson Gesellschaft ein Konsensus-Papier zur besseren Früherkennung und Behandlung dieses Problems erstellt. Denn wie sich gezeigt hat, werden die für das Wearing-off typischen Zeichen meist zu spät erkannt. Das komplexe klinische Phänomen besteht aus motorischen, psychischen, sensorischen und vegetativen Symptomen.

Deutliche Zeichen

Für die Patienten selbst ist das Wearing-off das erste Mal auffällig, wenn die Einnahme einer Dosis vergessen wurde oder später als üblich erfolgt. Auch wenn Parkinsonsymptome vor der ersten morgendlichen Arzneimittelgabe auftreten, weist das auf einen Wirkungsabfall hin. Subjektiv beeinträchtigen die Betroffenen dabei am meisten der Tremor und die Gleichgewichtsstörungen, 28 Prozent der Patienten fühlen sich allerdings durch nichtmotorische Symptome wie Müdigkeit, Ängstlichkeit oder Schweißausbrüche und Reizbarkeit stärker behindert. Auch Rastlosigkeit, Schmerzen und verlangsamtes Denken sind oft eine Folge des Wearing-off-Phänomens und schränken die Lebensqualität erheblich ein. Um entsprechend gegensteuern zu können, ist es wichtig, das dosisabhängige Abklingen der Medikamentenwirkung möglichst frühzeitig zu erkennen. Das betonte der Präsident der Österreichischen Parkinson Gesellschaft, Prof. Dr. Werner Poewe von der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie auf einer Pressekonferenz Ende April in Wien. Erleichtert werde das durch gezieltes Fragen nach bestimmten Symptomen (siehe Kasten), wodurch auch unnötige Untersuchungen vermieden werden können. Was die Therapie betrifft, so sollte zunächst eine Optimierung der L-Dopa-Gabe bezüglich Dosis und Dosierungsfrequenz angestrebt werden. Je nach Verträglichkeit und etwaigen Kontraindikationen empfehlen die Experten, ergänzend COMT- Hemmer, MAO-Hemmer und Dopaminagonisten einzusetzen.

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