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Neurologie 10. Jänner 2006

Parkinson: Neue Behandlungsoption

Rund 17.000 Menschen leiden in Österreich am Morbus Parkinson. Zwar tritt die Krankheit vorwiegend bei älteren Menschen auf, jeder zehnte Betroffene spürt die ersten Anzeichen jedoch bereits im Alter von 30 Jahren. Mit Fortschreiten der Krankheit lässt die Wirksamkeit der oralen L-Dopa-Medikation nach.

Die Beschwerden der Parkinson-Krankheit sind typisch und für jeden Arzt relativ leicht erkennbar: allgemeine Verlangsamung der Bewegungen, Steifigkeit und Ruhetremor. Zusätzlich können nicht motorische Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen, autonome Funktionsstörungen und psychiatrische Komplikationen auftreten. Hervorgerufen werden die Beschwerden durch die Degeneration dopaminerger Neurone, die im Zusammenhang mit einem Zellverlust im Bereich der Substantia nigra stehen. Der Untergang der betreffenden Gehirnzellen beginnt allerdings schon etwa zehn Jahre bevor sich die ersten Symptome zeigen. Die Behandlung des bislang noch nicht heilbaren Leidens baut auf drei Säulen auf: Medikamente, chirurgische Verfahren wie die tiefe Hirnstimulation und begleitende Physio- und Ergotherapie.

L-Dopa-Langzeitsyndrom

Die medikamentösen Therapie­strategien zielen unter anderem auf eine Beeinflussung des Dopaminhaushalts ab, sei es durch eine Verstärkung der Synthese, eine Blockade der Wiederaufnahme, eine Hemmung des Abbaus des Neurotransmitters oder durch die Gabe von Dopaminrezeptoragonisten. Präparate mit L-Dopa, einer Vorstufe des unter anderem für die Steuerung der Bewegungskoordination notwendigen Dopamins, sind laut Prof. Dr. Eduard Auff, Leiter der Universitätsklinik für Neurologie am Wiener AKH, die am stärksten wirkenden Parkinsonmedikamente, auf die nahezu alle Patienten ansprechen. Bei der Mehrzahl der Betroffenen tritt jedoch das so genannte L-Dopa-Langzeitsyndrom auf. So kommt es nach rund fünf Jahren zu Dyskinesien, motorischen Fluktuationen und zu neuropsychiatrischen Problemen wie Verwirrtheit oder Psychosen. Hervorgerufen werden diese Symptome durch die Tatsache, dass mit Fortschreiten der Erkrankung die Speicherfähigkeit der Nervenzellen sinkt und damit auch die Wirksamkeit der oralen Therapien nachlässt. Für Patienten, die auf orale Therapien nicht mehr ausreichend ansprechen, wurde vor kurzem in ­Wien eine neue Behandlungsmethode vorgestellt: Mittels einer kleinen mobilen Pumpe wird über eine Dauersonde kontinuierlich L-Dopa in Gelform direkt in den Dünndarm verabreicht. „Der Vorteil ist, dass eine sehr stabile Blut- und damit Gehirnkonzentration von L-Dopa erreicht wird“, sagte Prof. DDr. Per Odin von der Abteilung für Neurologie am Klinikum Bremerhaven bei der Pressekonferenz. „Dadurch verschwinden die häufig beobachteten Wirkungsfluktuationen, die Patienten haben einen erheblich größeren Teil des Tages eine gute Beweglichkeit ohne Überbewegungen.“ Die Wirksamkeit wird bei jedem Patienten zunächst über eine temporäre Nasensonde im Krankenhaus getestet. Bei gutem Ansprechen wird eine Dauersonde implantiert und die kontinuierliche Dosis exakt eingestellt. Im Bedarsfall kann der Patient selbst aufdosieren.

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