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Neurologie 7. Oktober 2005

Neues Training bei Armlähmungen nach Insult

Bei der Rehabilitation von Patienten mit Armlähmungen nach einem Schlaganfall bewährt sich das intensive repetitive Training, belegen neue Studien.

In einer Untersuchung, die online im „Journal of Neurology“ publiziert wurde, teilten Berliner Wissenschaftler 28 Patienten, die höchstens sechs Monate zuvor einen Schlaganfall erlitten hatten und nun unter ausgeprägten Armparesen litten, in drei Gruppen auf. Patienten der ersten Gruppe bekamen vier Wochen lang eine konventionelle Krankengymnastik. Die Patienten der zweiten Gruppe übten zusätzlich nach dem Bobath-Konzept, einem Goldstandard der Physiotherapie nach Schlaganfall. Die Patienten der dritten Gruppe erhielten dazu das neu entwickelte Arm-BASIS-Training. Bei diesem werden einzelne Gelenkfunktionen täglich 45 Minuten lang durch zehn- bis 20-maliges Wiederholen isolierter Bewegungen trainiert, zunächst mit Unterstützung und dann zunehmend aktiv. Das erläuterte der Studienleiter Doz. Dr. Thomas Platz im Gespräch mit der deutschen Ärzte Zeitung.

Mehrere Monate Training nötig

Ziel sei es, aus einzelnen wieder möglichen Bewegungen in kleinen Schritten komplexe Bewegungen zu regenerieren, so dass ein Patient in der Lage ist, zum Beispiel wieder ein Glas zu nehmen und zum Mund zu führen. „Dafür ist bei einer starken Parese ein Training über mehrere Monate nötig“, so Platz, der an der Abteilung für neurologische Rehabilitation der Charité Berlin, arbeitet. In der Studie habe sich allerdings bereits nach vier Wochen ein Effekt gezeigt: In allen Gruppen besserte sich die aktive Bewegungsfähigkeit in den gelähmten Armen deutlich, jedoch am stärksten in der Gruppe mit repetitivem Training.
Außerdem konnte man nur bei den Patienten mit Arm-BASIS-Training bei der transkraniellen Magnetstimulation nachweisen, dass ein bestimmtes Gehirnareal, das den motorischen Schaden repräsentierte, systematisch auf andere, gesunde Bereiche verlagert wurde. Nachgewiesen wurde auch, dass das Ausmaß der Reorganisation im direkten Verhältnis zur motorischen Erholung stand. Die Resultate seien auch in einer größeren Studie mit 60 Patienten bestätigt worden, berichtete Platz. Aufgrund dieser Befunde gehe man davon aus, dass benachbartes Hirngewebe durch das Training die Funktion geschädigter Areale übernehme. Ähnliche Effekte im Gehirn seien auch beim Taub’schen Training festgestellt worden, einer Reha-Methode mit ebenfalls intensiver Bewegungswiederholung. Die konventionelle Krankengymnastik zielt vor allem darauf, Verspannungen und Spastiken zu lösen und die Muskulatur zu stärken, um eine physiologische Haltung und Bewegung zu sichern. Grundlage des Bobath-Konzeptes ist zunächst auch die Dehnung der angespannten Muskelgruppen, etwa der Beugemuskeln am Arm. Die Dehnungsreize sollen dabei die Wahrnehmung gelähmter Partien verbessern. Mit dem Therapeuten werden dann aktive Bewegungsmuster geübt, die für den Alltag wichtig sind. Neue Ansätze beruhen auf repetitivem Training. So wird beim Taub’schen Bewegungstraining der gesunde Arm in eine Schiene gelegt, damit er sich nicht mehr bewegen kann. 14 Tage lang üben Patienten je sechs Stunden täglich mit dem behinderten Arm verschiedene Bewegungen. Beim Arm-BASIS-Training werden täglich intensiv für 45 Minuten über mehrere Wochen alle Gelenke zunächst passiv, später aktiv trainiert.

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